Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Implantierte Elektroden mildern Zwangsstörungen

28.10.2002


Elektronische Thalamus-Stimulation nicht nur gegen Parkinson-Zittern



Durch die Implantation von Elektroden in das Gehirn zweier Patienten ist es gelungen, diese von den Symptomen einer Zwangsstörung zu befreien. Gewöhnlich werden implantierte Elektroden dazu verwendet, um das für die Parkinson-Erkrankung symptomatische Zittern zu behandeln. Die Methode ist daher nur für äußerst schwere Falle "reserviert". Die Ergebnisse einer aktuellen französischen Studie legen jetzt nahe, dass die elektronische Thalamus-Stimulation ("deep brain stimulation") auch für die Behandlung von Verhaltensstörungen, wie diese bei psychiatrischen Störungen auftreten, herangezogen werden könnte.



Die Operationen, durchgeführt am Pitié Salpêtrière Hospital in Paris, diente ursprünglich der Behandlung der Parkinson-Symptome. Das Operationsteam unter der Leitung von Luc Mallet und Yves Agid wusste über die gleichzeitigen Zwangsstörungen der beiden Patienten nicht Bescheid. Eine Patientin litt bereits seit 33 Jahren unter einem Waschzwang, ordnete ständig Bücherregale und hatte Angst, tot in ihrem schmutzigen Haus gefunden zu werden. Ein zweiter 50-jähriger Mann überprüfte in Summe drei Stunden am Tag die Türschlösser.

Den Patienten wurden zwei kleine Elektronen in den Thalamus des Gehirns implantiert. Diese Region unterstützt die Bewegungskontrolle. Durch den Anschluss der Isolierleitung der Elektroden an einen implantierten Impulsgenerator mit Batterie und Elektronik, entstehen elektrische Impulse. Diese werden dafür verwendet, die Gehirnsignale zu stören, die den Tremor (Zittern) verursachen.

Unmittelbar nach der Operation zeigte sich bei den Patienten nicht nur eine Verbesserung der Parkinson-Symptome, sondern auch eine Verbesserung der Zwangsstörungs-Symptome, berichtet das Fachblatt New Scientist . Wenig überrascht über die erfolgreiche Behandlung ist John Stein von der Oxford University. "Der behandelte Gehirnbereich ist besonders für die interne Generierung der menschlichen Handlungen wichtig, wenn von außen kein Stimulus erfolgt. Genau das ist bei einer Zwangsstörung der Fall", erklärte Stein. Es konnte bereits gezeigt werden, dass die Entfernung eines kleinen Gehirngewebeteiles in diesem Areal die Symptome einer Zwangsstörung mildert. "Eine Entfernung hat somit die selbe Wirkung wie eine Stimulation", ergänzte Anne Morel von der Universitätsklinik Zürich. Eine elektrische Stimulation habe aber mitunter den Vorteil, dass diese im Fall einer Nebenwirkung gestoppt werden kann.

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.newscientist.com

Weitere Berichte zu: Elektrode Parkinson-Symptom Zwangsstörung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise