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Auch Geschwister brauchen Hilfe: Emotionale Nähe stabilisiert

08.10.2002


Wird ein Kind chronisch krank, leiden seine Geschwister auf der psychischen Ebene oft erheblich



So zeigen Geschwister von Kindern mit spinaler Muskelatrophie (SMA) deutlich mehr Verhaltensauffälligkeiten als die kleinen Patienten selbst oder auch als Kinder aus gesunden Familien. Diese Probleme resultieren aus den vielfältigen zeitlichen und emotionalen Belastungen, die Familien mit SMA-Patienten zu bewältigen haben. Tendenziell neigen die körperlich gesunden Geschwister zu aggressivem Verhalten, zu Angst und Depressionen. Über 40 Prozent der Geschwister werden von ihren Müttern als verhaltensauffällig eingestuft. Dies zeigt Dr. Christine Laufersweiler-Plaß in einer Studie der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität zu Köln.

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Besonders gefährdet scheinen die Geschwister dann zu sein, wenn ein Elternteil eine enge Koalition mit dem chronisch kranken Kind eingeht. Diese Koalitionen setzen die natürliche Familienstruktur außer Kraft, da die Eltern dann nicht mehr die zentrale partnerschaftliche Familieneinheit bilden. Treten solche Eltern-Kind Koalitionen in den betroffenen Familien auf, so wächst das Risiko, dass Verhaltensprobleme nicht nur von den Geschwistern, sondern auch von den kranken Kindern selbst ausgebildet werden.

Generell zeigen die SMA-Patienten jedoch trotz der großen Belastung durch die Krankheit keine deutlich verstärkten Verhaltensauffälligkeiten. Zwar entwickeln die Betroffenen tendenziell mehr psychische Probleme als Kinder aus gesunden Familien, diese haben in den meisten Fällen aber nicht die Intensität einer psychischen Störung und werden insgesamt recht gut bewältigt. Auch im Sozialverhalten sind Kinder mit SMA insgesamt unauffällig. Ihre schwere körperliche Beeinträchtigung macht Kooperation mit Anderen sehr notwendig. Patienten mit SMA, einer Krankheit, die durch den chronisch fortschreitenden Untergang der motorischen Vorderhornzellen des Rückenmarks zu Lähmungen der Muskulatur führt, sind meist schon als kleine Kinder auf den Rollstuhl angewiesen. Auch das Sitzen oder das Halten des Kopfes sowie schlucken und atmen können beeinträchtigt sein.

Die Verhaltensprobleme, die bei den SMA-Patienten auftreten, korrelieren mit der subjektiven Belastungseinschätzung der Mutter. Empfindet diese den Umgang mit der Krankheit als wenig belastend, so entwickeln die Kinder weniger Probleme als in Fällen, in denen die Mutter sich mit der Situation überfordert fühlt. Auch bei den Geschwisterkindern nehmen die Verhaltens-auffälligkeiten mit verstärktem Belastungsempfinden der Mütter zu.

Guter familiärer Zusammenhalt beeinflusst die psychosoziale Anpassung der SMA-Patienten positiv. Eine Atmosphäre der emotionalen Nähe und flexible Reaktionen auf Belastungen stabilisieren das psychosoziale Befinden der chronisch kranken Kinder.

Rückfragen an:
Dr. Christine Laufersweiler-Plaß
Telefo 030/42806732
E-mail: psychopraxis@debitel.net

Gabriele Rutzen | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi

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