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Menschliches Protein als Schnittstelle von Krebserkrankungen und Virusinfektionen

06.09.2002


Novartis-Stiftung fördert immunologische Grundlagenforschung

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»Pockenvire »Protein »Virusinfektion »Z-DNA »ZBP1

In Zellen, die in der Nähe von Krebszellen liegen, und auch in einigen Immunzellen findet sich ein ganz bestimmtes Protein, genannt ZBP1. Dieses kann an eine besondere Form der Erbinformation, die sogenannte Z-DNA (zickzackförmig verlaufende DNA) binden. Die Funktion von ZBP1 ist noch unklar: Fördert oder hemmt es beispielsweise die Ausbreitung von Krebsgeschwüren? Spielt es eine Rolle in der körpereigenen Abwehr gegen Pockenviren, die gerade im Zusammenhang mit möglichen terroristischen Anschlägen wieder wichtig werden könnte? Kann es Ausgangsstoff für ein Medikament oder einen Impfstoff werden? Erste Antworten auf diese Fragen soll das Forschungsprojekt von Stefan Rothenburg, Wissenschaftler am Institut für Immunologie im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, geben. Zur Unterstützung seiner Arbeit wurde ihm am 06. September 2002 von der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung ein Graduiertenstipendium verliehen.

Menschliche Körperzellen, welche zu Krebszellen entarten oder in denen sich Viren vermehren, sind eine Gefahr für den Körper. Eine Hypothese des Forscherteams um Rothenburg geht davon aus, dass das Protein ZBP1 solche Zellen in den kontrollierten Selbstmord treibt. Dieser Vorgang wird Apoptose genannt. Eine weitere Hypothese besagt, dass ZBP1 Teil der Immunantwort des Körpers auf Virusinfektionen ist. Pockenviren besitzen aber offenbar ein Protein, das ähnlich aufgebaut ist, ZBP1 von seinem Wirkort an der Z-DNA verdrängt und dadurch die menschliche Immunabwehr an dieser Stelle überlistet. Fernziel der Untersuchungen ist es deshalb auch, eine Substanz zu finden, die das krankmachende Protein aus den Pockenviren bekämpft, ohne dabei jedoch ZBP1 zu beeinträchtigen.


Beim Menschen wurde ZBP1 erst kürzlich von der Arbeitsgruppe um Stefan Rothenburg entdeckt. Es kommt in bis zu 2.000 verschiedenen Varianten vor. Nicht alle können an Z-DNA binden, so dass ihre Rolle im menschlichen Immunsystem und auch der Ort ihrer Wirkung durchaus unterschiedlich, wenn nicht gar entgegengesetzt sein könnten. Um darüber weitere Informationen zu erhalten, plant Rothenburg nun unter anderem Antikörper gegen die Hauptvarianten von ZBP1 herzustellen. Mit ihrer Hilfe soll in feingeweblichen Schnitten noch genauer dargestellt werden, in welchen menschlichen Zellen die verschiedenen ZBP1-Proteine vorkommen. So soll ermittelt werden, welche Bedeutung sie für die Entstehung von Krebs haben.

"Wir wissen noch sehr wenig über ZBP1, seine verschiedenen Ausprägungen und deren Wirkungen. Wir betreiben jetzt erst einmal Grundlagenforschung", so Rothenburg. "Aber das Ziel jeder medizinischen Forschung ist natürlich immer auch die Vorbeugung oder Heilung von Krankheiten. Vielleicht führt unsere Arbeit künftig einmal zu einem Medikament gegen die krankmachenden Eiweiße der Pockenviren oder gar gegen die Ausbreitung von Krebsgeschwüren. Das Protein ZBP1 könnte somit ein Schnittpunkt in der Bekämpfung zweier sehr unterschiedlicher Erkrankungen sein."

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung stellt jedes Jahr deutschlandweit bis zu 93.000 Euro für Graduierten-Stipendien zur Verfügung. Die Vergabe dieser Fördermittel erfolgt völlig unabhängig: Die Einrichtungen von Forschung und Lehre der Universitäten werden dazu aufgefordert, aus dem Kreise ihrer Nachwuchswissenschaftler selbst die vielversprechendsten Projekte zur Stipendienvergabe vorzuschlagen.

Martin Wiehl | ots

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