Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Übergewichtige mit 14 Altersdiabetiker?

20.11.2002


Wer stark übergewichtig ist, läuft Gefahr, bereits in jungen Jahren am "Alterszucker" (Diabetes mellitus Typ 2) zu erkranken.



Dies ist das Ergebnis der Studie "Glukosetoleranz und Insulinresistenz bei Kindern und Jugendlichen mit Adipositas", für die PD Dr. Martin Wabitsch, Oberarzt in der Ulmer Universitäts-Kinderklinik, auf dem diesjährigen Kinderärztekongreß in Leipzig mit dem Forschungspreis der AG Pädiatrische Diabetologie ausgezeichnet wurde.



In Wabitschs Untersuchung geht es um die Frage, ob bei extremem Übergewicht (Adipositas) im Kindes- und Jugendalter bereits Störungen im Zuckerstoffwechsel festzustellen sind und es in deren Folge zur Ausbildung eines Diabetes mellitus Typ 2 kommen kann. Der Typ-2-Diabetes gilt gemeinhin als Erkrankung vorgerückter Lebensphasen und wird deswegen üblicherweise auch Altersdiabetes genannt. Wabitschs Erkenntnissen zufolge scheint aber weniger die Zahl der Lebensjahre als vielmehr das Ausmaß des Übergewichts - neben einer entsprechenden genetischen Veranlagung - den Ausschlag zu geben.

Auf die Spur gebracht hatten den Ulmer Kinderkliniker US-amerikanische Berichte, denen zufolge übergewichtige Kinder und Jugendliche mit familiärer Vorbelastung mitunter vorzeitig am Altersdiabetes erkranken. Wabitsch hatte daraufhin (mit finanzieller Unterstützung der Stiftung "Das zuckerkranke Kind") in Zusammenarbeit mit der Fachklinik für Kinder und Jugendliche in Murnau 520 stark übergewichtige Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 19 Jahren vor deren Teilnahme an einer stationären Adipositas-Therapie einem Glukosetoleranztest unterzogen. Bestimmt wurden Blutzucker, Blutinsulin und die Funktionstüchtigkeit des Insulin-Abbausytems (Insulinresistenz), klassifiziert nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation. Tatsächlich zeigten knapp vier unter hundert adipösen Jugendlichen (3,7%) einen erhöhten Nüchtern-Glukosespiegel; bei weiteren 2,1% war die Glukoseverstoffwechselung gestört, und 1,5% erfüllten sämtliche Kriterien des Typ-2-Diabetikers.

Die Konsequenzen dieser Beobachtung sind vorstellbar. Der Diabetes ist nicht nur eine lebenslange Belastung für den Betroffenen, er ist auch teuer. So steht nach Wabitschs Einschätzung zu erwarten, daß durch die steigende Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern und durch dessen Folgen erhebliche Kosten auf das deutsche Gesundheitssystem und die Gesellschaft insgesamt zukommen werden. Wirksame Maßnahmen zur Prävention der Adipositas und des Diabetes erachtet der Preisträger für unverzichtbar.

Peter Pietschmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de

Weitere Berichte zu: Adipositas Altersdiabetikes Diabetes Übergewicht

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE