Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolg bei Erforschung des Hepatitis C-Virus

16.10.2002


Heidelberger Wissenschaftlern ist es gelungen, das Erbmaterial in menschlichen Leberzellen zu vermehren



Wissenschaftlern des Universitätsklinikums in Heidelberg ist ein entscheidender Schritt bei der Erforschung des Hepatitis C-Virus gelungen. Sie schleusten das vollständige Erbmaterial des Erregers in Leberzellen ein und konnten dadurch maßgebliche Schritte der Virusvermehrung beobachten. Damit hat die Arbeitsgruppe von Prof. Ralf Bartenschlager eine wichtige Grundlage für die Entwicklung einer erfolgreichen Therapie der Leberentzündung durch das Hepatitis C-Virus geschaffen.



Mit dem Hepatitis C-Virus sind weltweit etwa 170 Millionen Menschen infiziert, in Deutschland etwa eine halbe Million. Das Virus wird vorwiegend durch Blut übertragen und verweilt oft jahrzehntelang im Körper, bevor sich Leberentzündungen, Zirrhose oder Leberzellkrebs, der häufig zum Tode der Betroffenen führt, entwickeln. Eine Impfung wie gegen Hepatitis A und B gibt es bislang nicht. Medikamente bessern nur bei etwa 50 Prozent der Erkrankten dauerhaft den Gesundheitszustand. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die genauere Kenntnis des Virus, seiner Bestandteile und seiner Vermehrung.

Molekulare Angriffspunkte für neue Behandlungsstrategien

Die Forschungsarbeiten von Prof. Bartenschlager, Leiter der Abteilung Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Heidelberg, und seinem Team sollen nun einen entscheidenden Fortschritt für die Hepatitis C-Forschung bringen. Den Wissenschaftlern gelang es erstmals, das vollständige Erbmaterial des Hepatitis C-Virus in menschliche Leberzellen einzuschleusen und es dort zu vermehren.

Bereits 1999 isolierten die Virusforscher Teile aus dem Genom, dem Erbgut, des Virus, und setzten diese zu einer Art Minigenom zusammen. Dieses Minigenom konnten sie in menschliche Leberzellen einschleusen, was ihnen erlaubte, die Funktion einiger Bereiche des Hepatitis C-Virus zu untersuchen. Bei ihren Experimenten beobachteten die Wissenschaftler, dass mit der Zeit bestimmte Veränderungen (Mutationen) in den Minigenomen auftraten, die eine gesteigerte Vermehrung zur Folge hatten. Diese Beobachtung führte zum Erfolg: Die Wissenschaftler isolierten das vollständige Erbgut des Hepatitis C-Virus und fügten die veränderten Stücke aus den Minigenomen ein.

Durch diese Manipulation konnte erstmals das komplette Virusgenom in Leberzellkulturen eingeschleust und zur Vermehrung gebracht werden. "Zwar ist es noch immer nicht möglich, ganze Viruspartikel zu produzieren, aber wir können die Vermehrung des Erbguts beobachten und wichtige Informationen über den Lebenszyklus des Hepatitis C-Virus und sein Zusammenspiel mit den Bestandteilen menschlicher Leberzellen sammeln," erklärt Bartenschlager. Er ist sicher, dass mit dem System offene Fragen der Hepatitis C-Forschung geklärt werden können.

Neben der Grundlagenforschung profitiert auch die Therapieentwicklung von diesen Arbeiten. Je mehr über die Lebensweise des Lebervirus bekannt ist, um so leichter lassen sich Angriffspunkte für eine neue Behandlung finden. Die von den Heidelberger Wissenschaftlern entwickelte Methode eignet sich auch für eine Massentestung möglicher antiviraler Substanzen. An den Zellen mit Virusgenom kann recht einfach untersucht werden, ob bestimmte Stoffe die Virusvermehrung hemmen und daher möglicherweise als neues Medikament in Frage kommen.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.hyg.uni-heidelberg.de/molvir/en/frameset.htm

Weitere Berichte zu: C-Virus Hepatitis C Leberzelle Minigenom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Reibungswärme treibt hydrothermale Aktivität auf Enceladus an

Computersimulation zeigt, wie der Eismond Wasser in einem porösen Gesteinskern aufheizt

Wärme aus der Reibung von Gestein, ausgelöst durch starke Gezeitenkräfte, könnte der „Motor“ für die hydrothermale Aktivität auf dem Saturnmond Enceladus sein....

Im Focus: Frictional Heat Powers Hydrothermal Activity on Enceladus

Computer simulation shows how the icy moon heats water in a porous rock core

Heat from the friction of rocks caused by tidal forces could be the “engine” for the hydrothermal activity on Saturn's moon Enceladus. This presupposes that...

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kinderanästhesie aktuell: Symposium für Ärzte und Pflegekräfte

23.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Seminar „Leichtbau im Automobil- und Maschinenbau“ im Haus der Technik Berlin am 16. - 17. Januar 2018

23.11.2017 | Seminare Workshops

Biohausbau-Unternehmen Baufritz erhält von „ Capital“ die Auszeichnung „Beste Ausbilder Deutschlands“

23.11.2017 | Unternehmensmeldung