Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Medizin: Ergebnisse der größten Studie zur arteriellen Verschlusskrankheit

21.01.2003


Vorboten von Herzinfarkt und Schlaganfall


"getABI": Größte Studie zur arteriellen Verschlusskrankheit
Nur die Hälfte der Erkrankungen wird diagnostiziert



Etwa ein Drittel (30,2 Prozent) der 6.880 über 65-jährigen Teilnehmer der Studie "getABI" leiden an der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (AVK), der koronaren Herzkrankheit oder cerebrovaskulären Erkrankungen (Hirndurchblutungsstörungen). Als Manifestationen ein und desselben Grundleidens treten diese Erkrankungen oft gemeinsam auf - die AVK ist dabei eine Markererkrankung: Sie weist häufig auf einen drohenden Herzinfarkt oder Schlaganfall hin. Mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden werden jedoch nur die Hälfte der AVK-Fälle richtig diagnostiziert. Dies sind die ersten Ergebnisse der bundesweiten Studie "getABI" (German Trial on Ankle Brachial Index, Sponsor: Sanofi-Synthelabo). Die Studie wird in 344 Praxen durchgeführt, die Auswertung erfolgt in der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität unter Leitung von Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch.

Die Prognose ist schlechter als bei Brustkrebs

Die Prognose bei AVK ist erschreckend schlecht: "Jeder fünfte AVK-Patient stirbt innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose, 70 Prozent davon am Herzinfarkt. Die allgemeine Lebenserwartung bei AVK ist gegenüber nicht betroffenen Patienten um zehn Jahre verringert," erläutert Prof. Dr. Curt Diehm (Universität Heidelberg). Da die AVK jedoch schleichend verläuft - kaum ein Drittel der Erkrankten bemerkt Symptome - wird sie viel zu selten entdeckt: Mit herkömmlichen Methoden wie z. B. Standardfragen zur Gehfähigkeit diagnostizieren Hausärzte nur etwa die Hälfte der Fälle.

Quer- und Längsschnittstudie: Jeder Fünfte ist gefährdet

Verlässliche Daten zur Häufigkeit der AVK in der deutschen Bevölkerung fehlten deshalb bisher. Die Studie "getABI" ermittelt zum einen die tatsächliche Häufigkeit der AVK bei Patienten über 65 Jahren anhand des Knöchel-Arm-Index (Ankle Brachial Index, ABI). Dazu messen sie den Blutdruck an der Pulsader und in der unteren Wadenregion und vergleichen diese Werte. Erstes Ergebnis: Ca. jeder fünfte untersuchte Patient hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine AVK. Zusätzlich zu dieser Querschnittuntersuchung gehört zu "getABI" eine Längsschnittstudie: Über drei Jahre hinweg werden die Teilnehmer immer wieder untersucht und ihr Gesundheitszustand wird verfolgt. Dabei geht es vor allem darum, ein Risikoprofil für AVK-Patienten zu bestimmen. Dazu gehören die Wahrscheinlichkeit von Herzinfarkt und Schlaganfall sowie ihre Sterblichkeit im Vergleich zu Patienten ohne AVK. Wichtiges Anliegen von "getABI" ist es außerdem, das Problembewusstsein der Ärzte zu ermitteln. Sie füllen dazu einen sog. Awareness-Fragebogen aus. Basierend auf diesen Daten hoffen die Forscher, rationale Maßnahmen zur Vorsorge und Therapie der AVK ableiten zu können. Dafür kommen z. B. gerinnungshemmende Medikamente oder Lipidsenker in Frage, die auch bei der koronaren Herzkrankheit eingesetzt werden.

Beobachten und Schlüsse ziehen

"getABI" ist eine reine Beobachtungsstudie: Es werden nur die Ergebnisse der Untersuchung der Patienten ausgewertet, eine bestimmte Behandlung (Intervention) ist nicht durch die Studie vorgegeben. "Die so gewonnenen Daten zur Ist-Situation erlauben dann Abschätzungen der - auch ökonomischen - Effekte von Interventionen", so Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch. Um qualitativ hochwertige und repräsentative Daten zu erhalten, wurden für "getABI" die 344 beteiligten Praxen besonders sorgfältig ausgewählt: Ihre geografische Verteilung und das Verhältnis von Allgemeinärzten zu Internisten entspricht den Verhältnissen in ganz Deutschland. Die teilnehmenden Ärzte konnten nach nur eintägiger Schulung die dopplersonografische Untersuchung an Pulsadern und Waden durchführen und zuverlässige Diagnosen stellen. Die Geräte waren in den meisten Praxen von vornherein vorhanden - die Diagnose und Behandlung der AVK ist also problemlos in Hausarztpraxen machbar.

Daten veröffentlichen

Um die Versorgung von AVK-Patienten in Deutschland zu verbessern und so auch Kosten einzusparen, werden die Ergebnisse von "getABI" auf wissenschaftlichen Kongressen, in Fachzeitschriften und Pressekonferenzen breit veröffentlicht. Sie stehen auch für weitere Forschungstätigkeiten zur Verfügung.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Joachim Trampisch, Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum, Overbergstraße 17, 44801 Bochum, Tel. 0234/32-27790, Fax: 0234/32-07790, E-Mail: hans.trampisch@rub.de

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.getabi.de

Weitere Berichte zu: AVK Herzinfarkt Verschlusskrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie