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Altersblindheit: neue Forschungsergebnisse zur Krankheitsentstehung

23.07.2008
Die Immunabwehr ist bei der Altersblindheit im ganzen Körper überaktiv. Immunologen der Universitätsmedizin Götttingen sind an neuesten Ergebnissen der klinischen Grundlagenforschung beteiligt.

Die altersabhängige Makuladegeneration (AMD) ist in den westlichen Industrienationen die häufigste Ursache für Erblindung. Erblich bedingte Veränderungen in der Regulation des Immunsystems beeinflussen das Risiko, an einer AMD zu erkranken.

Die bisherigen Erkenntnisse über die Prozesse, die zur Altersblindheit führen, hat jetzt ein deutsch-englisches Forscherteam mit Betei-ligung von Immunologen der Universitätsmedizin Göttingen um einen weiteren wichtigen Aspekt ergänzt. Professor Oppermann aus der Abteilung Zelluläre und Molekulare Immunologie der Universitätsmedizin Göttingen ist Seniorautor einer Studie, die erstmals zeigt: Das Immunsystem ist bei Menschen mit AMD im ganzen Körper überaktiv.

Bislang war unbekannt, ob eine solche, den ganzen Körper betreffende Immun-reaktion bei dieser Augenerkrankung eine Rolle spielt. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Forschern aus Göttingen, Bonn, Regensburg und Oxford. Der klinische Teil wurde von Privatdozent Dr. Scholl aus der Universitätsaugenklinik Bonn geleitet.

Die Ergebnisse des Forscherteams sind jetzt veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe des Online-Journals Public Library of Science (PloS) ONE (http://www.plosone.org/article/info:doi/10.1371/journal.pone.0002593).

Das deutsch-englische Forscherteam folgte der Hypothese, dass eine Ursache für das Auftreten der Altersblindheit AMD eine Fehlregulation des sogenannten Komplementsystems sein könnte. Das Komplementsystem ist ein wichtiger Bestandteil der angeborenen Immunabwehr und ist an Entzündungsreaktionen beteiligt. Bisher war lediglich bekannt, dass Veränderungen von Genen, welche die Erbinformation für Proteine des Komplementsystems enthalten, das Risiko erhöhen, an einer AMD zu erkranken. Einige dieser Proteine aktivieren, andere hemmen das Komplementsystem.

Das Wissenschaftlerteam untersuchte Blut von insgesamt 112 AMD-Patienten und 67 gesunden Vergleichspersonen auf Anzeichen eines fehlregulierten Komple-mentsystems. Gesucht haben die Mediziner nach Veränderungen in der Konzentration von Proteinen, die auf eine Aktivierung des Komplementsystems

hinweisen. Und sie haben sie gefunden: Die Untersuchung des Patientenbluts zeigte deutliche Konzentrationsveränderungen mehrerer Komplementproteine, die außerdem mit den zuvor identifizierten erblichen Faktoren eng korrelierten.

„Unsere Studie weist erstmals nach, dass das Komplementsystem bei AMD-Patienten überall im Körper überaktiv ist“, sagt Professor Dr. Martin Oppermann. Die typischen Substanzen, welche die dauerhafte Entzündungsreaktion anzeigen, zirkulieren im Blut. „Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Ursache für die Altersblindheit (AMD) eine permanente unterschwellige Entzündungssituation des Körpers ist. Offenbar kann das jahrzehntelang folgenlos bleiben, im höheren Lebensalter aber zu Krankheitserscheinungen führen. Warum aber ausschließlich das Zentrum des schärfsten Sehens in der Netzhaut betroffen zu sein scheint, wissen wir noch nicht“, sagt Oppermann.

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

In Deutschland leiden schätzungsweise 4,5 Millionen Menschen an einer altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Bei dieser Erkrankung wird die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut (Makula) zunehmend geschädigt. Die Menschen können nicht mehr lesen, die Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung geht verloren. Über die Ursachen dieser Erkrankung wussten Augenärzte bislang vergleichsweise wenig: Erbfaktoren spielen eine Rolle, aber auch beeinflussbare Faktoren wie das Rauchen.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Zelluläre und Molekulare Immunologie Prof. Dr. Martin Oppermann
Humboldtallee 34, 37073 Göttingen
Telefon 0551-39-5822, Fax 0551-39-5843, mopperm@gwdg.de

Stefan Weller | Universitätsmedizin Göttingen
Weitere Informationen:
http://www.universitaetsmedizin-goettingen.de

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