Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

TA-Akademie präsentiert der EU ihr Konzept zur Anwendung des Vorsorgeprinzips - Risiken vermindern

24.02.2003


Ein neues Konzept zur frühzeitigen Erkennung und Vermeidung von Risiken im Umwelt- und Gesundheitsbereich präsentiert die TA-Akademie am Donnerstag, 27. Februar 2003 bei der Europäischen Kommission in Brüssel.* "Unser Konzept kann der EU-Kommission helfen, das europaweit geltende Vorsorgeprinzip bei der Regulierung von Risiken mit Leben zu füllen. Es verspricht effektiveren Schutz für die Bevölkerung, weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit für die Industrie und bessere Anschlussfähigkeit mit internationalen Regelungen", so Ortwin Renn, Leitender Direktor der TA-Akademie.



Gefahrenraster soll Risiken für EU-Bürger vermindern

... mehr zu:
»GMOs »TA-Akademie


Das Vorsorgeprinzip sieht vor, ungewisse Bedrohungen durch neue Chemikalien oder andere Risikoträger auch dann schon vorbeugend zu regulieren, wenn die Schädlichkeit noch nicht mit Sicherheit nachgewiesen ist. Dieses Prinzip ist in der europäischen Politik zwar theoretisch vorgeschrieben, wie dieses aber in der Praxis auszufüllen ist, darüber streiten sich die Mitgliedsländer bis heute. Das von der TA-Akademie entwickelte Konzept verspricht, diese Lücke zwischen Theorie und Praxis mit einem neuen Verfahrensvorschlag zu schließen.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern der ETH Zürich und der englischen Universität Sussex hat die TA-Akademie in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des von der EU finanzierten Projekts "The Application of the Precautionary Principle in the European Union" (PRECAUPRI) ein tragfähiges Modell zur Anwendung des Vorsorgeprinzips in der europäischen Risikoregulierung erarbeitet. Ortwin Renn hofft jetzt auf eine baldige Umsetzung in allen EU-Mitgliedsländern.

Das entwickelte Modell wurde speziell auf neue organische Schadstoffe zugeschnitten und soll die Verbreitung "irreversibler und weitverbreiteter Stoffe" künftig bereits vorsorglich einschränken. "Sollte sich ein Stoff im Nachhinein als giftig für Mensch und Tier erweisen, so übersteigen die Kosten seiner Entfernung aus der Umwelt die einer vorsorglichen Entwicklung eines alternativen Stoffes um ein Vielfaches", so Marion Dreyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der TA-Akademie. Das Modell weise aber nicht nur den Weg für den Umgang mit Chemikalien unter Bedingungen wissenschaftlicher Ungewissheit. Vielmehr könnten künftig auch unterschiedliche Risiken wie etwa elektromagnetische Strahlung oder genetisch veränderte Lebensmittel, je nachdem ob ihr Bedrohungspotential ernsthaft, wissenschaftlich unsicher, komplex oder gesellschaftlich umstritten ist, in fünf verschiedene Problemklassen eingestuft und dann verschiedenen rationalen Verfahren der Risikobearbeitung zugewiesen werden. "Der besondere Vorzug des Verfahrens", betont Marion Dreyer, "liegt in der klaren und eindeutigen Vorgehensweise bei der Bewertung von neuen Risikoträgern, wobei für alle Beteiligte mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit erreicht werden kann". "Die immer wieder beklagte Willkür, die oft mit dem Vorsorgeprinzip verbunden wird, ist bei unserem Konzept ausgeschlossen", ergänzt Projektleiter Ortwin Renn.

Am Beispiel gentechnisch modifizierter Organismen (GMOs) in der Lebensmittelherstellung verdeutlicht Dreyer, wie verschiedene Anwendungen einer Technologie verschiedene Verfahren der Risikobearbeitung erforderlich machen können: "Für den Einsatz von GMOs zur Käseherstellung in einem geschlossenen Kreislauf reichen nach unserem Modell die üblichen Sicherheitsmaßnahmen in der Produktion auf der Basis einer wahrscheinlichkeitsgestützten Risikoabschätzung aus," so die Risikosoziologin. Dagegen müsse der Einsatz von GMOs in der freien Umwelt, etwa beim Anbau transgener Nutzpflanzen, einem vorsorgeorientierten Ansatz der Risikobearbeitung unterworfen werden. "Hier können die ökologischen Effekte durch eine probabilistische Risikoabschätzung nicht angemessen erfasst werden", so Dreyer. Es bedürfe daher besonderer Instrumente des Risikomanagements, etwa einem Sicherheitsmonitoring nach der Marktzulassung. Da dieser Anwendungsbereich zudem eine besondere gesellschaftspolitische Sprengkraft besitze, empfehlen die Wissenschaftler begleitende diskursive Verfahren zur Sichtbarmachung der Konfliktlinien und Entschärfung der Auseinandersetzungen. "Bestimmte technische Anwendungen von GMOs, etwa als Antibiotika-Resistenzmarker können sogar ein präventives Verbot oder eine vorbeugende Empfehlung zur stark eingeschränkten Verwendung erfordern", so Dreyer.

In den vergangenen zwei Jahren hat die TA-Akademie ihr allgemeines Modell der Risikoregulierung im intensiven Dialog mit den unterschiedlichen Interessensgruppen aus Industrie, Umwelt und Verbraucherschutz, Politik und Recht in einer Reihe internationaler Workshops zur Diskussion gestellt und auf der Basis der Rückkopplungen durch die Workshop-Teilnehmer ein tragfähiges und belastbares Verfahren entwickelt. Dabei war der Einsatz der in der TA-Akademie eingesetzten Diskursmethoden besonders fruchtbar: "Die Interessensvertreter waren sehr engagiert und ihre zentralen Empfehlungen haben wir ins Modell integriert", so Dreyer. Vertreter aus den verschiedenen Workshops werden bei der Vorstellung des Modells in Brüssel im Rahmen einer Podiumsdiskussion ihre Mitwirkung an dem Enddokument kommentieren und mit den Autoren diskutieren.

Ansprechpartner:
Dr. Marion Dreyer, Tel: 0711/9063-278
E-Mail: v
Markus Geckeler, Tel: 0711/9063-222
E-Mail: markus.geckeler@ta-akademie.de

*Umfangreiche Hintergrundinformationen zum Projekt, sowie den kompletten Text des
Modells finden Sie auf Englisch (Executive Summary) auf unserer Homepage unter
http://www.ta-akademie.de oder direkt unter der Internetseite des Projektes http://precautionary:principle@193.174.157.9/login unter Precaution / "about the Project".


Dr. Birgit Spaeth | idw
Weitere Informationen:
http://www.ta-akademie.de
http://precautionary:principle@193.174.157.9/login

Weitere Berichte zu: GMOs TA-Akademie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aromatherapie bei COPD
12.05.2015 | Airnergy AG

nachricht Chronische Wunden können heilen
16.10.2017 | Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Im Focus: Topologische Isolatoren: Neuer Phasenübergang entdeckt

Physiker des HZB haben an BESSY II Materialien untersucht, die zu den topologischen Isolatoren gehören. Dabei entdeckten sie einen neuen Phasenübergang zwischen zwei unterschiedlichen topologischen Phasen. Eine dieser Phasen ist ferroelektrisch: das bedeutet, dass sich im Material spontan eine elektrische Polarisation ausbildet, die sich durch ein äußeres elektrisches Feld umschalten lässt. Dieses Ergebnis könnte neue Anwendungen wie das Schalten zwischen unterschiedlichen Leitfähigkeiten ermöglichen.

Topologische Isolatoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie an ihren Oberflächen Strom sehr gut leiten, während sie im Innern Isolatoren sind. Zu dieser neuen...

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Intelligente Messmethoden für die Bauwerkssicherheit: Fachtagung „Messen im Bauwesen“ am 14.11.2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

17.10.2017 | Informationstechnologie

Pflanzen gegen Staunässe schützen

17.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Trends der Umweltbranche auf der Spur

17.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz