Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Diabetesforschung will Amputationsrate verringern

18.07.2008
Neu entdecktes Protein macht Hoffnung

Britische Forscher haben ein Protein lokalisiert, das dafür verantwortlich gemacht wird, dass es bei Diabetes-Patienten zu Gliedmaßenamputationen kommen muss. Die Forscher der Uni Bristol fanden heraus, dass dies der Protein-Rezeptor p75NTR sei. "Gerade bei Diabetes kann es sehr schnell dazu kommen, dass selbst kleinste Verletzungen dazu führen, dass wir amputieren müssen", sagte Michael Stumvoll, Experte für Diabetes an der Universität Leipzig, auf pressetext-Nachfrage.

Alleine in Großbritannien werden wöchentlich 100 diabetesbedingte Amputationen durchgeführt. Dabei handle es sich vor allem um Beine und Füße. "Diabetes führt zu Verschlüssen kleinster Gefäße und bei Diabetes Typ II auch zu Verschlüssen größerer. Dadurch werden Gliedmaßen nicht mehr durchblutet", erläutert Stumvoll. Aus physikalischen Gründen seien gerade die unteren Extremitäten davon betroffen.

Die britischen Forscher fanden heraus, dass der Protein-Rezeptor p75NTR wohl dazu beiträgt, dass dieser Prozess weiter verstärkt wird. Im Zuge der Wundheilung werden normalerweise Blutgefäße produziert, die schnellstmöglich die Wunde wieder verschließen. Laut der Studie verhindert p75NTR aber genau diesen Vorgang. "Natürlicherweise findet sich dieser Rezeptor nicht in den Blutgefäßen produzierenden Zellen, doch bei Diabetespatienten schon", erläutern die Wissenschaftler. Im Mausversuch haben sie nachgewiesen, dass ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von p75NTR und dem Absterben von Gliedmaßen besteht. "Der Rezeptor scheint die Zellen zu entmutigen neue Blutgefäße zu produzieren", erklären sie weiter.

... mehr zu:
»Amputation »Blutgefäß »Diabetes

"Das Problem bei Diabetikern ist, dass sie oftmals gar nicht mitbekommen, dass sie eine Wunde haben", sagt Stumvoll. Denn neben einem Verschluss der Gefäße kommt es zudem zu einer Nervenerkrankung, wodurch die Patienten kein Gefühl mehr in Fuß oder Bein haben. "Dann reicht schon ein nicht bemerktes Taschentuch im Schuh aus, dass sich eine Blase unterm Fuß bildet und diese kann sich bei Nichtbehandlung entzünden", so Stummvoll. Dies sei oftmals der Anfangspunkt für eine spätere Amputation. Um dieser entgegenzuwirken, werden die Betroffenen mit Antibiotika beziehungsweise mit speziell geformten Schuhen behandelt. "Die verletzte Stelle muss quasi schweben und es darf kein Druck auf sie aufgeübt werden. Dann heilt es auch wieder gut ab", fährt Stumvoll fort. Kritisch werde es jedoch, wenn die Verletzung den Knochen erreicht. Dann komme man oftmals an einer Amputation des Fußes oder des Unterschenkels nicht mehr vorbei.

Noch könne nicht von einem Durchbruch in der Diabetesbehandlung gesprochen werden, sagt Iain Frame, von der charity Diabetes UK: "Erst müssen die Ergebnisse der Tierversuche beim Menschen bestätigt werden." Die Bristoler-Forscher hoffen jedoch in Zukunft, das Protein gezielt ersetzen zu können und so die Amputationsrate zu senken.

Erik Staschöfsky | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.bristol.ac.uk

Weitere Berichte zu: Amputation Blutgefäß Diabetes

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden «Krebssignatur» in Proteinen

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wichtiger Prozess für Wolkenbildung aus Gasen entschlüsselt

05.12.2016 | Geowissenschaften

Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

05.12.2016 | Ökologie Umwelt- Naturschutz