Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Substanzen zur Tuberkulosebekämpfung entwickelt

18.10.2002


Einen ganz neuen Ansatz in der Tuberkulosebekämpfung haben Wissenschaftler am Hans-Knöll-Institut Jena gefunden



In Laborversuchen stoppten die von ihnen entwickelten Substanzen mit sehr hoher Wirksamkeit das Wachstum des Erregers Mycobacterium tuberculosis. Selbst solche Keime, die gegen bisherige Medikamente unempfindlich geworden sind, konnten die Jenaer Forscher erfolgreich bekämpfen.



Jena, den 18.10.02 Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Ute Möllmann von der Arbeitsgruppe Bakteriologie am Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung und dem russischen Gastwissenschaftler Dr. Vadim Makarov gingen systematisch vor: Sie testeten ganze Substanzbanken auf ihre Wirksamkeit gegen Bakterien aus der Gruppe der Tuberkulose-Erreger. Geeignete Kandidaten verbesserten sie Schritt für Schritt mit Methoden der synthetischen Chemie. So konnten sie die Eigenschaften verschiedener Substanzgruppen kombinieren und damit die Wirkung auf die stäbchenförmigen Bakterien immer weiter steigern.

Die Mykobakterien machten den Jenaer Biologen und Chemikern die Arbeit schwer: Zum einen besitzen sie eine sehr dicke, wachsartige Zellwand, die jede Substanz erst überwinden muss, um ihre Wirkung entfalten zu können. Zum anderen wachsen die Krankheitserreger sehr langsam, so dass die Versuche einen langen Atem erfordern. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: Das Team vom Hans-Knöll-Institut verfügt nun über Substanzen, die nicht nur die Mykobakterien im Labor hochwirksam bekämpfen, sondern sich auch in ersten Tierversuchen als praktisch nebenwirkungsfrei erwiesen. "Damit steht seit über dreißig Jahren wieder eine neue Substanzklasse für die Entwicklung neuer Tuberkulosemedikamente zur Verfügung", betont Ute Möllmann.

Und der Bedarf für solche Arzneimittel ist groß: Die Tuberkulose (TB) ist unter den Infektionskrankheiten weltweit der "Killer Nummer 1". Ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis infiziert, drei Millionen Menschen sterben jährlich an der Infektionskrankheit. Hunger und Kriege in Asien und Afrika, aber auch die politischen und sozialen Umwälzungen in Osteuropa und die Ausbreitung von AIDS haben die Zahl der Erkrankungen dramatisch steigen lassen. Emigration und weltweiter Tourismus bringen die TB auch in die Industrienationen zurück, in denen bis in die achtziger Jahre hinein die Krankheit bereits als weitgehend überwun-den galt. 1993 erklärte die Weltgesundheitsorganisation die Tuberkulose zu einer globalen Bedrohung.

Das besondere Problem: Viele Tuberkulose-Erreger sind bereits gegen die heute verwendeten Antibiotika unempfindlich geworden, Mediziner sprechen von Resistenzen. Manche Bakterien sind gegen mehrere Medikamente resistent, in etwa vier Prozent aller Fälle kann gar keine der verfügbaren Substanzen mehr helfen. Hier bietet die jetzt in Jena entwickelte Substanzgruppe eine neue Chance: Sie stoppt auch die so genannten multiresistenten Keime in ihrem Wachstum und tötet sie ab. "Das beweist, dass wir einen völlig neuen Ansatz in der Bekämpfung der Mykobakterien gefunden haben, der eine vielversprechende Alternative zu bisherigen Medikamenten bietet", erläutert Ute Möllmann.

Drei Jahre arbeitete das Team um die Jenaer Biologin, zunächst mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, später in Zusammenarbeit mit der Firma medac GmbH, an der Optimierung der Substanzen, die inzwischen zum Patent angemeldet sind. Der Weg zu einem marktreifen Medikament wird noch viel länger sein: In einem nächsten Schritt müssen nun ausführliche Studien im Tiermodell folgen, bevor an eine Testung am Menschen gedacht werden kann. Für die sehr aufwendige und teure Weiterentwicklung suchen die Jenaer Forscher noch einen potenten Partner aus der Industrie.

Ansprechpartnerin

Dr. Ute Möllmann, Arbeitsgruppe Bakteriologie/ Abteilung Infektionsbiologie
Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung
Tel.: 03641/ 65 66 56
Fax: 03641/ 65 66 52
E-Mail: moellman@pmail.hki-jena.de

Dr. Ute Möllmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.hki-jena.de

Weitere Berichte zu: Mykobakterium Tuberkulosebekämpfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Wenn Korallen Plastik fressen

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Ventile für winzige Teilchen

23.05.2018 | Materialwissenschaften

GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

23.05.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics