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Würzburger Wissenschaftler erforschen Wurmkrankheiten

09.10.2002


Bandwürmer haben ähnliche Hormone und Oberflächenrezeptoren wie Menschen



Würzburger Mikrobiologen ist es gelungen, Wurmerkrankungen im Menschen genauer zu analysieren. Nach neuesten Erkenntnissen bilden Bandwürmer eine ganze Reihe von Oberflächenrezeptoren und Hormonen, die denjenigen des Menschen sehr ähnlich sind. Darin sehen die Wissenschaftler auch Möglichkeiten, die Parasiten wirkungsvoll zu bekämpfen ohne den Wirt zu schädigen. Die deutsche Forschungsgemeinschaft fördert dieses Projekt, berichtet der Informationsdienst Wissenschaft.

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Obwohl derzeit etwa eine Milliarde Menschen weltweit an Wurmerkrankungen leidet, zählen Band-, Saug- und Fadenwürmer aus molekularbiologischer Sicht zu den am wenigsten erforschten Erregern. "Der Hauptgrund dafür ist, dass Wurmparasiten nur sehr schwer im Labor kultiviert werden können", so Klaus Brehm vom Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Uni Würzburg. Die Arbeitsgruppe um Brehm hat sich für die Untersuchungen einen der gefährlichsten Vertreter dieser Parasiten, den Fuchsbandwurm, als Modellsystem ausgesucht. Ihr gelang 1996 die Zucht von Bandwurmlarven im Reagenzglas. Die Larven verbergen sich normalerweise in der Leber des Wirts. Die Forscher können nun auf Tierversuche verzichten und dabei auch Gene und Proteine des Wurmes untersuchen. "Erste Analysen haben gezeigt, dass Bandwürmer dem Menschen auf molekularer Ebene sehr viel ähnlicher sind als man landläufig glauben mag", so Brehm. Für die Entwicklung von Medikamenten ist diese Ähnlichkeit von Nachteil, weil sich nur sehr schwer Stoffe finden, die den Bandwurm nachhaltig schädigen und die Zellen des Menschen verschonen.

Darum analysieren die Forscher nun die Gene des Parasiten und vergleichen sie mit denen des Menschen. Sie wollen Besonderheiten in der Zellbiologie des Fuchsbandwurms finden, die sich als Angriffspunkte für neue Arzneistoffe eignen. Dazu sollen insbesondere Fragen der Umgehung des Immunsystems des Wirts und die Wechselwirkung zwischen Zellen des Wirts und des Parasiten erklärt werden. "Dies könnte bedeuten, dass die Zellen des Bandwurms die Sprache unserer eigenen Zellen verstehen und auch selbst sprechen", erklärt Brehm. Das würde auch erklären, warum eine Larve eines Fuchsbandwurms 30 bis 40 Jahre lang unbehelligt im Körper des Menschen heranwachsen kann.

Der Parasit könnte beispielsweise in Form von Hormonen gezielte Falschmeldungen aussenden, die eine effektive Immunantwort des Wirts verhindern. Weiterhin könnten es Wachstumshormone des Wirts sein, die dem Bandwurm den direkten Befehl zur Entwicklung geben. Solche Beziehungen zwischen Wurmparasiten und Säugetieren werden laut Brehm schon seit einiger Zeit diskutiert. Nachgewiesen wurden sie bisher aber noch nie. "Sollte sich durch unsere Arbeiten ein derartiger Zusammenhang zeigen lassen, würde dies ein neues Kapitel im Studium der komplexen Wechselwirkungen zwischen Krankheitserregern und dem Menschen öffnen, denn diese Infektionsmechanismen würden sich grundlegend von denen unterscheiden, die von Bakterien, Pilzen oder parasitischen Einzellern bekannt sind."

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

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