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Schmerz ohne Suchtgefahr abschaltbar

31.07.2002


Wird Muscarin-Rezeptor lahmgelegt, reduziert sich Morphium-Abhängigkeit



Die Blockade eines bestimmten Gehirnrezeptors minimiert das Suchtpotenzial von Morphium ohne dessen Wirkung als eines der wirksamsten Schmerzmittel zu reduzieren. US-Forscher um Anthony S. Basile, derzeit tätig für das in Cambridge/Massachusetts ansässige Unternehmen Alkermes, zeigten, dass Mäuse, denen der Rezeptor M5-Muscarin fehlte, ein deutlich reduziertes Suchtverhalten aufwiesen, der Schmerz durch die Morphium-Wirkung aber verschwand. Der an der Studie beteiligte britische Pharmakologe Stephen Husband von der University of Bath sagte gegenüber BBC-Online, dass sich ein Großteil der Forschung zur Blockierung der Morphium-Abhängigkeit bisher als fruchtlos herausgestellt hat. Er warnt vor überzogenen Erwartungen.



Morphium-Moleküle heften sich an Rezeptoren, also Proteine auf der Zelloberfläche der Nerven. Diese Interaktion beeinflusst die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen und schaltet den Schmerz ab. Die US-Forscher untersuchten den Muscarin-Rezeptor, der zwar für die Morphium-Abhängigkeit eine Rolle spielt, aber nicht direkt an das Opiat-Molekül bindet. Sie deaktivierten in Mäusen den Muscarin-Rezeptor und machten die genetisch veränderten Tiere ebenso wie Vergleichsmäuse Morphium-abhängig. Die Abhängigkeit drückte sich dadurch aus, dass die süchtigen Tiere in die Ecke des Käfigs, die "Drogenausgabestelle", liefen.

Bei Mäusen, denen der M5-Rezeptor fehlte, sank das Suchtverhalten. Die Tiere drängten sich erst bei sehr hohen Morphium-Dosismengen in die Käfigecke. Wurde das Opiat abgesetzt, fielen auch die Entzugserscheinungen im Gegensatz zu den Vergleichstieren weniger heftig aus. Die schmerzstillende Wirkung blieb aber vorhanden, schreiben die Forscher im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) http://www.pnas.org . Ergänzend heißt es, dass der Rezeptor hauptsächlich im Gehirn vorkommt. Ein Medikament, das also den M5-Rezeptor blockiert, löst auch keine schweren Nebenwirkungen aus, glauben die Forscher.

Sandra Standhartinger | pte
Weitere Informationen:
http://www.alkermes.com

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