Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Strichcode für GVO-Agrarrohstoffe

11.12.2002


Am 9. Dezember haben sich die Umweltminister der EU in Brüssel mehrheitlich auf eine neue Verordnung verständigt, mit der Rückverfolgbarkeits-Systeme für solche Lebens- und Futtermittel vorgeschrieben werden, die gentechnisch veränderte Organismen enthalten. Damit zeichnet sich ein Ende des Zulassungs-Moratoriums für gentechnisch veränderte Pflanzen ab.



Die Verordnung, der die Umweltminister zugestimmt haben, ergänzt die Verordnung über gentechnisch hergestellte Lebens- und Futtermittel, die in den Zuständigkeitsbereich der Agrarminister fällt. Diese hatten sich am 29.11. ebenfalls mit der erforderlichen qualifizierten Mehrheit geeinigt.

... mehr zu:
»GVO


Mit beiden Verordnungen wird die Kennzeichnung von Lebens- und Futtermittel grundsätzlich neu geregelt. Nicht mehr der Nachweis eines GVOs im Endprodukt löst künftig die Kennzeichnungspflicht aus, sondern jede Anwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen oder Mikroorganismen bei der Herstellung von Lebensmitteln, Zutaten und Zusatzstoffen. Eine Kennzeichnung ist künftig auch dann vorgeschrieben, wenn auf frühen Stufen der Produktionskette eingesetzte GVOs im Verlauf von Verarbeitungsprozessen so weit abgebaut werden, dass sie im verbrauchsfertigen Lebensmittel nicht mehr nachweisbar sind.

GVO-Information: Vom Acker bis zum Supermarkt. Eine solche prozessorientierte Kennzeichnung ist jedoch nur dann praktikabel, wenn auf jeder Verarbeitungsstufe verlässliche Informationen verfügbar sind, ob und welche GVOs im Verlauf der Warenkette verwendet wurden. Dazu schreibt die von den Umweltministern beschlossene Verordnung ein durchgängiges Identifikations- und Dokumentationssystem vor. Jeder GVO soll bei der Zulassung eine ID-Nummer erhalten. Zudem wird jeder, der mit GVO-haltigen Rohstoffen oder Vorprodukten handelt, verpflichtet, die entsprechenden Informationen an seine Kunden weiterzugeben. Das gilt für Futter- wie für Lebensmittel.

Strittig war unter den Umweltministern, wie das System für den internationalen Agrarhandel anzuwenden ist. Die in großen Schiffsladungen transportierten Soja- oder Maisrohstoffen enthalten oft - je nach Anbauregion - Anteile von mehreren GVOs. Im Bestimmungsland werden die Ladungen in kleinere Einheiten aufgeteilt und nicht immer verteilen sich die GVOs gleichmäßig. In den Begleitpapieren jeder Einzellieferung muss künftig angegeben werden, welche verschiedenen GVOs in der Gesamtladung enthalten waren.

Einheitlicher Schwellenwert. Bei den Schwellenwerten übernahmen die Umweltminister die Vorgaben ihrer Kollegen aus den Agrarressorts. Bis zu einem GVO-Anteil von 0,9% entfällt die Kennzeichnungspflicht und damit auch die Maßnahmen zur Rückverfolgbarkeit - allerdings nur, wenn die jeweiligen GVOs in der EU zugelassen sind. Andernfalls sinkt der Schwellenwert auf 0,5%, sofern der jeweilige GVO von den zuständigen Expertengremien bereits als sicher eingestuft wurde.

Bei den Beratungen der Umweltminister folgten nicht alle Mitgliedstaaten der von der dänischen Präsidentschaft vorgezeichneten Kompromisslinie. Aus unterschiedlichen Gründen blieben Luxemburg, die Niederlande und Großbritannien bei ihrem Nein. Deutschland und Frankreich zögerten lange, schlossen sich dann jedoch ebenso an wie Umweltkommissarin Margot Wallström. Sie begrüßte die Einigung als notwendige Maßnahme, das "Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen".

Hürde genommen, aber noch kein Ende. Es wird jedoch einige Zeit dauern, bis beide Verordnungen rechtskräftig werden. Nach der politischen Einigung steht noch ein förmlicher Beschluss des Ministerrats aus. Auch das Europäische Parlament muss in zweiter Lesung zustimmen.

Dennoch: Nachdem bereits die verschärfte Freisetzungs-Richtlinie rechtskräftig geworden ist, bedeutet die Einigung der Agrar- und Umweltminister einen weiteren Schritt hin zu einem erneuerten Rechtsrahmen für die Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU. Damit zeichnet ein Ende des seit 1999 bestehenden Zulassungs-Moratoriums für GVO-Pflanzen ab.

| biosicherheit.de
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de

Weitere Berichte zu: GVO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie