Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Typ 2 Diabetes - wichtiger genetischer Risikofaktor gefunden

26.11.2002


’Liegt in Position 23 der Aminosäurekette Lysin anstelle von Glutamat vor, so ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass der Kanal in seinen geöffneten Zustand fällt: Die Freisetzung von Insulin wird gehemmt.

Bild: Schwanstecher, TU Braunschweig


Für heterozygote Träger könnte der Polymorphismus mehrere genetische Vorteile mit sich bringen: So versorgt er möglicherweise das Gehirn besser mit Glukose und könnte vor zu starker Einlagerung in die Fettzellen schützen.

Bild: Schwanstecher, TU BS


Etwa 15 Prozent aller Diabetes Typ 2-Fälle werden durch eine einzige genetische Abweichung verursacht. Das haben Pharmakologen der Technischen Universität Braunschweig jetzt nachgewiesen. Die Forschungsergebnisse können Wege zu neuen Therapieansätzen aufzeigen.


In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Diabetiker dramatisch angestiegen. Der Typ 2 Diabetes, unter dem mehr als 90 Prozent aller Betroffenen leiden, zeichnet sich im Gegensatz zum Typ 1 Diabetes dadurch aus, dass Insulin zwar freigesetzt wird, die Menge jedoch nicht ausreicht. Neben Übergewicht hatten Wissenschaftler auch erbliche Veranlagung im Verdacht, die Stoffwechselstörung zu begünstigen. Etwa zehn bis zwanzig Polymorphismen (genetische Abweichungen) wurden bisher als mögliche Auslöser gehandelt - einer der wichtigsten wurde jetzt von Dr. Christina und Prof. Mathias Schwanstecher, Institut für Pharmakologie und Toxikologie der TU Braunschweig, aufgedeckt.

Die Wissenschaftler haben den Einfluss von Polymorphismen in einem Zellbestandteil untersucht, der eine Schlüsselrolle bei der Ausschüttung von Insulin und Glucagon besitzt, dem so genannten ATP-sensitiven Kaliumkanal. Liegt dort in Position 23 der Aminosäurekette Lysin anstelle von Glutamat vor, so trägt dies mittelbar zu einem Anstieg des Blutzuckers bei: Das Risiko für Diabetes steigt. Das Forscherehepaar Schwanstecher sieht in der Identifizierung des Polymorphismus eine wichtige Basis für neue Behandlungsansätze, wie Gentests zur Erstellung eines persönlichen Risikoprofils. Wer bei starker genetischer Belastung Übergewicht vermeidet, könnte dadurch den Ausbruch der Krankheit dennochverhindern. Neue Arzneimittel könnten durch direkte Wirkung auf den ATP-sensitiven Kaliumkanal der Erhöhung des Blutzuckers entgegensteuern. Langfristig könnte sogar die Behandlungen anderer Erkrankungen von den Erkenntnissen profitieren.


Weltweite Studien haben bereits ergeben, dass konstant etwa 60 Prozent aller Europäer, Nordamerikaner und Japaner genau diesen Polymorphismus in ihrem Erbgut tragen. Die nahezu identische Häufigkeit dieser Abweichung in den verschiedenen Bevölkerungen ist für die Wissenschaftler ein Indiz dafür, dass der Polymorphismus den Trägern auch genetische Vorteile verleiht. Christina und Mathias Schwanstecher vermuten, dass der Polymorphismus die Nährstoffversorgung des Gehirns verbessern oder vor zu starker Einlagerung in die Fettzellen und damit vor Übergewicht schützen kann.

Kontakt:

Prof. Dr. Mathias Schwanstecher,
Tel.: 0531/391-5666
E-Mail: m.schwanstecher@tu-braunschweig.de

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-bs.de/pressestelle/presseinf/db.cgi?uid=default&view_records=1&ID=2002&sb=0&so=descend&nh=37&mh=1

Weitere Berichte zu: Diabetes Polymorphismus Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften