Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Chance auf Hilfe für Patienten mit entzündlichen Autoimmunerkrankungen

03.12.2002


Die jetzt veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern um Prof. Martin Röcken (Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Tübingen) ist eine der ersten, die nahe legt, dass entzündliche Autoimmunkrankheiten des Menschen nicht nur durch eine Unterdrückung der gesamten Immunantwort des Körpers behandelt werden können.



Immunzellen mit proentzündlicher Wirkung sind nur dann schädlich, wenn sie autoagressiv sind, das heißt wenn sie sich gegen den Körper selbst richten. Normalerweise sind sie sehr nützlich um Viren und andere Krankheitserreger im Körper zu beseitigen. Deshalb ist eine generelle Immunsuppression immer riskant. Aus diesem Grund besteht hohes Interesse, Autoimmunkrankheiten nicht durch komplette Immunsuppression zu behandeln, sondern eine Vakzine (Impfstoff) gegen Autoimmunkrankheiten zu entwickeln.



Die Studiendaten zeigen, dass man beim Menschen eine entzündungsfördernde Immunantwort umwandeln kann und zwar in eine Immunantwort, die antientzündliche Eigenschaften besitzt. Dies war in einer Phase I/II-Studie bei Patienten mit Psoriasis (Schuppenflechte) wirksam. Präklinische Studien legen nahe, dass von einer derartigen Therapie besonders die krankheitsinduzierenden, autoreaktiven T-Lymphozyten (Immunzellen) erfasst werden. Diese Therapie soll den krankheitsinduzierenden Immunzellen ein sozialeres Verhalten beibringen, ohne dabei eine generelle Immunsuppression zu verursachen.

Noch müssen Ergebnisse größerer Studien abgewartet werden. Doch bestätigen sich die Erkenntnisse, könnten diese dazu genutzt werden, eine "antientzündliche" Vakzine gegen Autoimmunkrankheiten wie Psoriasis, rheumatoide Arthritis (Gelenkentzündung), Multiple Sklerose oder Autoimmundiabetes zu entwickeln.

Hintergrund

Autoimmunkrankheiten wie die Psoriasis, die Multiple Sklerose, die rheumatoide Arthritis oder der Autoimmundiabetes werden, nach heutigem Verständnis, durch "selbstaggressive" T-Lymphozyten ausgelöst, die das betroffene Organ beschädigen.
Bisher werden diese Erkrankungen zunächst mit immunsuppressiven Medikamenten wie Kortison und Chemotherapeutika wie Methotrexat oder Azathioprin behandelt.

Studien der letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass nicht alle "selbstaggressiven" T-Lymphozyten auch wirklich Schaden verursachen können. Um Schaden hervorzurufen, müssen sie sogenannte Entzündungsmediatoren, wie Interferongamma produzieren, sie müssen eine proentzündliche Wirkung ausüben. Nach den derzeitigen Erkenntnissen soll dies die Möglichkeit bieten Autoimmunkrankheiten nach dem Konzept der Vakzine zu behandeln. Dabei werden selektiv nur die "selbstaggressiven" T-Lymphozyten mit proentzündlichen Eigenschaften in einen Phänotyp (Erscheinungsbild) mit antientzündlichen Eigenschaften überführt.

Ansprechpartner:

Universitätsklinikum Tübingen
Universitäts-Hautklinik
Professor Dr. Martin Röcken, Ärztlicher Direktor
Liebermeisterstr. 25, 72076 Tübingen
Tel. 07071-2984574
Fax 07071-295450

Dr. Ellen Katz | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie