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Durch Zelltod zum Leben - Deutsche Krebshilfe will Strahlentherapie wirksamer machen

28.01.2003


Die Strahlentherapie hilft im Kampf gegen die Krebszellen: Sie soll unter anderem den so genannten programmierten Zelltod im Tumor auslösen.


Bei etwa 60 Prozent aller Krebspatienten werden im Verlauf der Erkrankung strahlentherapeutische Verfahren eingesetzt. Doch nicht immer ist diese Methode erfolgreich. Die Tumorzellen können Schutzmechanismen entwickeln, die sie resistent gegenüber den Strahlen machen - der Krebs kann weiter wachsen. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt ein Forschungsprojekt an der Universität Tübingen, das den Zusammenhang zwischen dem programmierten Zelltod und der Strahlentherapie untersucht. Die Wissenschaftler möchten in den Signalweg des Zelltods eingreifen, um die Wirksamkeit der Bestrahlung zu erhöhen. Das Projekt wird von der Deutschen Krebshilfe mit rund 346.000 Euro gefördert.

Bei vielen Krebserkrankungen ist die Strahlentherapie die Methode der Wahl, um Krebszellen zu vermindern oder sogar vollständig zu zerstören. Die Bestrahlung ist neben der Operation und der Chemotherapie eine der wichtigsten Säulen der Krebsbehandlung. In vielen Fällen können Krebspatienten durch eine Kombination dieser Methoden geheilt werden. Doch die Strahlentherapie ist keine Garantie zur Heilung. Dies zeigte sich auch bei der Brustkrebspatientin Sandra T.: Sie hatte sich zur brusterhaltenden Operation mit anschließender Bestrahlung entschieden. Die Strahlen konnten jedoch nicht alle verbliebenen Tumorzellen wirkungsvoll vernichten, der Krebs ist zurückgekehrt. Das Projekt der Deutschen Krebshilfe könnte nun Patienten wie Sandra T. neue Hoffnung geben.


Die Bestrahlung löst unter anderem den so genannten programmierten Zelltod aus. Durch diesen, auch als Apoptose bezeichneten Prozess, zerstören sich die Krebszellen selbst. Der programmierte Zelltod hat im gesunden Organismus vor allem die Aufgabe das Zellwachstum zu regulieren. Damit dies richtig funktioniert, müssen eine Vielzahl von Proteinen und Molekülen zusammenwirken. Wenn nun Fehler in den Apoptose-Signalwegen auftreten, kann es zu unkontrollierten Zellwucherungen kommen - Krebs entsteht. Durch die Bestrahlung sollen Zelltodprogramme der bösartig veränderten Zellen wieder aktiviert werden. "Doch bei einem Tumor können zum Beispiel Veränderungen des Zellmilieus oder das Auftreten von Schutzproteinen verhindern, dass die Krebszellen absterben," erklärt Dr. Claus Belka. Zusammen mit Dr. Verena Jendrossek leitet er das Projekt an der Universität Tübingen in der Klinik für Radioonkologie. Das Forscherteam nimmt den Zusammenhang zwischen der Strahlentherapie und dem programmierten Zelltod genauer unter die Lupe. Die Wissenschaftler möchten in den Signalweg der Apoptose regulierend eingreifen, um die Strahlentherapie effektiver zu machen. Dabei haben sie vor allem zwei Moleküle im Visier: Zum einen das Schutzprotein Bcl-2, das die Zellen vor dem Zelltod schützt. Zum anderen Apoptose-fördernde Signalmoleküle, so genannte Ceramide.

Da das Bcl-2-Protein den Zelltod verhindert, wird es auch Apoptose-Schutzprotein genannt. Durch die Analyse der Funktionsweise dieses Proteins möchten die Forscher besser verstehen, welche Mechanismen die Strahlenwirkung beeinflussen. Die Erkenntnisse könnten dazu beitragen den Krebszelltod durch Bestrahlung gezielt auszulösen. Ceramide sind Lipide, die unter bestimmten Bedingungen aus Zellwandbausteinen freigesetzt werden. Sie sind quasi indirekte Gegenspieler zu den Bcl-2-Molekülen, da sie den programmierten Zelltod vermitteln. Als Auslöser der Apoptose könnten die Ceramide möglicherweise auch die Wirksamkeit der Strahlentherapie unterstützen. Die Wissenschaftler untersuchen, ob durch Verbesserung der Ceramidbildung die Krebszellen empfindlicher auf die Bestrahlung reagieren und die bösartigen Zellen dadurch effektiver in den Zelltod getrieben werden können. "Wenn tatsächlich ein höherer Ceramid-Gehalt die Strahlenwirkung verbessert, bestünde in Zukunft vielleicht die Möglichkeit, zum Beispiel durch medikamentöse Beeinflussung des Ceramidstoffwechsels, die Effektivität der Strahlentherapie zu erhöhen", erläutert Dr. Belka. Für Sandra T. und andere Patienten, bei denen die Strahlentherapie nicht wirkungsvoll genug ist, könnte somit die Hoffnung bestehen, dass die Krebszellen keine zweite Chance bekommen.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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