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Lebensmittel-Zusatz trickst TBC-Erreger aus

28.07.2008
Zugelassener Aromastoff schwächt schädlichen Einfluss der Krankheit

Forscher am Department Biosysteme (D-BSSE) der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in Basel haben einen Wirkstoff gefunden, der den Tuberkulose-Erreger (TBC) austrickst.

Die Entdeckung könnte für Mio. von Betroffenen neue Hoffnung in der Bekämpfung der Bakterienerkrankung darstellen. "Die Substanz, nach der lange geforscht wurde, fanden wir in Lebensmitteln", erklärt Martin Fussenegger, Professor für Biotechnologie und Bioingenieurswissenschaften am D-BSSE, gegenüber pressetext. Dabei handelt es sich um 2-Phenylethyl-Butyrat.

Diese Substanz wurde von den Basler Wissenschaftlern so eingesetzt, dass sie eine Schwachstelle des TBC-Erregers ausnutzten. Denn im fortgeschrittenen Stadium hilft gegen das Bakterium "Mycobacterium tuberculosis" nur noch das Antibiotikum Ethionamid. Dieses wird durch das bakterielle Enzym EthA in eine Substanz umgewandelt, die den TBC-Erreger abtötet. Wenn sich die TBC-Bakterien aber erst einmal in Zellen eingenistet haben, produzieren sie dort das Eiweiß EthR. Dieses wiederum blockiert die Produktion von EthA und verhindert damit, dass das Ethionamid umgewandelt wird. Das nun gefundene 2-Phenylethyl-Butyrat blockiert das EthR, so dass mehr EthA produziert wird. Dadurch kann das Ethionamid wieder mehr Tuberkulose Erreger eliminieren.

"Das ist ein wichtiger Schritt, denn damit können wir auch die Konzentration an verabreichtem Ethionamid deutlich senken. Denn mehr davon wird jetzt im Körper in ein wirksames Gegenmittel umgewandelt werden", erzählt Fussenegger erfreut. Dies ist auch nötig, denn neben der positiven Wirkung auf Tuberkulose hat dieses Antibiotikum starke Nebenwirkungen. "Es schädigt in erheblichem Umfang die Leber. Bei falscher Dosierung kann es sogar zum Tod des Patienten führen", so Fussenegger.

Bei der Entdeckung des Repressors half dem Forscherteam um Fussenegger der Zufall. "Wir haben es zufällig bei Experimenten als Aromastoff in alltäglichen Lebensmitteln gefunden", so der Studienleiter. Erfreulich für die Wissenschaftler war dabei, dass 2-Phenylethyl-Butyrat bereits in vielen Ländern als Lebensmittelzusatz zugelassen ist. "Von daher hoffen wir auch, bald in die Testphase an Menschen eintreten zu können", so Fussenegger. Zuvor müssen die in zwei Jahren Forschungsarbeit gewonnenen Erkenntnisse jedoch noch in klinischen Versuchen an Mäusen bestätigt werden.

In der Schweiz erkrankten 478 Menschen im zurückliegenden Jahr an TBC, in Deutschland waren es knapp 5.000. Weltweit, so vermeldet die Weltgesundheitsorganisation WHO http://www.who.int , gab es jedoch gut neun Mio. Infizierte im Jahr 2006, von denen 1,7 Mio. an den Folgen von TBC starben. Nichts desto trotz habe die Pharmaindustrie kein Interesse an der Weiterentwicklung von Medikamenten gegen Tuberkulose, bemängelt Fussenegger. Ein Grund könne sein, dass TBC nicht mehr in den finanzkräftigen Industrieländern auftritt - sondern nur noch in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Erik Staschöfsky | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch
http://www.who.int

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