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Depressionen verschlechtern Prognose der Herztransplantation

24.09.2002


Vor allem Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung betroffen / Psychotherapie als Vorbeugung



Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit, die während der Wartezeit auf eine Herztransplantation an Depressionen leiden, haben nach der Transplantation eine schlechtere Prognose. Dies hat eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Privatdozent Dr. Stefan Zipfel an der Abteilung Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg in einer mehrjährigen Untersuchung festgestellt. Angst spielte dagegen für das langfristige Ergebnis keine Rolle. Die Heidelberger Wissenschaftler berichten über ihre Studie in der Septemberausgabe der amerikanischen Fachzeitschrift "Psychosomatic Medicine" (Band 64, S. 740-747). Sie empfehlen, Patienten vor einer Herztransplantation psychodiagnostisch zu untersuchen und während der Wartezeit psychotherapeutisch zu begleiten, ggf. mit Unterstützung einer Selbsthilfegruppe transplantierter Patienten, wie dies in Heidelberg praktiziert wird.



Eine Herztransplantation ist die letzte lebensrettende Behandlungsmöglichkeit, wenn das Herz zu versagen droht. Wichtigste Ursachen des Herzversagens sind die Herzmuskelschwäche (Kardiomyopathie), z.B. ausgelöst durch eine Virusentzündung, oder einen schweren Herzinfarkt, der große Teile des Muskelgewebes zerstört hat. "Vor allem diese Patienten leiden vor dem Eingriff unter Angst und Depression", berichtet Dr. Zipfel. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten 152 Patienten mit Kardiomyopathie oder nach Herzinfarkt, die auf eine Herztransplantation warteten. Sie setzten verschiedene psychologische Tests, um die psychische Verfassung der Patienten vor der Transplantation abzuklären. Rund 21 Prozent starben, bevor sie transplantiert werden konnten. Letztlich konnten die Wissenschaftler 103 Patienten über 4 Jahre und 4 Monate verfolgen. Etwa 30 Prozent der Patienten starben in den Jahren nach der Transplantation, vor allem in Folge der Abstoßung des fremden Organs. Die meisten Patienten erlangten jedoch eine hohe Lebensqualität.

Transplantatabstoßung durch Verzicht auf Medikamente?

Welchen Einfluss haben psychische Faktoren auf die langfristigen Ergebnisse einer Herztransplantation? "Es ist bekannt, dass Patienten mit koronarer Herzkrankheit mehr Beschwerden haben und häufiger sterben, wenn bei ihnen gleichzeitig eine Depression vorliegt", erklärt Dr. Zipfel. Auch für die Herztransplantation gibt es Studienergebnisse, die dies nahe legen. Erstmals konnten mit der Heidelberger Studie gezeigt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen Depressionen vor einem Eingriff und dessen langfristigen Ergebnis gibt. Dies gilt zunächst allerdings nur für Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten.

Warum dieser Zusammenhang besteht, ist nicht klar. Die Wissenschaftler vermuten, dass Depressionen eine Transplantatabstoßung begünstigen können, möglicherweise durch Beeinflussung des Immunsystems. "Auch die Compliance, das heißt die Zuverlässigkeit der Medikamenteneinnahme, dürfte bei depressiven Patienten vermindert sein", sagt Dr. Zipfel. Nehmen transplantierte Patienten ihre immunsuppressiven Medikamente nicht ein, kann es mangels Unterdrückung der Immunabwehr zu einer Abstoßung kommen.

Unterstützung durch Selbsthilfegruppe und psychotherapeutische Behandlung

Als Konsequenz aus dieser Studie sollten depressive Risikopatienten frühzeitig identifiziert werden und eine spezifische Unterstützung erfahren. Das Transplantationszentrum des Universitätsklinikums Heidelberg bietet dafür eine gestuftes psychosoziales Behandlungskonzept an: Patienten, die auf eine Herztransplantation warten, und ihre Angehörigen können sich regelmäßig mit anderen Wartepatienten oder bereits Transplantierten einer Selbsthilfegruppe austauschen. Darüber hinaus werden regelmäßige Gespräche mit kardiologisch geschulten Psychosomatikern und einer Sozialarbeiterin angeboten. Dadurch sollen wichtige Informationen vermittelt und Ängste reduziert werden. Patienten, die an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen leiden, kann durch eine psychotherapeutische Behandlung rechtzeitig geholfen werden.

Ansprechpartner:

Priv.-Doz. Dr. Stefan Zipfel
Abteilung Innere Medizin II
Universitätsklinikum Heidelberg
Schwerpunkt Allgemeine Klinische und Psychosomatische Medizin
Tel. 06221 / 56-8669
E-Mail: Stefan_Zipfel@med.uni-heidelberg.de


Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.herztransplantation.de

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