Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dem Grünen Star mit Biomarkern auf der Spur

30.07.2008
Das Glaukom, im Volksmund auch "Grüner Star" genannt, ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Erblindung.

Ein erhöhter Augeninnendruck galt lange als alleiniger Auslöser der Erkrankung. Neue Forschungsergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass auch das Immunsystem an der Entstehung beteiligt ist.

Diese Erkenntnis, die langfristig zu völlig neuen Formen der Früherkennung führen könnte, ist ein zentraler Diskussionspunkt auf dem 106. Kongress der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) in Berlin.

In Deutschland leiden etwa eine Millionen Menschen an einem Glaukom. Im Krankheitsverlauf sterben zunehmend Nervenzellen im Auge ab. Es kommt zu Gesichtsfeldausfällen und - im schlimmsten Fall - zur Erblindung. "Die Ursache der Erkrankung wurde lange allein in einem erhöhten Augeninnendruck gesehen.

Doch viele Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck erkranken nie an einem Glaukom. Andere wiederum erblinden daran trotz eines normalen Augeninnendrucks", erklärt Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Direktor der Universitätsaugenklinik Mainz.

Gemeinsam mit seinem Forschungsteam sucht Pfeiffer deshalb nach anderen Erklärungen für die Krankheit. Eine mögliche Ursache sehen die Wissenschaftler in Angriffen des körpereigenen Abwehrsystems: Das Glaukom könnte eine Autoimmunerkrankung sein, bei der der Körper durch die Bildung sogenannter Antikörper eigene Strukturen schädigt. Antikörper sind Proteine, die vom Immunsystem gebildet werden. Sie sind in der Lage, an Fremdkörper anzudocken und diese zu zerstören.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Glaukom-Patienten Antikörper bilden, die sich gegen körpereigene Strukturen richten. Dabei können Bestandteile des Sehnervs und der Netzhaut angegriffen werden", erläutert Pfeiffer im Vorfeld des DOG-Kongresses. Möglich ist jedoch auch, dass die Antikörper nicht Auslöser sondern Folge der Erkrankung sind. In weiteren Studien geht das Forschungsteam dieser Frage derzeit nach.

Ob Ursache oder Folge einer Glaukomerkrankung: "In jedem Fall könnten die Antikörper künftig als Biomarker zum Einsatz kommen. Unser Fernziel ist die Entwicklung eines Bluttests zur Früherkennung des Glaukoms, der die Bestimmung des Augeninnendrucks ergänzt", erklärt Pfeiffer, der mit seinem Team die Forschungsergebnisse im September auf dem DOG-Kongress in Berlin vorstellen wird. Seit neuestem nutzen die Mainzer Wissenschaftler auch die Technik der sogenannten Proteomics.

Dabei werden alle Proteine im Blut, nicht nur die Antikörper, erfasst. Ziel ist es, weitere Biomarker ausfindig zu machen. "Nur eine effektive Frühdiagnostik kann eine Erblindung beim Glaukom verhindern", so Pfeiffer. "Mit den derzeitigen Mitteln erkennen wir die Krankheit erst, wenn der Patient schon etwa zehn Jahre an ihr leidet. Dann sind jedoch bereits die Hälfte der Nervenzellen abgestorben."

Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5 400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Ziel der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

| idw
Weitere Informationen:
http://www.dog2008.org
http://www.dog.org
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Antikörper Augeninnendruck Biomarker DOG Glaukom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie