Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zellimplantate statt Herzschrittmacher

18.11.2002


Skelettmuskel-Vorläuferzellen leiten elektrische Signale weiter.



Wissenschaftler der Harvard University in Boston erforschen zurzeit die Möglichkeit, einen Herzschrittmacher durch Zelltransplantate zu ersetzen. Vorläufige Ergebnisse an Ratten zeigten, dass patienteneigene Zellen das Potenzial haben könnten, eines Tages einen künstlichen Herzschrittmacher, der einem kranken Herzen die lebenserhaltenden Impulse liefert, zu ersetzen. Forscher unter der Leitung des Zellbiologen Douglas B. Cowan präsentierten die Ergebnisse auf den Scientific Sessions 2002 der American Heart Association.



Eine Herzkontraktion startet mit einem elektrischen Signal in der rechten Vorkammer (Atrium). Das Signal erreicht über einen elektrischen Weg die anderen Kammern. Ist dieser festgelegte Erregungsweg zwischen Vorkammern und Hauptkammern (Ventrikel) blockiert, kann dies zu einem Herzstillstand führen. Bislang kann diese Störung nur mit einem Herzschrittmacher therapiert werden.

Cowan und Kollegen testeten die Fähigkeit von Skelettmuskel-Vorläuferzellen mit Herzzellen in Kontakt zu treten und die elektrischen Impulse weiter leiten, damit das Herz im Rhythmus schlägt. "In Ratten haben die Zellen mehr als ein Jahr überlebt und es scheint, dass diese mit Herzzellen in Kontakt getreten sind", erklärte Cowan. Es gibt demnach erste Hinweise, dass diese Skelettmuskel-Vorläuferzellen einen Weg zur Übertragung der elektrischen Signale von der rechten Vorkammer zur rechten Hauptkammer bilden können.

Die unreifen Skelettmuskelzellen, so genannte Myoblasten, extrahierten die Forscher aus Ratten. Anders als reife Skelettmuskelzellen, können Myoblasten die gleichen Proteine wie Herzmuskelzellen produzieren, um in Kontakt zu treten und elektrische Signale weiterzuleiten. Das Team nutzte eine speziell präparierte Gewebekultur aus rund 70 Prozent Myoblasten und 30 Prozent anderer Zelltypen. Aus diesen züchteten sie dreidimensionale Gewebestreifen, die sie anschließend in Rattenherzen implantierten.

Als eine der größten Herausforderungen sahen die Forscher die elektrische Übertragung der Erregung von Herzzelle zu Herzzelle durch so genannte Connexine. Diese werden gewöhnlich nicht in Skelettmuskelzellen produziert und sorgen für die Anpassung der Geschwindigkeit und die Richtung der elektrischen Signale. "Wie sich zeigte, bildeten sich die Connexine und auch der elektrische Signalweg entwickelte sich innerhalb von zehn Wochen", betonte Cowan. Selbst nach einem Jahr funktionierten die Connexine noch im implantierten Gewebe. Es liege aber noch viel Arbeit vor ersten Tests mit Zellimplantations-Techniken bei Menschen.

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.scientificsessions.org/index.jsp

Weitere Berichte zu: Connexin Herzschrittmacher Herzzelle Myoblast Skelettmuskelzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften