Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose: Neues MRT- Kontrastmittel ermöglicht Diagnose im frühen Krankheitsstadium im Tiermodell

28.07.2008
Erfolgversprechende Therapien können rechtzeitig eingesetzt werden / Wissenschaftlerteam aus Heidelberg und Würzburg veröffentlicht in Zeitschrift "Brain"

Im Tiermodell der Multiplen Sklerose (MS) haben Neuroradiologen und Neurologen der Universitätsklinika Heidelberg und Würzburg bislang meist unerkannt gebliebene Gewebeschäden mit Hilfe eines neuen Kontrastmittels in der Magnet-Resonanz-Tomographie sichtbar machen können. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Brain" veröffentlicht.

Im frühen Stadium der Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung besonders erfolgreich. Bislang konnte eine frühe Diagnose jedoch meist nicht mit Sicherheit gestellt werden, insbesondere wenn keine oder nur wenige Entzündungsherde in der MRT zu finden waren. "Mit dem neuen Kontrastmittel konnten wir fünf bis zehn Mal mehr entzündliche Läsionen im Vergleich zu üblichen MRT-Bildern und Kontrastmitteln sichtbar machen", berichtet Professor Dr. Martin Bendszus, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuroradiologie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Bislang unerkannte Entmarkungsherde werden mit MRT sichtbar

Die MS ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems unbekannter Ursache. Meist beginnt sie im jungen Erwachsenenalter; Frauen sind häufiger betroffen. In Deutschland sind rund 120.000 Patienten erkrankt. Gekennzeichnet ist die MS durch vielfältige entzündliche Herde, in denen die Nervenfasern die schützenden Markscheiden verlieren. Diese Entmarkungsherde verursachen neurologische Ausfälle, die sich wieder zurückbilden können. In späteren Stadien kann es dann auch zu einem Verlust von Nervenfasern mit irreversiblen Schäden kommen. Die MRT spielt eine entscheidende Rolle in der Frühdiagnose der MS.

Die Wissenschaftler aus Heidelberg und Würzburg untersuchten mit dem neuen Kontrastmittel Gehirn und Rückenmark von Tieren zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Krankheitsverlaufs und fanden deutlich mehr entzündliche Läsionen als mit herkömmlichen Kontrastmitteln. Gewebeuntersuchungen der Läsionen zeigten, dass es sich hierbei tatsächlich um Entzündungsherde handelte. Insbesondere im Rückenmark oder im Sehnerv, die zu den schwer zu untersuchenden Nervenregionen zählen, war die Diagnostik mit dem neuen Kontrastmittel deutlich überlegen.

Neues Kontrastmittel reichert sich besser in MS-Läsionen an

Die Ergebnisse der Studie könnten die Behandlungsergebnisse bei MS entscheidend verbessern helfen. "MS ist die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit und Behinderung im jungen Erwachsenenalter", erklärt Professor Bendszus. "Neue Therapien haben einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf, werden jedoch häufig nicht rechtzeitig eingesetzt, da die Diagnose MS oft erst im fortgeschritteneren Stadium gestellt werden kann."

Das neue Kontrastmittel Gadofluorine M stellt MS-Läsionen vermutlich besser da, weil es besonders gut an bestimmte Bestandteile der Zellumgebung (extrazelluläre Matrix) in den entzündlichen Herden bindet. Dadurch reichert es sich in höherer Konzentration in den Läsionen an.

Das nächste Ziel der interdisziplinären Arbeitsgruppe ist nun die Weiterentwicklung des neuen MRT-Kontrastmittels für eine Anwendung in der klinischen Routine. Bislang ist das Kontrastmittel noch nicht zugelassen. Für die geplante klinische Anwendung sind weitere präklinische Untersuchungen erforderlich.

Kontakt:
Professor Dr. Martin Bendszus
Ärztlicher Direktor Abt. Neuroradiologie,
Neurologische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 7566
E-Mail: martin_bendszus@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Kontrastmittel Läsion MRT Nervenfaser Sklerose Tiermodell

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Problem Plastikmüll: Was können wir gegen die Verschmutzung der Meere tun?

23.02.2017 | Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Alternativer Therapieansatz für die Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher

23.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Luftfahrt der Zukunft

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Kühler Zwerg und die sieben Planeten

23.02.2017 | Physik Astronomie