Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Behandlungsqualität bei juvenilem Diabetes

14.09.2000


Kontrollierte Behandlungsqualität bei jungen Diabetikern
Dr.-Dr.-Bürger-Büsing-Forschungspreis 2000

Fördermittel in Höhe von mehr als 150.000 Mark über einen Zeitraum von zwei Jahren hat die Deutsche Diabetes-Stiftung für ein bundesweites Forschungsprojekt zur Verfügung gestellt, das sich mit dem EDV-Einsatz zur Qualitätsverbesserung der Diabetestherapie bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Als Co-Projektleiter (gemeinsam mit Prof. Dr. Franz Schweiggert, Leiter der Abteilung Angewandte Informationsverarbeitung) wurde Prof. Dr. Reinhard Holl, Leiter der Stabsabteilung Unterricht im Zentralinstitut für Biomedizinische Technik der Universität Ulm, darüber hinaus mit dem Forschungspreis der Dr.-Dr.-Bürger-Büsing-Stiftung zur Erforschung und Behandlung des Diabetes mellitus e. V., Kaiserslautern, (Dotation DM 30.000) ausgezeichnet.

Gesichertes Behandlungswissen

Trotz vielversprechender Ansätze und intensiver Bemühungen liegt eine Heilung der jugendlichen Form der Zuckerkrankheit (Typ-I-Diabetes) nach wie vor außer Reichweite. Dennoch könnte sich die langfristige Prognose der Patienten wesentlich günstiger darstellen, wenn die heutigen Behandlungsmöglichkeiten optimal genutzt würden. Medizinisches Qualitätsmanagement überprüft, ob gesichertes Behandlungswissen in der täglichen Routine von Kliniken und Praxen tatsächlich realisiert wird. Dazu müssen zunächst Qualitätsindikatoren, also Zahlen, welche die aktuelle Qualität der medizinischen Versorgung widerspiegeln, definiert und erhoben werden. In der Behandlung von Kindern oder Jugendlichen mit Diabetes sind die Häufigkeit und die Dauer stationärer Krankenhausaufenthalte, die Häufigkeit von Stoffwechselentgleisungen oder die Vollständigkeit der notwendigen Kontrolluntersuchungen solche allgemein akzeptierten Qualitätsindikatoren. Das in Ulm initiierte Dokumentationsprogramm DPV (»Diabetessoftware für prospektive Verlaufsdokumentation«) ermöglicht es Ärzten in Klinik und Praxis nun, diese Parameter aus den Betreuungsdaten zu errechnen.

Vor acht Jahren von Dr. Matthias Grabert und Prof. Dr. Franz Schweiggert konzipiert, eignet sich das Programm für Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene. Ein wesentliches Element der Entwicklung war die enge Zusammenarbeit der mathematischen Experten mit klinisch erfahrenen Diabetologen, namentlich Prof. Dr. Eberhard Heinze, Oberarzt in der Universitäts-Kinderklinik, und Büsing-Preisträger Holl, der auch Sprecher der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie ist. Dr. Josef Högel und Prof. Dr. Wilhelm Gaus von der Abteilung Medizinische Dokumentation und Biometrie steuerten spezifische Statistikmethoden bei. In bundesweit 90 Kinderkliniken, 50 Erwachsenenkliniken und 250 Arztpraxen wird das Programm mittlerweile eingesetzt. Damit liegen Daten über mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen mit Diabetes in Deutschland vor.

Feedback zum Optimum

Zur Auswertung schicken die teilnehmenden Einrichtungen zweimal im Jahr ihre Zahlen nach Ulm. Als Rückmeldung erhalten sie Grafiken, in denen die eigenen Resultate zu den Ergebnissen aller anderen Teilnehmer in Beziehung gesetzt sind. So lassen sich Schwachstellen des eigenen Zentrums erkennen und gezielt durch strukturelle Änderungen vor Ort (z.B. Personal, Ausbildung) oder durch Änderungen des Betreuungsprozesses (Verbesserung von Behandlungsrichtlinien, Umsetzung von Leitlinien der Fachgesellschaft etc.) angehen. Ob die Änderungen zu der gewünschten Verbesserung geführt haben, muß durch erneute Dokumentation nachgewiesen werden. Durch dieses Feedback der Qualitätssicherung soll die Betreuung der jeweiligen Patientengruppe schrittweise dem heute möglichen Optimum angenähert werden.

Zu Beginn vom Bundesgesundheitsministerium mit einer dreijährigen Anschubfinanzierung unterstützt, trägt sich das Projekt mittlerweile weitgehend über langfristig zugesagte Drittmittel. Die Firma NovoNordisk Pharma GmbH, Mainz, Tochterunternehmen eines weltweit aktiven Insulinherstellers aus Dänemark, ist seit mehreren Jahren dabei und hat sich vor kurzem bereiterklärt, ihr Engagement in den kommenden drei Jahren fortzuführen. Zusammen mit den Zuwendungen der Deutschen Diabetes-Stiftung und dem Büsing-Forschungspreis bilden diese Mittel die finanzielle Grundlage für den weiteren Ausbau der Studie. Zunächst geplant sind - in Zusammenarbeit mit der Abteilung Epidemiologie am Diabetesforschungsinstitut in Düsseldorf - Untersuchungen über die aktuelle Situation der Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes in Deutschland. Sie sollen Aufschluss geben über die Inanspruchnahme ambulanter und stationärer medizinischer Leistungen (etwa Krankenhausaufenthalte oder Patientenschulungen) durch heranwachsende Diabetespatienten und damit Anhaltspunkte für notwendige Weiterentwicklungen und Anpassungen des medizinischen Angebotes liefern.

Peter Pietschmann | idw

Weitere Berichte zu: Diabetes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie