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Mittel gegen Epilepsie fördern "Selbstmord" der Nervenzellen im wachsenden Gehirn

21.11.2002


Das noch wachsende Gehirn von Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern ist durch Mittel gegen Epilepsie gefährdet



Anti-Epileptika, also Mittel gegen die Krampfbereitschaft im Gehirn, sind für wachsende Gehirne gefährlich. Diese Wirkung dürfte eine Ursache sein für den verringerten Kopfumfang und für die verminderten intellektuellen Fähigkeiten von Kindern, die in der gefährdeten Phase (ab dem 3. Schwangerschaftsdrittel bis weit in die Kleinkindperiode hinein) Medikamenten gegen Epilepsie (Phenytoin, Phenobarbital, Diazepam und Clonazepam, Vigabatrin und Valproinsäure) ausgesetzt sind. Besonders ungünstig wirkt sich die Kombination verschiedener Anti-Epileptika aus.



Die Art der Schädigung im wchsenden Gehirn war bisher unbekannt. Jetzt hat eine Forschergruppe um Petra Bittigau und Chrysanthy Ikonomidou aus der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Neurologie" der Charité zusammen mit amerikanischen Kollegen durch Untersuchungen an Ratten das Schädigungsmuster erkannt und die Ergebnisse der Untersuchungen am 12. November im renommierten amerikanischen Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Science" (Band 99, Seite 15089-1594) veröffentlichen können.

Die Gruppe fand, dass trotzt der Verschiedenartigkeit der Epilepsiemittel die Zerstörung der Hirnnervenzellen nach dem gleichen Muster, dem sogenannten programmierten Zelltod (Apoptose) abläuft. Das heisst, die Zellen schalten ihr Selbstmordprogramm ein und gehen zugrunde. Verbunden mit dem Zelluntergang ist eine Verschiebung des Gleichgewichts von Wachstumsfaktoren und Proteinen, die für das normale Wachstum von Nervenzellen notwendig sind. Sogar eine einzelnen

Gabe verschiedener Anti-Epileptika führte bei den Tieren zu dauerhaftem Verlust an Gehirngewicht zwischen acht und 15 Prozent.

Die Übertragung der Befunde an Ratten auf Menschen liegt nahe, zumal der Zelluntergang bei den Tieren in Konzentrationen der Anti-Epileptika auftritt, die denen entsprechen, die bei Kindern zur Unterdrückung von Krämpfen eingesetzt werden.

Weiter fanden die Forscherinnen heraus, dass im Tierversuch ein gewisser Schutz durch Östrogene (Beta-Östradiol) gegeben ist: Vor dem Anti-Epileptikum verabreicht, schwächen sich dessen Nebenwirkungen ab. Insbesondere für Frühgeborene, die aus dem östrogenreichen Umfeld im Leib der Schwangeren zu früh herauskommen und deshalb besonders gefährdet sind, könnte sich hier eine Form der Prävention anbieten.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

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