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Nach dem Schlaganfall den nächsten verhindern: Bestimmte Medikamente nützen, andere sind überflüssig

19.07.2002


(München) Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben, profitieren von einer prophylaktischen Behandlung mit bestimmten Medikamenten, die das Risiko für weitere Schlaganfälle reduzieren kann. Welche Substanzen in der Sekundärprävention wirksam sind (die Kombination eines ACE-Hemmers mit einem Diuretikum) und auf welche verzichtet werden kann (Blutverdünner und Hormone für Frauen nach den Wechseljahren), belegen nun erstmals mehrere große internationale Studien. Diese Untersuchungen bewerten Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift InFo Neurologie & Psychiatrie.

Rund 200.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall, verursacht durch eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Blutgerinnsel, Embolien oder arteriosklerotische Ablagerungen in den Hirngefäßen sind die häufigsten Auslöser, bei 20 Prozent der Patienten ist eine Hirnblutung verantwortlich.

Ein Schlaganfall tritt zwar plötzlich ein, doch er schickt in vielen Fällen Warnzeichen voraus, so genannte transiente ischämische Attacken (TIA). Sie verursachen ähnliche Symptome wie ein Schlaganfall - Lähmungen, Sprachstörungen und andere neurologische Ausfälle -, verschwinden jedoch binnen weniger Minuten wieder.

Bleiben bei Schlaganfall- und TIA-Patienten die Risikofaktoren für einen Hirninfarkt - Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, erhöhte Blutfettwerte, Herzrhythmusstörungen - unbehandelt, kommt es bei jedem zehnten im darauf folgenden Jahr zu einem erneuten Insult. Darum ist eine vorbeugende Therapie, die Sekundärprävention, wichtig.

Welche Medikamente dabei wirksam sind, belegen nun mehrere wissenschaftliche Studien, die Ärzte nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin geplant und durchgeführt haben. Diese Untersuchungen werden in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift InFo Neurologie & Psychiatrie zusammengestellt und bewertet.

Die internationale PROGRESS-Studie mit über 6000 Patienten ist nach Meinung von Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie dabei eine der wichtigsten Untersuchungen, die in den letzten 20 Jahren zur Schlaganfallprävention durchgeführt wurde. "Diese Studie belegt eindeutig", kommentiert Professor Hans-Christoph Diener von der Neurologischen Universitätsklinik Essen, "dass es durch eine kombinierte Behandlung mit dem ACE-Hemmer Perindopril und dem Diuretikum Indapamid möglich ist, die Zahl weiterer Schlaganfälle nach TIA oder Schlaganfall zu reduzieren." Dies gelte auch und insbesondere für Gehirnblutungen. Das Risiko für schwere Schlaganfälle sank durch die Kombinationstherapie um ein Drittel, jenes für leichtere Anfälle oder TIAs etwas weniger ausgeprägt um nahezu ein Viertel. Unklar ist allerdings, so der Experte weiter, ob es sich dabei um eine spezifische Wirkung der beiden Medikamente handelt oder ob jedwede Senkung des Blutdruckes den selben Effekt erzielen würde. (Der obere, systolische Wert sank bei den behandelten Patienten um 12, der untere, diastolische Wert um fünf Millimeter Quecksilbersäule.) Darum sind inzwischen Untersuchungen mit anderen modernen Blutdrucksenkern angelaufen.

Geklärt ist inzwischen auch, ob Schlaganfallpatienten von einer Behandlung mit blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulation) mehr profitieren als von einer konventionellen Behandlung mit Thrombozytenfunktionshemmern wie Acetylsalicylsäure (ASS). Eine Studie mit über 2000 Patienten belegt, dass eine niedrig dosierte ASS-Behandlung genügt. Die Therapie mit dem Blutverdünner Warfarin war nicht wirksamer als jene mit ASS. Allerdings profitiert jenes Viertel der Patienten von Blutverdünnern, bei denen der Schlaganfall durch eine Emboliequelle im Herzen verursacht wurde. Dies geht aus einer anderen Untersuchung hervor, die gleichzeitig veröffentlicht wurde.

Nicht bestätigen durch eine Untersuchung mit mehr als 600 Frauen konnten Ärzte die Hypothese, dass eine Hormonersatztherapie bei Frauen nach den Wechseljahren, die einen Schlaganfall oder TIAs erlitten hatten, weitere Insulte verhüten kann. Bei dieser Studie hatte die Hälfte der Frauen Östrogene, die andere Hälfte ein Scheinmedikament (Placebo) genommen. Schlaganfälle, TIAs oder Hirnblutungen traten in beiden Gruppen gleich häufig auf. "Östrogene sollten daher in Zukunft mit der Indikation Sekundärprävention des Schlaganfalles oder Herzinfarktes nicht mehr gegeben werden", lautet die Empfehlung der DGN-Experten.

Quelle:
InFo Neurologie & Psychiatrie, Heft 3/2002, Bd. 4

Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Pressestelle:
Barbara Ritzert, ProScientia GmbH, Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97 e-mail: ritzert@proscientia.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw

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