Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Magersucht-Gen entdeckt

07.08.2002


Wenn Menschen eine Magersucht entwickeln, spielt neben Einflüssen der Umgebung offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle.



Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Ruth E. Urwin vom Kinderkrankenhaus im australischen Westmead und ihr Team jetzt in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry”.

... mehr zu:
»Magersucht »Protein


Die Forscher untersuchten die Magersucht-Variante, bei der die Betroffenen ihre Nahrungsaufnahme extrem einschränken. Bei einer anderen Variante erbrechen die Magersüchtigen einen Teil der Nahrung wieder. Von der Bulimie unterscheidet sich diese Variante allerdings dadurch, dass die Patienten keine „Fressanfälle“ haben, sondern ebenfalls nur wenig zu sich nehmen.

Magersüchtige erleben intensiv Stress und Ängste – Emotionen, an denen das so genannte Norepinephrin-System beteiligt ist. Ein bestimmtes Protein namens NET transportiert dabei den Nervenbotenstoff Norepinephrin zurück in die Nervenzellen. Das entsprechende NET-Gen liefert den Bauplan für dieses NET-Protein. Mittels eines Ein-Aus-Schalters im Gen wird geregelt, wie viel von dem Protein hergestellt wird. Ist das Erbgut in diesem Schalter verändert, kann das die Menge des Proteins steigern oder reduzieren. Da es auf diese Weise zu einer Krankheit kommen kann, nahmen die Forscher diesen Schalter unter die Lupe.

Dabei entdeckten sie bei gesunden Menschen ein noch unbekanntes, großes Stück Erbgut. Dieses Stück fanden sie in zwei Varianten vor, einer kurzen und einer langen Version. Als die Wissenschaftler nun Magersüchtig, die kaum etwas essen, und auch ihre Eltern überprüften, zeigte sich, dass die Eltern öfter die lange als die kurze Form an ihre Kinder weitergeben. Das zeige, dass Menschen mit der langen Form ein erhöhtes Risiko für diese Magersucht-Variante hätten, folgern die Forscher aus ihren Ergebnissen.

Von weiteren Studien zum Norepinephrin-System erhoffen sich die Forscher, die biologischen Mechanismen hinter der Magersucht weiter aufzuklären und damit auch neue Therapien zu entwickeln – um etwa die Art und Weise, wie die Betroffenen Stress empfinden, zu ändern. Dass oft der Familie die Schuld an der Magersucht gegeben werde, sei den neuen Erkenntnissen zufolge nicht gerechtfertigt, meinen die Experten. Nach ihren Angaben hat die verheerende Erkrankung, an der zumeist junge Frauen leiden, die höchste Todesrate aller psychiatrischen Erkrankungen.

Molecular Psychiatry (2002), Vol. 7, No. 6, pp. 652 – 657

| MedCon Health Contents AG

Weitere Berichte zu: Magersucht Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten