Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Studie ergibt: Zwei Drittel aller zweit-OPs bei Krampfadern sind vermeidbar

06.08.2002


Warum müssen so viele Patienten, deren Krampfadern operativ entfernt wurden, schon bald ein zweites Mal daran operiert werden? Dieser Frage gingen Gefäßchirurgen und Phlebologen der RUB-Universitätsklinik im St. Josef Hospital nach. Sie fanden heraus: In 64 Prozent der Zweitoperationen war während der ersten OP nicht sachgerecht gearbeitet worden, ein Rückfall (Rezidiv) daher unvermeidlich. Sie raten Patienten dringend, sich in die Hände von geschulten Fachärzten zu begeben und fordern die Einhaltung von Qualitätsstandards.



Ein Fünftel der Operationen sind Wiederholungen



Mehr als 18 Millionen Deutsche haben Krampfadern, die nicht nur unschön sondern auch gefährlich sind. Vielen kann mit einer Operation geholfen werden. Doch die Erleichterung währt oft nicht lange: 40 Prozent aller Operierten bekommen wieder Krampfadern, viele von ihnen landen ein zweites Mal im OP. Ein Fünftel aller Venenoperationen sind wegen eines Rückfalls nötig. Die Ursachen dafür haben der Gefäßchirurg PD Dr. Achim Mumme und die Phlebologen Prof. Dr. Peter Altmeyer und PD Dr. Markus Stücker vom RUB-Klinikum erforscht.

Kranke Venenreste lösen neue Krampfadern aus

Sie entnahmen bei Rezidivoperationen Gewebeproben von den voroperierten Krampfadern. Anhand spezieller Untersuchungen konnten sie feststellen, ob bei den Voroperationen die Krampfadern ausreichend gründlich entfernt worden waren oder nicht. Das Ergebnis: "Bei 64 Prozent aller Rezidivoperationen war eindeutig klar, dass bei der Erstoperation die Krampfadernvene nicht ausreichend weit - d.h. bis zu ihrer Einmündung in die tiefe Vene - entfernt worden war. Der krankhafte Venenrest führte zwangsläufig zur erneuten Ausbildung des Krampfadernleidens", so (PD Dr. A. Mumme). 24 Prozent der Rezidive waren eindeutig auf bislang therapeutisch nicht beeinflussbare Gefäßneubildungen zurückzuführen. In 12 Prozent der Fälle gelang es trotz der Gewebeanalysen nicht, die Rezidivursache eindeutig zu klären.

Teure Fehler bei der Operation

Vermeidbare technische Fehler sind offenbar die häufigste Ursache für die Notwendigkeit eines Rezidiveingriffes nach vorhergehender Krampfadernoperation. Diese Qualitätsmängeln haben wegen der Häufigkeit von Venenerkrankungen eine enorme sozialmedizinische Bedeutung: Von den etwa 800 Mio. DM, die im Jahr 2000 deutschlandweit allein die stationäre chirurgische Behandlung des Krampfaderleidens kostete, dürften schätzungsweise 160 Mio. DM auf die Beseitigung einer Rezidivkrampfader entfallen sein. "Davon hätten 80 Mio. DM eingespart werden können, wenn gemäß der geltenden Qualitätsstandards verfahren worden wäre", schätzen die Experten. Hinzu kommen noch die Kosten für die ambulanten Versorgung von Krampfadernrezidiven.

Qualitätsstandards einhalten

Um den Mängeln in der Krampfaderchirurgie wirkungsvoll zu begegnen, fordern die Experten, auch bei unspektakulären Operationen an Krampfadern die geltenden Qualitätsanforderungen konsequent umzusetzen. Dabei solle die Qualifikation der operierenden Ärzte stärker berücksichtigt werden als bisher. Nach einer dänischen Studie hat die Qualifikation des Operateurs einen entscheidenden Einfluss auf das Ergebnis von Krampfadernoperationen. Die Häufigkeit technischer Fehler betrug in dieser Studie im unspezialisierten Krankenhaus 40 Prozent und in der unspezialisierten Praxis 43 Prozent. Mit 14 Prozent lag die Rezidivrate bei Venenspezialisten (Gefäßchirurgen, Phlebologen) wesentlich niedriger.

Weitere Informationen

PD Dr. Markus Stücker, Dermatologische Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef Hospital, Gudrunstr. 56, 44791 Bochum, Tel. 0234/509-3448, Fax: 0234/509-3445, E-Mail: m.stuecker@derma.de

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Phlebologen Rezidiv Rezidivoperation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise