Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frauenherzen bringen seltener Glück

07.11.2002


Heidelberger Transplantations-Studie belegt: Nieren und Herzen von weiblichen Organspendern werden häufiger abgestoßen



Ob ein transplantiertes Organ von einem weiblichen oder einem männlichen Spender stammt, hat entscheidenden Einfluss auf seine langfristige Funktion. Für die Transplantation von Herz und Nieren gilt: Organe von verstorbenen weiblichen Spendern werden vom Immunsystem vergleichsweise häufig abgestoßen und haben schlechtere Überlebenschancen.

... mehr zu:
»Immunsystem »Niere »Organ »Transplantation


Dies ist das Ergebnis einer Analyse, die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift "Journal of the American Society of Nephrology" veröffentlicht haben. Sie werteten dafür die weltweit größte Datensammlung in der Transplantationsmedizin, die internationale "Collaborative Transplant Studie" aus, die seit fast 20 Jahren am Heidelberger Institut für Immunologie durchgeführt wird. Dort liegen Daten zu 212.000 Nierentransplantationen, 32.000 Herztransplantationen und 25.000 Leberübertragungen vor.

Anhand dieses umfangreichen Datenmaterials konnten die Heidelberger Wissenschaftler erstmals statistisch fundierte Aussagen zur Bedeutung des Spendergeschlechts machen. Weniger umfangreiche Studien hatten bereits Hinweise geliefert, dass Organe von Spenderinnen eine schlechtere Prognose haben dürften. "Empfängerinnen von weiblichen Spendernieren haben ein um 15 Prozent erhöhtes Risiko, ihr neues Organ innerhalb des ersten Jahres nach der Transplantation zu verlieren", erklärt Prof. Dr. Martin Zeier, Nierenspezialist an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. "Bei Männern ist das Risiko sogar um 22 Prozent erhöht." Im Durchschnitt müssen etwa 10 Prozent aller Nierenempfänger mit einem Verlust des Organs nach einem Jahr rechnen.

Schlechtere Ergebnisse auch bei der Lebendspende von Schwester und Mutter

Diese Ergebnisse gelten auch für die Lebendspende von Nieren. "Selbst wenn die Niere von der Mutter oder Schwester gespendet wurde und eine gute Gewebsübereinstimmung bestand, wirkte sich der Geschlechtsfaktor negativ aus", sagt Prof. Zeier. Brüder und Väter erwiesen sich im Vergleich dazu als ideale Spender,

Je jünger die Spenderin, desto stärker fällt der Geschlechtsfaktor ins Gewicht, fanden die Wissenschaftler. Vor allem Organe von Spenderinnen unter 45 Jahren hatten eine schlechtere Prognose. Selbst wenn es nicht zur Abstoßung des Organs kam, so war doch seine Funktion in Mitleidenschaft gezogen: Der Kreatininspiegel im Blut, wichtigster Indikator für eine intakte Ausscheidungsfunktion der Niere, war bei den Empfängern weiblicher Spendernieren erhöht, unabhängig davon, ob es sich um einen Mann oder Frau handelte.

Auch auf die Übertragung von Herzen hat das Geschlecht des Spenders Einfluss, allerdings in geringerem Umfang. "Männer, denen ein weibliches Herz transplantiert wurde, haben ein höheres Risiko, dass ihr neues Organ versagt", erklärt Prof. Dr. Gerhard Opelz, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Transplantationsimmunologie am Heidelberger Klinikum und Leiter der "Collaborative Transplant Studie". Etwa 25 Prozent der Frauenherz-Empfänger verlieren ihr Organ nach einem Jahr. Bei allen Herzempfängern, dies zeigt die Heidelberger Studie, sind es durchschnittlich 20 Prozent. Weibliche Empfänger scheinen dagegen keine Nachteile durch ein geschlechtsgleiches Spenderherz zu haben. Diese Ergebnisse gelten allerdings nur für erstmalige Herztransplantationen. Für die Lebertransplantation scheint das Geschlecht des Spenders keine entscheidende Rolle zu spielen.

Frauen haben weniger Nierengewebe und schützende Östrogene

Warum sind Frauen "schlechtere" Nierenspender? Eindeutige Erklärungen gibt es bislang nicht. "Es wird vermutet, dass schlichtweg die Masse des Nierengewebes eine Rolle spielt", sagt Prof. Dr. Eberhard Ritz, Leiter der Sektion Nephrologie an der Heidelberger Medizinischen Universitätsklinik. Tierversuche haben gezeigt: Weibliche Nieren haben weniger Nierenkörperchen, die für die Ausscheidung von Harn und Schadstoffen sorgen. Ein andere Hypothese schreibt den weiblichen Geschlechtshormonen einen schützenden Effekt für das Nierentransplantat zu und würde die unterschiedlichen Risiken von Empfängerinnen und Empfängern erklären.

Vor allem aber geschlechts-spezifische Merkmale des Immunsystems dürften eine Rolle spielen. "Aus Tierversuchen wissen wir, dass weibliche Nieren mehr Antigene haben, die Abwehrreaktionen des Immunsystems hervorrufen", sagt Prof. Ritz. Dies würde auch erklären, warum sowohl weiblichen Nieren als auch Herzen schlechter vertragen, also häufiger abgestoßen werden. Schließlich gibt es Hinweise darauf, dass weibliche Organe empfindlicher auf Sauerstoffmangel reagieren dürften. Dieser tritt auf, wenn das Organ beim verstorbenen Spender entnommen und von der Blutversorgung abgeschnitten ist. Für den Transport zum Empfänger wird es in einer speziellen Lösung konserviert. Je kürzer diese Zeitspanne ist, desto besser sind die Erfolgsaussichten der Transplantation.

Derzeit werden nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation ca. 57 Prozent der Organe, die nach dem Tod entnommen werden, von Männer gespendet. Insgesamt gab es im Jahr 2001 in Deutschland 1.073 Organspender. Bei der Nieren-Lebendspende (388 Transplantationen) stammten die Organe etwa zu zwei Drittel von Frauen.

Veröffentlichung im Journal of the American Society of Nephrology (s. Internetandresse)


Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.jasn.org/cgi/reprint/13/10/2570?maxtoshow=&HITS=10&hits=10&RESULTFORMAT=&author1=Zeier&searchid=1036578469822_286&stored_sea

Weitere Berichte zu: Immunsystem Niere Organ Transplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rotierende Rugbybälle unter den massereichsten Galaxien

23.05.2018 | Physik Astronomie

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics