Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erlernte Reize stacheln bei Rauchern die Gier nach Nikotin an

02.10.2002


Jeder Raucher kennt das Phänomen: Sobald er einen Ort betritt, an dem gequalmt wird, oder er eine Person sieht, die raucht, so steigt in ihm das Verlangen, selbst zur Zigarette zu greifen. Die Ursache dafür sind vermutlich Lernprozesse: Bestimmte Umweltreize werden mit dem Konsum von Nikotin assoziiert und können dann körperliche Prozesse anstoßen, die das Verlangen zu rauchen verstärken.

Lernprozesse, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Suchtverhalten eine Rolle spielen könnten, werden am Lehrstuhl für Psychologie I der Uni Würzburg experimentell untersucht. Leiter dieses von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts sind Prof. Dr. Paul Pauli und Dr. Ron Mucha.

In einem typischen Experiment bekommen Raucher zum Beispiel Bilder von Zigaretten oder Haushaltsgegenständen gezeigt. Die Versuchspersonen sollen dann zum einen berichten, welche Empfindungen diese Reize bei ihnen auslösen. Zum anderen werden physiologische Reaktionen aufgezeichnet, wie etwa die Herzfrequenz oder die Hautleitfähigkeit.

"Bei einer Reihe von Experimenten haben wir herausgefunden, dass die subjektiven Angaben und die physiologischen Reaktionen der Raucher stark voneinander abweichen", so Prof. Pauli. So gaben die Versuchspersonen zwar an, dass die mit dem Rauchen assoziierten Bilder nur ein geringes Verlangen zu rauchen auslösen. Gleichzeitig aber zeigten die physiologischen Reaktionen, dass sehr wohl eine starke Gier nach Nikotin vorlag.

Die Raucher sprachen also völlig unbewusst auf die Bilder an: "Wir vermuten, dass solche rauchassoziierten Reize bei Abhängigen aufgrund des vorausgegangenen häufigen Drogenkonsums direkt Verstärkerzentren im Gehirn aktivieren. Das bedingt dann eine Motivierung zum weiteren Drogenkonsum", wie Pauli erklärt.

Ihm zufolge passen diese experimentellen Ergebnisse sehr gut zu klinischen Befunden, die schon lange bekannt sind: Demnach verspüren abhängige Menschen in einer therapeutischen Umgebung kaum Verlangen nach Drogen. Sobald sie aber in ihr gewohntes Umfeld entlassen werden, entsteht wieder ein starker Drang zum Drogenkonsum.

Die Ursache dafür ist laut Pauli der erneute Kontakt mit Umweltreizen, die mit dem Drogenkonsum assoziiert worden sind. "Eine Behandlung von Suchtkranken sollte daher beinhalten, dass diese einen neuen Umgang mit solch relevanten Reizen erlernen", meint der Würzburger Professor.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Paul Pauli, T (0931) 31-2843, Fax (0931) 31-2733, E-Mail: pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Nikotin Reiz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen