Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wenn Flüge zum Gesundheitsrisiko werden

02.10.2002


Den Klapptisch auf den Knien, das Handgepäck zwischen den Füßen, ein paar Gläser Wein zuviel - Touristenklasse im Urlaubsflieger. Kurze Zeit später schwillt die Wade an: Ein Blutgerinnsel wird zum letzten Souvenir der Ferien und verstopft die Beinvenen. Löst sich ein solcher Blutpfropf und wird vom Blutstrom mitgerissen, droht eine lebensgefährliche Komplikation, die Lungenembolie.

Über aktuelle Fragen rund um die Blutgerinnung werden mehr als 300 Experten aus ganz Deutschland am 10. und 11. Oktober im Würzburger Congress Centrum diskutieren. Die große medizinische Bedeutung dieses Themengebiets hatte Rudolf Virchow schon vor mehr als 150 Jahren in Würzburg erkannt. Die Wissenschaftler beschäftigen sich auch mit erblichen Störungen der Blutgerinnung. Derlei Defekte werden oftmals erst dann erkannt, wenn ein zusätzliches Risiko hinzutritt und gewissermaßen das Fass zum Überlaufen bringt: Der Mangel an Bewegung während eines Flugs ist ein solches Risiko für eine Verstopfung der Venen.

Wünschenswert wäre es, die individuelle Thrombosegefährdung genau zu kennen. Doch bis dahin ist es noch ein langer, steiniger Weg. Das gesamte Erbgut des Menschen wurde gerade erst entschlüsselt. Nach ersten Erfolgen wird nun fieberhaft nach weiteren wichtigen Erbdefekten gefahndet. Je mehr vererbliche Risikofaktoren aufgedeckt werden, umso mehr gewinnen Aufklärung und Beratung an Bedeutung.

Dass die Gendiagnostik nicht unkritisch gesehen werden darf, unterstreicht Professor Tiemo Grimm aus dem Humangenetischen Institut der Würzburger Universität: "Eine Diskriminierung von gesunden Genträgern muss verhindert werden." Mit dem immer umfassenderen Wissen um grundlegende Erbdefekte bekommt der Arzt aber Möglichkeiten in die Hand gegeben, um eine gesteigerte Gerinnungsneigung nicht nur frühzeitig zu erkennen, sondern auch wirksame Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. "Risikopatienten können sich eine gerinnungshemmende Spritze geben lassen", rät das Team um Professor Ulrich Walter, Vorstand des Instituts für Klinische Biochemie und Pathobiochemie, das die Tagung veranstaltet.

Im Rahmen des Symposiums werden neue Medikamente zur Vermeidung und Behandlung von Thrombosen vorgestellt. Diese Arzneimittel zeichnen sich nicht nur durch eine verbesserte Wirksamkeit, sondern auch durch deutlich weniger Nebenwirkungen aus. Sie ermöglichen erstmals die Anwendung ohne aufwändige Laborkontrollen. Ebenso haben die Fachleute neue Therapiekonzepte im Visier, die eine wirkungsvolle Behandlung schwerster Gerinnungsstörungen versprechen, wie sie im Gefolge einer Blutvergiftung das Leben des Patienten gefährden.

Weitere Informationen: 

Dr. Christian Schambeck, 
E-Mail: c.schambeck@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Blutgerinnung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise