Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Cholesterinsenkendes Medikament zur Therapie der Multiplen Sklerose?

11.03.2003


Die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS), der häufigsten entzündlichen neurologischen Erkrankung junger Erwachsener, ist weithin unbefriedigend. Ein großer Teil dieser Erkrankungen verläuft in Schüben als Folge der entzündlichen Herde in Gehirn und Rückenmark. Die Anzahl der Schübe kann durch sogenannte immunmodulatorische Medikamente (Interferone u.a.) bei einem Teil der Patienten verringert bis aufgehoben werden. Jetzt sehen Charité-Forscher in Atorvastatin, einer Substanz aus der Reihe der Statine, ein potentiell wirksames Mittel zur Behandlung von Patienten mit schubförmig verlaufender Multipler Sklerose.



Statine sind Medikamente, die verbreitet bei Herzkreislauferkrankungen eingesetzt werden. Zunächst nahm man an, daß die günstige Wirkung bei diesen Leiden auf der Senkung überhöhter Cholesterinwerte im Blut beruhe. In den letzten Jahren hat sich indessen gezeigt, daß ihre Wirksamkeit hauptsächlich auf ihre entzündungshemmenden Eigenschaften zurückzuführen ist. Und genau diese Qualität läßt sie geeignet erscheinen für die Therapie von Patienten mit MS.

... mehr zu:
»Atorvastatin »Sklerose »Statin »T-Zelle


Die MS gilt als Auto-Immunkrankheit: Dabei richten sich körpereigene Abwehrzellen, sog. auto-reaktive T-Zellen, gegen körpereigene Nervenstrukturen und bilden entzündliche Herde im Zentralnervensystem.

Orhan Aktas aus der Arbeitsgruppe um Frau Professor Frauke Zipp vom "Institut für Neuroimmunologie" der Charité hat jetzt nachweisen können, daß die auto-reaktiven T-Zellen sich in Wachstum und Vermehrung durch "Atorvastatin" eindämmen lassen. Im Tier setzen die T-Zellen unter der Behandlung mit dem Statin gleichzeitig weniger entzündungsfördernde und mehr entzündungshemmende Botenstoffe (Zytokine) frei. Dadurch fallen die Entzündungen in Gehirn und Rückenmark geringer aus und die Krankheitssymptome sind leichter.

Bei Mäusen, die an einer der MS vergleichbaren Krankheit litten (der chronisch experimentellen Autoimmunenzephalitis), reduzierte Atorvastatin die Bildung der spezifischen T-Zellen in Abhängigkeit von der Dosierung des Mittels. Entsprechend abgemildert wurde die Heftigkeit der Entzündung. Unter einer Dauertherapie mit Atorvastatin konnten - gegenüber unbehandelten Tieren - die Krankheitsschübe deutlich verringert werden und die Tiere so vor zunehmender Behinderung auf Grund neurologische Ausfälle geschützt werden.

Darüberhinaus konnte die Arbeitsgruppe der Charité zeigen, daß auch menschliche Zellen durch Atorvastatin in ihrem Wachstum behindert werden. Außerdem gelang es, den Mechanismus zu klären, wie das Statin in das T-Zellwachstum eingreift.
Hier biete sich die Möglichkeit zur Prophylaxe, folgert die Arbeitsgruppe und hält Studien mit Statinen zur Behandlung der schubförmig verlaufenden Form der MS für sinnvoll. Erleichtert werde dies dadurch, dass die Wirksubstanz als Tablette zur Verfügung stehe und ihre Verträglichkeit aus ihrem Einsatz bei Herzkreislaufkrankheiten und Fettstoffwechselstörungen gut bekannt sei.

Die Arbeit ist am 10.3.03 im renommierten "Journal of Experimental Medicine" vorab online publiziert worden

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Atorvastatin Sklerose Statin T-Zelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise