Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Vitamin, das Blutfette senken kann

27.02.2003


Heidelberger Wissenschaftler finden Rezeptormolekül für Nikotinsäure. Gezielte Suche nach neuen Medikamenten möglich.

... mehr zu:
»Nikotinsäure »Rezeptor

Wissenschaftlern der Universität Heidelberg ist es gelungen, einen Eiweißstoff zu identifizieren, der große Bedeutung für die Behandlung von Störungen des Fettstoffwechsels hat. Dabei handelt sich um das Rezeptormolekül für Nikotinsäure, dessen Existenz seit über 20 Jahren postuliert wird. Die Entdeckung wird in der März-Ausgabe der britischen Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht und ist wegen ihrer hohen Bedeutung bereits in Kurzfassung online publiziert.

Störungen der Blutfette gehören zu den wesentlichen Risikofaktoren für arteriosklerotische Erkrankungen von Herz und Kreislauf - und damit für Herzinfarkt und Schlaganfall. Als vorbeugende Therapie werden lipidsenkende Medikamente verordnet, meistens "Statine" und "Fibrate", die an unterschiedlichen Stellen in den Fettstoffwechsel eingreifen. Aber auch die Nikotinsäure, ein Mitglied der Vitamin-B-Familie, wird seit langem eingesetzt. Nikotinsäure ist in kleinen Mengen in der Nahrung vorhanden. Sie greift unmittelbar an den Fettzellen an und bewirkt, dass weniger Triglyceride gespalten und als freie Fettsäuren in das Blut abgegeben werden. (Triglyceride sind ein Gemisch aus unterschiedlichen Kombinationen des Fettmoleküls Glycerin und Fettsäuren.)


Neue Substanzen mit weniger Nebenwirkungen als Nikotinsäure?

Schon seit langer Zeit wird postuliert, dass der fettspaltende Effekt der Nikotinsäure durch einen spezifischen Rezeptor vermittelt wird. Einem Forscherteam um Prof. Dr. Stefan Offermanns, Direktor des Instituts für Pharmakologie der Universität Heidelberg, sowie Wissenschaftlern der Universitäten München und Düsseldorf ist es gelungen, diesen Rezeptor dingfest zu machen. In Zellkulturen stellten sie fest, dass Nikotinsäure ihre Wirkung nur auf Zellen ausübt, die PUMA-G, den Nikotinsäurerezeptor von Mäusen, bzw. das menschliche Gegenstück HM-74 auf ihrer Oberfläche tragen. Außerdem untersuchten sie genetisch veränderte Mäuse, deren Fettzellen keinen PUMA-G-Rezeptor besitzen. Bei diesen Tieren konnte die Nikotinsäure - im Gegensatz zu normalen Mäusen - die freien Fettsäuren im Blut nicht mehr reduzieren. Damit hatten die Wissenschaftler bewiesen, dass es sich bei PUMA-G bzw. HM-74 um denjenigen Rezeptor handelt, der die Wirkung der Nikotinsäure vermittelt.

"Nachdem der Rezeptor für Nikotinsäure nun bekannt ist, kann gezielt nach effektiveren Wirkstoffen mit weniger Nebenwirkungen gesucht werden", erklärt Prof. Offermanns. Nikotinsäure selbst ist zwar durchaus wirksam und wird seit nahezu 50 Jahren als Fettsenker eingesetzt. Die Substanz muss allerdings in sehr hohen Dosen verabreicht werden und führt daher häufig zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Juckreiz, Hautrötung, Sodbrennen, und zum Teil sogar zu Leberschäden. Die Hoffnung auf einen therapeutischen Fortschritt ist jedoch durchaus begründet: Nikotinsäure lässt das "gute" Blutfett HDL-Cholesterin wesentlich stärker ansteigen, als Statine dies tun.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Stefan Offermanns
Pharmakologisches Institut der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 366
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 - 54-8246/7
Fax.: 06221 - 54-8549
E-mail: Stefan.Offermanns@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.pharmakologie.uni-hd.de

Weitere Berichte zu: Nikotinsäure Rezeptor

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie