Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebs- und Thrombosetherapie: RUB-Mediziner stellt neue Technologie vor

25.10.2002


Ob Chemotherapeutika oder Gerinnsel auflösende Medikamente - beide können jetzt hochdosiert durch die Gefäße strömen. Die sog. Perfusionstherapie im Extrakreislauf ist wirksamer und verursacht weniger Nebenwirkungen. Diese innovative, kostengünstige Technologie wurde jetzt von PD Dr. Achim Mumme (Chirurgische Universitätsklinik der RUB, Abteilung Gefäßchirurgie) zusammen mit der Jostra AG (Hirrlingen) für einen breiten Einsatz weiterentwickelt. Mumme hat das einfach zu bedienende Gerät nun erstmalig zur Chemotherapie einer Krebserkrankung am Bein eingesetzt. Auf der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Mannheim berichtet der Mediziner heute über erste Erfahrungen mit dem Prototyp. Bereits 1998 erhielt der Gefäßchirurg den renommierten Theodor Naegeli-Preis für die Entwicklung dieser speziellen Perfusionstechnik.


Die bisherige "regionale hypertherme Fibrinolytika-Perfusion"...


... und das neue, handliche Gerät



Medikamente mechanisch einsetzen



Die neu entwickelte Technologie ermöglicht es, hoch wirksame Medikamente auf mechanischem Wege zielgenau zum Tumor oder Gerinnsel zu transportieren. Mithilfe spezieller Katheter, durch die erkrankte Stellen oberhalb und unterhalb abgeklemmt werden, können auch ganz kleine erkrankte Bereiche oder einzelne Organe zeitweise mit einem separaten Kreislauf versorgt werden. Die Herz- und Lungenfunktion des Kreislaufes übernimmt die kleine Maschine. Ein Gesamteingriff in den Organismus ist nicht mehr notwendig. Dank modernster Technologie ist die Organperfusion einfach durchführbar. Spezielle herzchirurgische Kenntnisse sind nicht mehr erforderlich.

Nebenwirkungen vermeiden

Bislang konnten Ärzte bei Therapien mit hoch wirksamen Medikamenten (Chemotherapeutika, Fibrinolytika) nur ungenügend helfen, da diese aufgrund von Nebenwirkungen lediglich sehr gering dosiert werden konnten. Bei der üblichen Therapie verteilen sich die Medikamente im gesamten Körper. Nur ein geringer Anteil der Medikamente wirkte dort, wo sie auch benötigt wurden. Im übrigen Körper konnten die Medikamente Schaden anrichten. Mediziner forschten daher seit mehr als zwanzig Jahren intensiv nach "intelligenten" Medikamenten, die ausschließlich in kranken Organen wirken - jedoch ohne durchschlagenden Erfolg.

Herz-Lungen-Maschine zweckentfremdet

Eine Herz-Lungen-Maschine wird üblicherweise bei Operationen am Herzen eingesetzt. Während der Operation des stillgelegten Herzens übernimmt die Maschine deren Pumpfunktion und hält damit den Blutkreislauf aufrecht, während die künstliche Lunge das Blut mit dem notwendigen Sauerstoff versorgt. Der RUB-Mediziner hat die Herz-Lungenmaschine zweckentfremdet: Einzelne Organe oder Extremitäten werden vom übrigen Körperkreislauf isoliert und mit einem separaten Kreislauf versorgt. In diese können Mediziner nun beispielsweise Chemotherapeutika geben, die nur im isolierten Organ, nicht aber im übrigen Körper wirken sollen. Während damit die Nebenwirkungen außerhalb des Kreislaufs ausgeschlossen sind, werden im künstlichen Kreislauf die Medikamente entsprechend extrem hoch dosiert. Nachdem die Therapie beendet ist, kann der Arzt den künstlichen Kreislauf wieder entfernen.

Kostengünstige Technologie

Bislang mussten die Mediziner für dieses Verfahren die komplizierten, kostenintensiven Herz-Lungen-Maschinen aus der Herzchirurgie verwenden, so dass diese Therapie auf wenige Zentren beschränkt blieb. Die neue Technologie, die lediglich ca. 20.000 Euro kosten wird, wird es jedoch ermöglichen, die sogenannte Organperfusion ohne großen Aufwand durchzuführen - sogar bei niedergelassenen Internisten.

Weitere Informationen

PD Dr. med. Achim Mumme, Chirurgische Universitätsklinik, Abteilung Gefäßchirurgie, St. Josef-Hospital Bochum, Gudrunstraße 56, 44791 Bochum, Tel: 0234-509-2270, Fax: 0234-509-2272, E-Mail: Achim.Mumme@ruhr-uni-bochum.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Chemotherapeutikum RUB-Mediziner

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie