Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bekanntes Gen mit neuer Wirkung

04.02.2003


Brustkrebsgen löst auch familiären Bauchspeicheldrüsenkrebs aus



Von einem bekannten Gen ist eine neue Wirkung beschrieben worden: Seit längerem weiß man, dass Veränderungen des BRCA-2-Gens das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs erhöhen. Wissenschaftler aus Bochum, Marburg und Liverpool haben jetzt entdeckt, dass Mutationen im BRCA-2-Gen auch für die Entstehung von erblichem Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich sind. Die Ergebnisse basieren auf Untersuchungen an europäischen Familien und wurden im Rahmen einer Studie der Deutschen Krebshilfe erhoben.



Etwa fünf Prozent aller Brust- und Eierstockkrebsfälle sind erblich bedingt. Sie sind also auf Veränderungen in bestimmten Genen zurückzuführen, die an die Nachkommen vererbt werden. Die häufigsten Gene, die Brust- oder Eierstockkrebs auslösen können, sind die veränderten Gene BRCA-1 und BRCA-2 (BReast CAncer-Gene). BRCA-1 wurde bereits 1994 identifiziert, BRCA-2 zwei Jahre später. Wenn eine Mutation in einem dieser Gene vorliegt, ist das Brustkrebs-Risiko um 80 bis 85 Prozent erhöht, das Risiko für Eierstockkrebs liegt bei 25 bis 60 Prozent. Nun haben Wissenschaftler im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Krebshilfe heraus gefunden, dass das BRCA-2-Gen auch für etwa ein Fünftel der familiären Bauchspeicheldrüsenkrebsfälle verantwortlich ist. Untermauert werden die Daten durch neueste Untersuchungen in den USA.

"Unsere Ergebnisse könnten neue Wege in der Früherkennung bei erblichem Bauchspeicheldrüsenkrebs eröffnen und die Heilungschancen betroffener Familien verbessern", hofft Privatdozent Dr. Detlef Bartsch von der Klinik für Visceral-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Philipps-Universität Marburg und Leiter des Projektes. "Angehörige von Familien, in denen gehäuft Bauchspeicheldrüsenkrebs auftritt, können in Zukunft im Rahmen einer humangenetischen Beratung auch daraufhin untersucht werden, ob sie eine Veränderung des BRCA-2-Gens tragen", rät der Mediziner. Dies gelte allerdings nur für Familien, bei denen mindestens zwei Angehörige mit direktem Verwandtschaftsgrad Bauchspeicheldrüsenkrebs haben. Denn bei sporadisch auftretendem Bauchspeicheldrüsenkrebs scheint dieses Gen keine besondere Rolle zu spielen. "Die Entdeckung des BRCA-2-Gens als Ursache für familiären Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein wichtiges Puzzleteil, um diese unheilvolle Krebsart eines Tages besser in den Griff zu bekommen", sagt Dr. Bartsch. Vom Nachweis des Gen-Defekts bis zu einem direkten Nutzen für den Patienten ist es aber noch ein weiter Weg: Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nach wie vor eine schwer heilbare Krebsform, da nur selten Frühsymptome auftreten.

Die Ergebnisse der europäischen Studie, an der neben Privatdozent Dr. Bartsch auch Privatdozent Dr. Stephan Hahn von der Medizinischen Universitätsklinik, Knappschaftskrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum, Privatdozent Dr. Harald Rieder vom Institut für Klinische Genetik der Philipps-Universität Marburg und Professor John Neoptolemos von der Chirurgischen Klinik der Universität Liverpool beteiligt sind, werden am 5. Februar 2003 in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of the National Cancer Institute (JNCI) veröffentlicht.

Deutsche Krebshilfe e.V.
Postfach 1467, 53004 Bonn
e-Mail: deutsche@krebshilfe.de

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: BRCA-2-Gen Bauchspeicheldrüsenkrebs Eierstockkrebs Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie