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Neues Verbundprojekt "Speiseröhrenkrebs"

02.12.2002


Deutsche Krebshilfe bekämpft gefährliche Zivilisationskrankheit.



Was harmlos anfängt, kann gefährlich enden: Das Barrett-Karzinom, eine stark zunehmende Form des Speiseröhrenkrebses, kann durch lang andauernden Rückfluss von säurehaltigem Magensaft (Refluxkrankheit) ausgelöst werden. Diese Krebsform tritt heute viermal häufiger auf als noch vor zehn Jahren und die Heilungschancen sind schlecht, wenn die Krebserkrankung zu spät erkannt wird. Die Deutsche Krebshilfe hat daher das Verbundprojekt "Grundlagen der Risiko-adaptierten Therapie beim Barrett-Karzinom" ins Leben gerufen und wird dieses Vorhaben zunächst für drei Jahre mit rund 1,8 Millionen Euro fördern. Forscher in München, Köln und Freiburg wollen aufgrund molekularbiologischer Analysen neue Therapiekonzepte entwickeln und die Heilungschancen des Barrett-Karzinoms der Speiseröhre durch eine rechtzeitige Diagnostik sowie individualisierte Behandlungsstrategien verbessern.



"Für das Barrett-Karzinom, eine bei der Refluxkrankheit vorkommende Krebserkrankung im unteren Abschnitt der Speiseröhre, sind inzwischen die wichtigsten Risikofaktoren und Vorstufen bekannt - im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten," sagte Professor Dr. Dr. h. c. Robert Fischer, Vorsitzender des Medizinischen Beirats der Deutschen Krebshilfe, bei der Vorstellung des Verbundprojektes in München. Die Entstehung eines chronischen Refluxes wird durch Alkohol- und Tabakmissbrauch, Ernährungsfaktoren sowie Übergewicht begünstigt. "Es bieten sich daher gute Ansätze zur Vorbeugung dieser Krankheit. Außerdem stehen heute geeignete Maßnahmen zur Früherkennung zur Verfügung", so Fischer.

"Das Barrettkarzinom ist der am stärksten zunehmende Krebs in der westlichen Welt und tritt heute mindestens viermal häufiger auf als noch vor zehn Jahren. In Deutschland entwickelt sich derzeit pro Jahr bei etwa 1.000 Patienten aus der Refluxkrankheit mit harmlosem Sodbrennen die bösartige Erkrankung, das so genannte Barrett-Karzinom der Speiseröhre", erläuterte Professor Dr. Dr. h. c. Rüdiger Siewert, Ärztlicher Direktor des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München. Zusammen mit Professor Dr. Heinz Höfler, Direktor des Instituts für Allgemeine Pathologie und Pathologische Anatomie, ebenfalls am Klinikum rechts der Isar, leitet er das Verbundprojekt "Barrett-Karzinom" der Deutschen Krebshilfe. Das Projekt besteht aus sieben Teilprojekten. Neben München sind auch die Universitätskliniken Köln und Freiburg beteiligt. Das Ziel des Forschungsschwerpunktes ist es, eine stadiengerechte und individualisierte Tumortherapie zu entwickeln und die Heilungschancen durch eine rechtzeitige Diagnose zu verbessern. Dabei analysieren die Wissenschaftler genetische und molekulare Merkmale von Gewebeproben der Betroffenen sowie die Dynamik der Tumorausbreitung in die Lymphdrüsen. Patienten mit besonderem Risiko sollen rechtzeitig erkannt und weitere Faktoren gefunden werden, die zu einer Verbesserung in der Behandlung dieser Krebserkrankung führen könnten.

Die Refluxkrankheit ist als bedeutender Auslöser für das Barrett-Karzinom bereits bekannt, Sodbrennen ihr Hauptsymptom. Durch häufigen Rückfluss über einen langen Zeitraum kann der saure Magensaft Zellveränderungen der Schleimhaut im Bereich des Übergangs zwischen Speiseröhre und Mageneingang hervorrufen. Aus diesen Schleimhautveränderungen kann sich dann die bösartige Erkrankung entwickeln. "Das größte Problem ist, dass die meisten Patienten mit Speiseröhrenkrebs erst im fortgeschrittenen Tumorstadium Anzeichen ihrer Erkrankung, zum Beispiel Schluckbeschwerden, bemerken", betonte Professor Siewert in München. Dadurch werden diese Tumoren häufig zu spät erkannt, was die Heilungschancen dramatisch verschlechtert: Nur unter zehn Prozent der Betroffenen überleben die ersten fünf Jahre.

Das Positive: Die Speiseröhre kann relativ einfach durch eine Spiegelung untersucht werden. "Wir fordern daher, dass die Indikation zur Spiegelung bei allen Patienten mit Refluxsymptomen, wie Sodbrennen, großzügig gestellt wird", sagte Professor Siewert. Unbestritten ist, dass eine Früherkennung des Krebses eine weniger radikale Form der Tumoroperation und damit häufig den Erhalt der Speiseröhre oder zumindest großer Teile dieses Organs ermöglicht.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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