Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie wandernde Krebszellen trotz Medikamenten vorwärts kommen

28.01.2003


Im Kampf gegen den Krebs setzt die Medizin unter anderem auf Protease-Hemmer: Diese Medikamente sollen die Ausbreitung der Tumorzellen im Körper verhindern. Bei den Patienten allerdings funktioniert diese Strategie bislang nicht. Wissenschaftler von der Universität Würzburg haben jetzt herausgefunden, dass die Krebszellen ihr durch die Medikamente lahm gelegtes Fortbewegungssystem offenbar ganz einfach durch ein anderes ersetzen. Darüber berichtet die aktuelle Ausgabe des Fachblatts "Journal of Cell Biology".



Wenn aggressive Krebszellen aus dem Tumorverband ausbrechen, können sie sich über das Blut- und Lymphgefäßsystem verbreiten und an anderen Stellen im Körper Metastasen bilden. Um im Organismus vorwärts zu kommen, benutzen viele Krebszellen Enzyme, so genannte Proteasen, mit deren Hilfe sie eine Schneise durch das Gewebe schlagen.

... mehr zu:
»Enzym »Gewebe »Krebszelle »Tumorzelle


Die Medizin hat darum versucht, diese Enzyme zu hemmen und so den Ausbreitungsdrang der Krebszellen zu unterbinden. In vielen Tierversuchen war diese Strategie erfolgreich, doch klinische Versuche an Krebspatienten verliefen bislang zum größten Teil enttäuschend: Die Protease-Hemmer konnten die Ausbreitung der Krebszellen nicht stoppen.

Eine mögliche Erklärung hierfür haben Katarina Wolf und Peter Friedl von der Hautklinik der Universität Würzburg zusammen mit Kollegen aus den USA gefunden: Wenn ihre "Fortbewegungsenzyme" gehemmt sind, verändern die Tumorzellen ihre Form und können dann nach Art der Amöben selbst durch kleine Gewebslücken hindurchschlüpfen.

Das erkannten die Forscher, indem sie Tumorzellen unter dem Zeitraffer-Mikroskop beobachteten. Einmal waren die bösartigen Zellen in Kollagen eingebettet, was den Verhältnissen im Körper entspricht. Hier sahen die Wissenschaftler zunächst, wie sich die spindelförmigen Tumorzellen ihren Weg bahnten und dabei eine regelrechte Röhre hinterließen. In einer anderen Versuchsanordnung beobachteten sie die Zellen direkt in der Haut von Mäusen.

Dann blockierten sie jegliche gewebsverdauende Enzymaktivität. Eigentlich hätten sich die Krebszellen nun im dichten Gewebe "verfangen" müssen. Doch zur Überraschung der Wissenschaftler wanderten die Zellen genauso effizient wie vorher. Allerdings veränderte sich die Art ihrer Bewegung deutlich und erinnerte jetzt an die hoch flexible Bewegung von Amöben. Hierfür bauten die Zellen weder Gewebe ab noch hinterließen sie einen Pfad.

Jetzt wollen die Würzburger Mediziner herausfinden, wie es zu der Wandlung kommt. "Sollte dieser Prozess für den Verlauf einer Krebserkrankung relevant sein, wäre es wichtig zu wissen, wie man ihn verhindern kann", sagt Katarina Wolf. So könnten sich, zusammen mit einer Blockade der gewebsabbauenden Enzyme, neue Therapiemöglichkeiten ergeben.

Katarina Wolf, Irina Mazo, Harry Leung, Katharina Engelke, Ulrich H. von Andrian, Elena I. Deryugina, Alex Y. Strongin, Eva-B. Bröcker und Peter Friedl: "Compensation mechanism in tumor cell migration: mesenchymal-amoeboid transition after blocking of pericellular proteolysis", The Journal of Cell Biology, 20. Januar 2003, Volume 160, Nummer 2, Seiten 267 bis 277.

Hinweis für Redaktionen und Journalisten: Den Originalartikel können Sie bei der Pressestelle der Universität Würzburg auf Papier oder als pdf-Datei (2,4 MB) anfordern, T (0931) 31-2401, E-Mail:
emmerich@zv.uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Peter Friedl, T (0931) 201-26737, Fax (0931) 201-26700, E-Mail: peter.fr@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Enzym Gewebe Krebszelle Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Immunsystem: Wer lockt die Polizisten auf Streife?
17.02.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Erstmals Herzpflaster aus Stammzellen für die Anwendung an Patienten mit Herzmuskelschwäche
17.02.2017 | Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung