Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzelltransplantation bei schwerer chronischer Darmentzündung

30.08.2002


Neues Therapiekonzept im Freiburger Universitätsklinikum bestätigt

Die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn ist eine Autoimmun-Krankheit, die bisher medikamentös und wenn nötig auch operativ behandelt wird. Eine dauerhafte Heilung ist nicht zu erreichen. Von der Erkrankung sind in Westeuropa etwa 50 von 100.000 Menschen betroffen. Professor Dr. Wolfgang Kreisel und Professor Dr. Jürgen Finke, Medizinische Klinik des Freiburger Universitätsklinikums, haben jetzt mit Hilfe einer Transplantation patienteneigener Knochenmark-Stammzellen ein vollständiges Verschwinden der Krankheitserscheinungen bei einem Patienten erreichen können, der schwer an Morbus Crohn erkrankt war.

Bei dieser Form der Stammzelltransplantation wird das bestehende Immunsystem des Patienten mit einer hochdosierten Chemotherapie zerstört und danach durch die Re-Transplantation eigener Knochenmark-Stammzellen in einen "jungfräulichen" Zustand versetzt. Dieses Verfahren wird auch bei der Therapie bösartiger Lymphknotentumore oder der Leukämie mit Erfolg eingesetzt. So sollte die unkontrollierte Immunreaktion ausgeschaltet werden, welche die chronische Entzündung der Darmschleimhaut verursacht. Dies wurde durch die Beobachtung nahegelegt, dass bei Patienten mit solchen Darmerkrankungen, die beispielsweise aufgrund einer Leukämie mit einer Stammzelltransplantation behandelt wurden, anschließend auch eine Rückbildung ihrer Darmerkrankung zu verzeichnen war.

Dem betroffenen 36-jährigen Patienten war bisher durch keine Form der Therapie dauerhaft zu helfen gewesen. Er hatte durch vorangegangene Operationen bereits große Teile von Dünn- und Dickdarm verloren. Deshalb wurde nach Beratung mit der Ethik-Kommission des Freiburger Universitätsklinikums die Stammzelltransplantation eingesetzt. In den sechs Monaten nach der Transplantation waren bei diesem Patienten auch ohne medikamentöse Behandlung keine Anzeichen des Morbus Crohn mehr zu finden. Die Hoffnung ist, dass mit dieser Methode zumindest eine mehrere Jahre anhaltende gesunde Phase erreicht werden kann. Der vorliegende Fall beweist, dass das Konzept einer so genannten immunoablativen Therapie mit anschließender Stammzelltransplantation für Patienten mit Morbus Crohn, bei denen die herkömmliche Therapie keinen Effekt zeigt, ein erfolgversprechende Option darstellt.

Kontakt:
Universitätsklinikum Freiburg
Prof. Dr. Wolfgang Kreisel
Medizinische Klinik, Abt. Innere Medizin II
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg
Telefon: 0761 270 3615
Fax: 0761 270 3447 E-Mail: kreisel@med1.ukl.uni-freiburg.de

Rudolf-Werner Dreier | idw

Weitere Berichte zu: Darmerkrankung Morbus Crohn Stammzelltransplantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie