Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychische Hilfe für Krebspatienten

10.01.2001


Ambulantes Krebsnachsorge-Programm auf dem Prüfstand

Tumorpatienten empfinden psycho-soziale Einzel- und Gruppentherapien oft als wohltuend für Körper und Seele. Allerdings fehlt es in Deutschland sowohl an ambulanten Betreuungsangeboten als auch an Studien, die deren Wirksamkeit wissenschaftlich überprüfen. Eine Arbeitsgruppe an der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg hat eine ambulante psycho-soziale Gruppentherapie für Krebskranke in der Nachsorge entwickelt. Für das im März 2001 startende Programm können sich interessierte Patienten an die Freiburger Klinik wenden. Die Wissenschaftler untersuchen, ob sich durch die Betreuung die Lebensqualität und die Gesundheit der Betroffenen verbessern lässt und ob das Vermögen die Krankheit zu verarbeiten, gesteigert werden kann. Diese Ergebnisse sollen die Basis schaffen, bundesweit eine standardisierte ambulante psycho-soziale Versorgungskette aufzubauen, um möglichst viele Krebspatienten optimal zu betreuen. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die Studie über einen Zeitraum von drei Jahren mit über 420.000 Mark.

"Beklagen Sie sich nicht, seien Sie froh, dass Sie am Leben sind", sagte in den 70er Jahren ein Arzt seiner jungen Brustkrebs-Patientin, nachdem er sie erfolgreich behandelt hatte. Er ignorierte damit die emotionalen Belastungen, körperlichen Beschwerden und Therapie-Nebenwirkungen, die mit einer Krebserkrankung einhergehen können. Heute ist die Länge des Überlebens nicht mehr das einzige Maß für den Behandlungserfolg. Psychische Belastungen der Betroffenen wie die Angst vor Tochtergeschwülsten, vor Beziehungsproblemen oder vor dem Tod stehen ebenso im Mittelpunkt der Behandlung wie die medizinische Versorgung und werden oft in psycho-sozialen Beratungsgesprächen thematisiert. Psychotherapeuten nehmen sich der Probleme an und geben Hilfestellungen für das Leben mit Krebs. Allerdings ist der Bedarf an ambulanten psycho-onkologischen Beratungsstellen in Deutschland bei weitem nicht gedeckt. Außerdem mangelt es an Studien, welche die Wirksamkeit psycho-sozialer Angebote wissenschaftlich überprüfen.

Eine Gruppe von Psychologen und Medizinern an der Klinik für Onkologische Rehabilitation und Nachsorge der Klinik für Tumorbiologie in Freiburg hat unter der Leitung von Privatdozent Dr. Joachim Weis, Dr. Ulrike Heckl und Professor Dr. Hans Helge Bartsch ein psycho-soziales ambulantes Nachsorgeprogramm für Krebspatienten entwickelt. Die Betreuung findet in einer Gruppe statt, der acht bis zehn ausschließlich an Brust- und Darmkrebs erkrankte Personen angehören. Das Gruppenprogramm wird an verschiedenen Orten im Freiburger Raum angeboten und startet im März 2001. Die Therapie hat zum Ziel die Lebensqualität und die Gesundheit der Patienten zu verbessern sowie das Vermögen die Krankheit zu verarbeiten, zu steigern. Im Rahmen der dreimonatigen Betreuung finden zwölf zweistündige Sitzungen statt. Die eigens für dieses Vorhaben geschulten Psychotherapeuten werden beispielsweise die Themen "Umgang mit der Erkrankung im Freundeskreis" sowie "Angst und deren Bewältigung" besprechen. Die Erarbeitung von Entspannungstechniken und die Lösung alltäglicher Probleme in Familie, Partnerschaft und Beruf gehören ebenso zum Therapieinhalt wie die Hilfe zur Selbsthilfe.

"Unser langfristiges Ziel ist es, bundesweit eine standardisierte ambulante psycho-soziale Versorgung aufzubauen und die psychologische Krankheitsbewältigung fest in das Gesundheitssystem zu integrieren. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssen wir den Nutzen unseres Betreuungsprogramms wissenschaftlich überprüfen und gegebenenfalls die Struktur des psycho-sozialen Gruppenangebotes verändern", so Dr. Weis. Zu diesem Zweck analysieren die Freiburger Forscher mit wissenschaftlichen Methoden die Lebensqualität, den Grad der Krankheitsverarbeitung sowie Gemütszustände wie Angst und Depression bei den Patienten vor, während und nach der Gruppentherapie. Patienten, die sich für das psycho-soziale Nachsorgeprogramm interessieren, können sich unter der Telefonnummer 0761/206-22 21 an Dr. Dario Brocai von der Klinik für Onkologische Rehabilitation und Nachsorge in Freiburg wenden.

Interviewpartner auf Anfrage!

Projekt-Nummer: 70-2379

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp | idw

Weitere Berichte zu: Tumorbiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Heidelberg Laureate Forum: Eine Veranstaltung mit Zukunft

29.09.2016 | Veranstaltungen

Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane - Oktober 2016

29.09.2016 | Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schwerste Atome im Rampenlicht

29.09.2016 | Physik Astronomie

Zelluläres Kräftemessen

29.09.2016 | Interdisziplinäre Forschung

K 2016: Von OLED-Verkapselung bis Plagiatschutz

29.09.2016 | Messenachrichten