Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wird ein hoher Blutdruck schon vor der Geburt festgelegt?

15.01.2003


Heidelberger Wissenschaftler finden Zusammenhang zwischen Hypertonie und Zahl der Nierenkörperchen / Studie im "New England Journal of Medicine"



Ob sich im Erwachsenenalter ein hoher Blutdruck entwickelt, wird meist vor der Geburt entschieden. Dies trifft für die sogenannte "essentielle Hypertonie" zu, an der über 90 Prozent aller Hochdruck-Patienten leiden und deren Ursachen bislang unbekannt sind. Wissenschaftler der Universitäten Heidelberg und Erlangen haben festgestellt: Wer weniger Nierenkörperchen (sog. Glomeruli) hat, läuft eher Gefahr, einen hohen Blutdruck (Hypertonie) zu entwickeln. Die "Glomeruli" sorgen für die Filterung des Harns aus dem Blut und werden in der Embyronalzeit angelegt. Ihre Zahl ist entweder erblich bedingt oder wird durch Umweltfaktoren, z. B. Ernährung, im Mutterleib beeinflusst. Die Studie wurde jetzt in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

... mehr zu:
»Blutdruck »Glomerulus »Hypertonie »Niere


Die Wissenschaftler untersuchten bei insgesamt 20 Verkehrsopfern zwischen 35 und 59 Jahren, wie viele Glomeruli deren Nieren enthielten. Die Hälfte der Verstorbenen hatte zu Lebzeiten an einem hohen Blutdruck ungeklärter Ursache gelitten. "In diesen Nieren fanden wir im Durchschnitt ca. 700.000 Glomeruli, bei Gesunden doppelt so viele", erklärt die Ärztin Gunhild Keller, die sich im Rahmen ihrer Doktorarbeit unter Anleitung von Frau Prof. Dr. Kerstin Amann, Pathologisches Institut der Universität Erlangen, und Dr. Gisela Zimmer vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg mit dieser Problematik befasst hat.

Niere reguliert den Blutdruck / Weniger, aber größere Nierenkörperchen

Die Niere ist ein wichtiges Regulationsorgan für den Blutdruck: Durch Ausscheidung von Salz und die Produktion spezifischer Hormonen kann sie ihn maßgeblich beeinflussen. Hoher Blutdruck wiederum kann die Nierenfunktion erheblich einschränken, indem er die Glomeruli schädigt. "Wir konnten jedoch ausschließen, dass die verringerte Anzahl der Glomeruli eine Folge des hohen Blutdrucks war", sagt Prof. Dr. Eberhard Ritz, Leiter der Sektion Nephrologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. Noch eine weitere Besonderheit fanden sie Wissenschaftler in den "Hochdruck-Nieren": Sie hatten nicht nur weniger, sondern auch größere Nierenkörperchen. "Durch Expansion versuchen die verbliebenen Nierenfilter den Ausfall zu kompensieren", erklärt Prof. Ritz.

Das Ergebnis dieser Studie wird durch andere Untersuchungen gestützt: Ein geringes Geburtsgewicht sowie unterdurchschnittlich kleine Nieren sind als wichtige Risikofaktoren für die Entwicklung eines hohen Blutdrucks bekannt. Mangelhafte Ernährung oder toxische Stoffe während der Schwangerschaft und/oder eine genetische Veranlagung könnten verhindern, dass ausreichend Glomeruli angelegt werden. Ein weiteres Indiz für die Bedeutung der Nierenkörperchen haben Untersuchungen bei nierentransplantierten Patienten geliefert: Wer eine Spenderniere von einem Patienten mit Hochdruck erhalten hat, entwickelt häufiger einen hohen Blutdruck. Dafür könnte ausschlaggebend sein, dass die Zahl der Glomeruli in der übertragenen Niere geringer ist.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Blutdruck Glomerulus Hypertonie Niere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise