Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botox als Penicillin des 21. Jahrhunderts

05.03.2003


US-Forscher hoffen auf Supergift als ideales neues Medikament



Botox als neues Penicillin zu bezeichnen ist zwar nach Ansicht der Forscher noch etwas verfrüht, dennoch sehen amerikanische Wissenschaftler im "Supergift" große Chancen. Behandlungen in der Schönheitschirurgie zählen in der Zwischenzeit zur Alltäglichkeit. In anderen medizinischen Anwendungen hat sich die giftige Substanz ebenso bewährt, berichtet die New York Times.



Botox hat sich in der Schönheitschirurgie als Faltenbeseitiger einen Namen gemacht, das Toxin wurde bei Patienten, die nach Schlaganfällen gelähmt waren, eingesetzt. Auch in der Migräne-Behandlung, beim Tennis-Arm-Syndrom, bei Inkontinenz, bei Rückenschmerzen und bei Gesichtslähmungen wurde mit dem Toxin gearbeitet. Wissenschaftler haben Muskellähmungen mit Botox unter Kontrolle gebracht, so etwa Scheidenkrämpfe, die einen Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen oder bei krankhafter Fettleibigkeit, bei der der Muskel, der die Nahrung aus dem Magen lässt, mit dem Toxin behandelt wurde. Einige der Anwendungen sind so weit geprüft, dass sie bereits bei der amerikanischen Food & Drug Administration (FDA) gelandet sind und dort auf eine Zulassung warten. Bei anderen Anwendungen steht die Forschung noch am Anfang, berichtet die New York Times. Wissenschaftler sind sich aber einig, dass das Toxin als Heilmittel ein großes Spektrum umfasst.

"Botox hat ein enormes Potenzial", so der Neurologe Robert Daroff, der ehemalige Herausgeber des Fachmagazins "Neurology", der zwar mit dem Toxin nicht gearbeitet hat, aber die Ergebnisse bei Migräne-Patienten untersucht hat. Jean Carruthers, Augenspezialist an der University of British Columbia, vergleicht Botox mit Penicillin, weil es ebenso wie dieses ein organisches Derivat eines Bakteriums ist. "Darüber hinaus sind die Anwendungsgebiete von Botox einfach vielfältig", so der Wissenschaftler. Botox hat viele Vorteile, die andere Schmerzmittel nicht haben, dazu zählt etwa die lokale Wirkung genau dort, wo es injiziert wurde. Es kann überall angewendet werden, wo es darum geht Muskeln zu schwächen anstatt sie zu lähmen. Die Wirkung hält lange an, lässt langsam nach und macht daher Fehler reversibel. In 25 Jahren Anwendung gab es sehr wenige Problemfälle, berichten die Wissenschaftler.

Deutsche Wissenschaftler haben das Toxin auch zur Unterdrückung der Schweißabsonderung von Männern verwendet. Richard Glogau, Dermatologe in San Francisco hat entdeckt, dass der Wirkstoff bei der Behandlung von Falten im Gesicht auch Migräne bekämpfen kann. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Annals of Internal Medicine" berichtet ein Forscherteam der Universität in Hannover über eine erfolgreiche Anwendung von Botox bei einem 90 Kilogramm schweren Mann, der nach Injektionen in den Bauch innerhalb von vier Monaten neun Kilogramm Gewicht verlor. Der Mann hatte bereits nach der Einnahme kleiner Mengen von Nahrung ein Sättigungsgefühl.

"Es ist ein seltsames Schicksal des Toxins, das in den 30-er Jahren fast zum Ende der Konservenindustrie geführt hat, heute als Medikament sensationelle Ergebnisse herbeizuführen", so die Forscher. Wenn das Botox-Bakterium nämlich geschluckt wird, hat es in den meisten Fällen eine letale Wirkung für den Betreffenden, da sich das Toxin im Körper potenziert.

| New York Times
Weitere Informationen:
http://www.nytimes.com

Weitere Berichte zu: Botox Penicillin Schönheitschirurgie Toxin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie