Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Botulinum: Modedroge oder wirksames Medikament?

10.01.2003


"Botulinum: Vom giftigsten aller Gifte zum segensreichen Medikament?" - um diese Frage kreisen heute die Diskussionen auf dem 27. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer.


Das Nervengift Botulinumtoxin gilt als "Wunderwaffe gegen Falten" und erfreut sich vor allem in den USA großer Beliebtheit. Das Mittel wird aber nicht nur in der Dermatologie eingesetzt, sondern auch und vor allem in der Schmerztherapie sowie zur Behandlung von spastischen Bewegungsstörungen und fokaler Hyperhidrose (anfallsartige Schweißausbrüche).

"In der Hand des erfahrenen Anwenders ist diese Behandlungsoption durchaus eine sichere und zufriedenstellende Therapieoption im Bereich der ästhetischen Medizin. Vor dem Missbrauch des Botulinumtoxins als Modedroge und so genannten Botox-Partys möchte ich jedoch eindringlich warnen", sagte Prof. Dr. Marc Heckmann, Ärztlicher Leiter der Praxisklinik Starnberg, auf dem Forum der Bundesärztekammer. Botulinumtoxin gilt als giftigste bekannte Substanz. Es wird von einem als "Clostridium botulinum" bezeichneten Erreger abgeschieden, der sich in verdorbenen Speisen - insbesondere Fleisch - bildet und bei Verzehr zu Vergiftungserscheinungen führt (Botulismus).


Der Einsatz von Botulinumtoxin in der Dermatologie umfasst die Therapie der primären Hyperhidrosis sowie die Behandlung hyperkinetisch bedingter Mimikfalten. Etwa 0,5 bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden an anfallsartigen Schweißausbrüchen. "Hyperhidrose ist kein lebensbedrohlicher Zustand, aber eine Erkrankung, die die Lebensqualität und die Freude am Leben empfindlich beeinträchtigen kann", so Heckmann. Inzwischen lägen mehr als 70 internationale Publikationen zu Botulinumtoxin und Hyperhidrosis vor, in denen durchweg eine verlässliche Wirkung und eine gute Verträglichkeit resümiert werde, erklärt Heckmann weiter. Auch im Bereich der ästhetischen Medizin gilt das Toxin als sichere und zufriedenstellende Therapieoption. Um beispielsweise ausgeprägte Zornesfalten zu beseitigen, reiche eine einfache, kaum schmerzhafte Injektion, um den gewünschten Effekt zu erzielen, erläutert Heckmann. Als besonderen Vorteil gegenüber operativen Eingriffen erachtet er die nach drei bis sechs Monaten nachlassende Wirkung des Botulinumtoxins, durch die eine problemlose Rückkehr in den Ausgangszustand möglich ist.

Ein weiterer Einsatzbereich des Mittels ist die Schmerztherapie. Es wird vor allem zur Behandlung von Erkrankungen angewendet, die durch eine unangemessen hohe Muskelkontraktion charakterisiert sind, z.B. spastische Bewegungsstörungen. So trägt Botulinumtoxin unter anderem zur Normalisierung übermäßiger Muskelspindelaktivität und muskulärer Hyperaktivität bei. Die Wirksamkeit der Behandlung von Schmerzen bei muskulärer Hyperaktivität ist empirisch gut belegt. Bei anderen Einsatzgebieten, beispielsweise bei primären Kopfschmerzen, differieren noch die Ansichten zur Dosierung, zu Injektionsarealen und zum methodischen Vorgehen. Die teilweise widersprüchlichen Befunde erfordern aber weitere Studien.

Pressestelle | Bundeszahnärztekammer

Weitere Berichte zu: Botulinum Botulinumtoxin Dermatologie Hyperaktivität

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie