Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung über Erkrankungen des Nervensystems wird gestärkt

04.10.2000


Erkrankungen des Nervensystems sind durch einen Ablauf von Prozessen charakterisiert, die von einer ursächlichen zellulären Fehlfunktion hin zu einem komplexen Krankheitsbild führen. Diese Abläufe sind bislang, abgesehen von wenigen Ausnahmen, nicht vollständig aufgeklärt. Vor diesem Hintergrund startete am 1. Juli 2000 an der Universität Würzburg der Sonderforschungsbereich 581 "Molekulare Modelle für Erkrankungen des Nervensystems".

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den neuen Würzburger Sonderforschungsbereich (SFB) in den ersten drei Jahren seines Bestehens mit rund acht Millionen Mark. Sprecher des SFB ist der Grundlagenforscher Prof. Dr. Michael Sendtner, der auch die Klinische Forschergruppe "Neuroregeneration" leitet, stellvertretender Sprecher ist der Kliniker Prof. Dr. Klaus Toyka, Direktor der Neurologischen Klinik der Universität.

Die Zahl der Genmutationen, die mit Krankheiten des Nervensystems in Verbindung gebracht werden, steige Jahr für Jahr an, so Prof. Sendtner. Bei der Forschung, der sich die Mitglieder des SFB widmen, spielen deshalb die Krankheitsmodelle eine wichtige Rolle, bei denen die Auswirkungen solcher Gendefekte untersucht werden. Diese können sich zum Beispiel darin äußern, dass Proteine nicht mehr richtig funktionieren und der Zellstoffwechsel gestört wird.

Bislang wurde die primäre Auswirkung der Mutationen vor allem an Einzelzellen oder im Gewebeverbund erforscht, zum Beispiel an Hefezellen oder bei Maus und Fruchtfliege. Dabei habe sich gezeigt, so Prof. Sendtner, dass die verwendeten Modelle auch ein großes Potenzial für die Untersuchung von komplexen Krankheitsprozessen besitzen: Mit ihnen ließen sich nicht nur die primären, sondern auch die darauf folgenden Schritte der Krankheitsentstehung ergründen.

Zunächst sollen deshalb im neuen SFB molekulargenetisch genau charakterisierte Tiermodelle etabliert werden. Dann gilt es die Frage zu klären, ob sie sich als Stellvertreter für entsprechende Erkrankungen des menschlichen Nervensystems eignen. Später sollen Untersuchungen an Zell- und Organkulturen sowie molekulargenetische Forschungen zur Genregulation mit einbezogen werden. All dies geschieht natürlich mit Blick auf mögliche neue Therapiemöglichkeiten.

Der SFB will Brücken schlagen von der molekularen, zellbiologisch orientierten Grundlagenforschung hin zum Verständnis des vielschichtigen Ablaufs von Krankheitsprozessen. Weil dies nur interdisziplinär erfolgen kann, verbindet er Arbeitsgruppen, die mit verschiedensten Methoden an Modellsystemen für neurodegenerative und neuroimmunologische Vorgänge arbeiten.

Beteiligt sind Teams aus den Kliniken für Neurologie und Psychiatrie sowie aus den Instituten für Virologie und Immunbiologie, Anatomie und Humangenetik, Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung. Auch die Fakultät für Biologie ist dabei, und zwar mit den Lehrstühlen für Genetik und Zoologie I (Zell- und Entwicklungsbiologie).

Der SFB gliedert sich in zwei große Projektbereiche: Zum einen geht es um die molekularen Mechanismen entzündlicher Erkrankungen des Nervensystems, zum anderen um degenerative Prozesse im Nervensystem. Hiermit wird laut Prof. Sendtner ein breites Krankheitsspektrum abgedeckt, das von der Multiplen Sklerose über Neuropathien, Motoneuronerkrankungen und die Huntingtonsche Krankheit bis hin zu Demenzprozessen, also dem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten, und anderen komplexen psychiatrischen Erkrankungen reicht.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Michael Sendtner, T (0931) 201-5767, Fax (0931) 201-2697, E-Mail:
sendtner@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Nervensystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Einem neuen, effektiven Fertigungsverfahren auf der Spur

23.01.2017 | Förderungen Preise

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung