Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse über Bluthochdruck in der Schwangerschaft

31.01.2003


Bluthochdruck in der Schwangerschaft ist die häufigste Ursache für eine Gesundheitsschädigung oder gar den Tod von Mutter und Kind. Die Ursache für diese als Präeklampsie oder Gestose (lat. gestare - tragen) bezeichnete Erkrankung ist noch unklar.



Möglicherweise spielen bei der Entstehung Autoantikörper eine Rolle, Proteine, die den eigenen Körper angreifen. Bei Schwangeren mit Präemklampsie entdeckten Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in Zusammenarbeit mit der Franz-Volhard-Klinik des Universitätsklinikums Charité der Humboldt-Universität, (Campus Berlin-Buch/Helios Kliniken Berlin) Autoantikörper, die gegen einen Rezeptor (Angiotensin II AT1) gerichtet sind, der an der Blutdruckregulation beteiligt ist. Kürzlich konnten sie zeigen, dass die Autoantikörper ein bestimmtes Enzym (NADPH-Oxydase) aktivieren, das Sauerstoffradikale freisetzt, die wiederum die Blutgefäße schädigen können. "Das könnte ein erster Hinweis darauf sein, wie die Krankheit entsteht", sagte der Bluthochdruckforscher und Nierenspezialist Prof. Friedrich Luft (FVK und MDC) auf einer internationalen Tagung in Berlin-Buch. Das eintägige Symposium über Autoantikörper, die so genannte G-Protein gekoppelte Rezeptoren aktivieren und Krankheiten auslösen können, fand aus Anlass des 60. Geburtstags von Dr. Gerd Wallukat (MDC) statt, der in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland eine Reihe von Autoantikörpern, darunter auch die bei Schwangeren mit Bluthochdruck, entdeckt hat.



Etwa drei bis fünf Prozent der Frauen, die ein Kind erwarten, entwickeln plötzlich im sechsten oder siebten Monat der Schwangerschaft Bluthochdruck. Da er die Blutgefäße der Plazenta (Mutterkuchen) schädigen kann, besteht die Gefahr, dass das Ungeborene nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Eine ursächliche Therapie gibt es zur Zeit nicht. In schweren Fällen muss die Schwangerschaft durch einen Kaiserschnitt vorzeitig beendet werden. Der Bluthochdruck schädigt darüber hinaus auch die Nieren der Schwangeren, es tritt vermehrt Eiweiß im Urin auf und es lagert sich Wasser (Ödemen) in den Beinen ab.

Wie Prof. Luft weiter berichtete, konnten die Autoantikörper in der Plazenta sowie im Blut von Schwangeren nachgewiesen werden. Unklar ist, weshalb sich überhaupt erst Autoantikörper gebildet haben. Nach der Entbindung der Frauen waren die Autoantikörper nicht mehr nachweisbar. Im Blut von gesunden Schwangeren kommen sie nicht vor.

Prof. Luft und seine Mitarbeiter Dr. Ralf Dechend, Dominik Müller, Priv.-Doz. Dr. Volker Homuth sowie Dr. Wallukat (MDC) konnten jetzt in Experimenten mit Zellkulturen zeigen, dass die Autoantikörper auf Plazentazellen und glatte Gefäßmuskelzellen aufgebracht, das Enzym NADPH-Oxydase (die Abk. steht für engl: Nicotinamide adenine dinucleotide phosphate-oxydase) aktivieren. Dieses Enzym spielt zum Beispiel bei der Immunabwehr eine Rolle. An Gefäßzellen setzt es jedoch Sauerstoffradikale frei, die eine entscheidende Rolle bei der Schädigung von Gefäßen etwa bei Arteriosklerose und Diabetes spielen. Weiter zeigte sich, dass dieses Enzym in der Plazenta von Frauen mit Präeklampsie in höheren Mengen nachweisbar war, als bei gesunden Schwangeren.

In weiteren Forschungsarbeiten soll jetzt untersucht werden, ob die Autoantikörper tatsächlich den schwangerschaftsspezifschen Bluthochdruck auslösen. Ziel ist die Entwicklung einer Therapie. Nach den Vorstellungen der Forscher und Kliniker könnten die Autoantikörper durch spezifische Auswaschverfahren aus dem Blut entfernt werden. Auf diese Weise könnte möglicherweise eine Schwangerschaft verlängert und damit die Überlebenschancen des Kindes erhöht werden. Erste Versuche mit dieser Form der Behandlung von Patientinnen mit Präeklampsie sind angelaufen.

Barbara Bachtler | idw
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: Autoantikörper Bluthochdruck Enzym Schwangerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Freie Elektronen in Sonnen-Protuberanzen untersucht

25.07.2017 | Physik Astronomie

Die turbulente Atmosphäre der Venus

25.07.2017 | Physik Astronomie