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Schmerzbehandlung: Die ersten Stunden entscheiden!

11.12.2002


Sofort nach einer Operation muss eine intensive Schmerzbehandlung erfolgen, um den Heilungsprozess zu fördern und der Gefahr der chronischen Schmerzen entgegen zu treten - unabhängig von der Grösse der Operation. Nach einer internationalen Studie leiden bis zu einem Drittel der Patienten noch nach einem Jahr unter Schmerzen, weil sie zu spät schmerztherapeutisch behandelt wurden.



Köln, 10. Dezember 2002: Schmerzforscher und Chefärzte chirurgischer Abteilungen deutscher Universitätskliniken trafen sich auf dem Schmerzkongress "DGSS meets surgery" vom sechsten bis achten Dezember 2002 in Bensberg bei Köln, um die gegenwärtigen Schmerztherapien zu diskutieren. Prof. Dr. Edmund Neugebauer, Schmerzforscher der Universitätsklinik Köln und Kongressleiter: "Heraus kam, dass eine intensive und individuelle schmerztherapeutische Behandlung sofort nach der Operation zum Standard in deutschen Krankenhäusern gehören muss, da bei den Patienten eine unzureichende Schmerzbehandlung zu einer beeinträchtigten Heilung und chronischen Folgen, bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, führen kann. Nur das interdisziplinäre Zusammenwirken von Chirurgen, Anästhesisten, Psychologen und Pflegern garantiert die optimale schmerztherapeutische Behandlung des Patienten."



Genau dies geschieht nach Neugebauers Ansicht in deutschen Krankenhäusern äusserst selten, und sagt: "Die Schmerztherapie ist an den meisten deutschen Krankenhäusern im Vergleich zu den anderen medizinischen Entwicklungen in der Medizin mittelalterlich," und fordert jetzt ein komplettes Umdenken. Tatsächlich erfolgt eine schmerztherapeutische Behandlung in der Regel durch eine Stationsschwester, meist erst bei Klagen des Patienten und aus Angst vor Nebenwirkungen in unzureichender Dosierung - mit erheblichen gesundheitlichen Folgen. Starke Schmerzen beeinträchtigen eine rasche Erholung des Organismus, führen zu einer verschlechterten Atmung, erhöhen die Gefahr einer Lungenentzündung, begünstigen weitere Komplikationen und können zu lebenslangen Schmerzen im Operationsgebiet führen. Starke postoperative Schmerzen, die nicht oder unzureichend behandelt werden, verletzen nach Neugebauers Ansicht nicht nur das Recht des Patienten auf Schmerzfreiheit, sondern belasten unnötig das Gesundheitssystem. "Schmerzfreie Patienten", so Neugebauer," sind kürzer krankgeschrieben!" Er fordert deshalb die Einführung der universitären Ausbildung im Bereich Schmerztherapie und ergänzt: "Dies ist kein gesundheitspolitisches oder betriebswirtschaftliches Problem. Es ist ein gesellschaftspolitisches Problem, das auch als solches behandelt werden muss!"

Studien bei Patienten, die nach Operationen intensiv schmerztherapeutisch behandelt wurden, haben eine geringere Liegezeit, eine Erhöhung der Lebensqualität und eine verbesserte Heilung nachgewiesen. Eine intensive Schmerzbehandlung beginnt heute vor der Operation und zieht eine Fortsetzung auch nach der Krankenhausentlassung nach sich. Jedoch legt eine amerikanische Studie, die sich nach Neugebauers Ansicht problemlos auf Deutschland übertragen lässt, offen, dass 80 % der befragten Hausärzte, die für Patienten oft die erste Anlaufstelle nach Operationen darstellen, über keine standardisierten Schmerztherapiekonzepte verfügen. Neugebauer: "Die Etablierung der Schmerztherapien wird noch viel Arbeit und einige Zeit, wahrscheinlich Jahre, erfordern, aber dennoch sind wir auf dem richtigen Wege, Ärzte, Pflegepersonal und Patienten dafür zu sensibilisieren - denn das geht uns alle an."

Ute Ostermann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

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