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Zwei neue Medizinische Kompetenznetze an der Charité

19.07.2002


Zur Erforschung von Herzkrankheiten stellt das BMBF 25 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre zur Verfügung

Im Wettbewerb um die Finanzierung sogenannter "Medizinischer Kompetenznetze" durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist die Charité im Juli gleich zweimal erfolgreich gewesen: Beide Kompetenznetze befassen sich mit Herzerkrankungen.


· Sprecher des "Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler", das nun fünf Jahre lang mit jährlich zweieinhalb Millionen Euro gefördert wird, ist Professor Dr. Peter E. Lange, Direktor der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Kardiologie" der Charité und zugleich Direktor der "Klinik für Angeborene Herzfehler/Kinderkardiologie" am Deutschen Herzzentrum Berlin,DHZB.
· Sprecher des "Kompetenznetzes Herzinsuffizienz" ist Professor Dr. Rainer Dietz, Direktor der "Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie" der Charité und in Personalunion Direktor der "Franz-Volhard Klinik" am Campus Berlin-Buch der Charité. Auch dieses Netz kann sich für die nächsten fünf Jahre auf ein jährliches Fördervolumen von zweieinhalb Millionen Euro einrichten.


"Kompetenznetze für die Medizin" werden seit 1999 vom BMBF gefördert. Sie haben das Ziel, beschleunigt bessere Ergebnisse in der Erforschung bestimmter für die Bevölkerung bedeutsamer Krankheitsbilder zu erzielen, gleichzeitig die Weiterbildung der Ärzte und die Versorgung der Kranken auf diesem Feld erkennbar zu optimieren. Dies soll durch Vernetzung der Kompetenzen der besten vorhandenen Einrichtungen in Forschung und Krankenversorgung geschehen unter der Leitung eines wissenschaftlich besonders ausgewiesenen sog. Sprechers.
Das "Kompetenznetz Angeborene Herzfehler" widmet sich sowohl den 6000 Kindern, die jedes Jahr allein in Deutschland mit angeborenen Herzfehlern zur Welt kommen als auch den rund 300 000 Erwachsenen, die an den Folgen ihres Herzfehlers lebenslang leiden. Zwar erreichen die betroffenen Kinder dank besserer Behandlung zu 90 % das Erwachsenenalter, 70 % bleiben aber lebenslang chronisch herzkrank. Denn trotzt frühzeitiger Operation oder Herzkatherbehandlung stellen sich im Laufe der Jahre Folgeerkrankungen ein, die wenig erforscht sind, gleichwohl die Leistungsfähigkeit der Betroffenen erheblich einschränken können. Hinzu kommt, dass es für die erwachsenen Patienten keine Ärzte mit den nötigen Spezialkenntnissen und damit keine adaequate Betreuung gibt, nachdem die Patienten mit dem 18. Lebensjahr der kinderkardiologischen Betreuung entwachsen.
Das Kompetenznetz vereint alle Wissenschaftler und Ärzte, die sich in Deutschland mit diesem Krankheitsbild befassen. So sind neben der Charité und dem DHZB unter anderen alle Universitätskliniken und alle Herzzentren beteiligt, die angeborene Herzfehler therapieren. Außerdem sind die entsprechenden Rehabilitationseinrichtungen in Bernau, Höhenried, Tannheim, Rüdersdorf, Hochstaufen und Bad Oexen einbezogen.

Das Netz zielt auf die drastische Senkung der Sterblichkeit betroffener Kinder in den frühen Lebensjahren und auf die Erforschung der Folgekrankheiten und damit auf Verbesserung der Lebenserwartung und -qualität. Dazu soll u.a. ein bereits am DHZB begonnenes "Nationales Register für Patienten mit Angeborenen Herfehlern", das bisher Daten von mehr als 7000 Patienten erfaßt, europaweit ausgebaut werden. Ferner wird erstmals ein Lehrbuch des neuen Krankheitsbildes "Angeborene Herzfehler nach operativer und/oder interventioneller Therapie" erarbeitet werden und die Weiterbildung niedergelassener Ärzte in Bezug auf dieses Thema intensiviert werden.

Das "Kompetenznetz Herzinsuffizienz" befaßt sich mit einer Volkskrankheit, die zwei bis drei Millionen Menschen in Deutschland betrifft und bei der eine Heilung ncht möglich ist. Vielmehr verursacht die Krankheit bei geringer Lebenserwartung der Betroffenen (mit durchschnittlich 3,2 Jahren für Frauen und 1,7 für Männer) außerordentlich hohe Krankheitskosten. Gleichzeitig sind die Ursachen verschiedener Formen der Herzinsuffizienz weitgehend unklar, der Einfluß von Risikofaktoren (Ernährungsverhalten, genetische Disposition) offen, die diagnostischen Verfahren - insbesondere für die frühzeitige Entdeckung der Herzinsuffizienz - unsicher und die Therapie, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, mit großen Defiziten behaftet.
Das neue Kompetenznetz soll deshalb alle in Deutschland bereits vorhandenen Forschungskapazitäten zusammenführen, und auch bereits anderweitig geförderte Projekte dem Verbund assoziieren. Eingebunden sind alle klinischen Fachgruppen, von Kardiologen, Chirurgen, Pharmakologen bis hin zu Pschychologen, Gesundheitsökonomen und Epidemiologen.
Neben der Grundlagenforschung wird die patientenorientierte Forschung insbesondere auf dem Gebiet der Diagnostik vorangetrieben werden, um durch frühzeitig einsetzende Therapie den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen. Dazu werden einerseits die bildgebenden Verfahren der Herzdiagnostik und neue Frühwarnsysteme im Blut (Serummarker) überprüft werden.
Schließlich zielt das Kompetenznetz darauf, die Defizite in der stationären Versorgung der Patienten zu beseitigen, die derzeit noch zu einem Drehtürmechanismus führen mit Aufnahme-Entlassung-Wiederaufnahme in kurzen Zeitabständen. Legt man die "Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz" zugrunde, so bleibt festzuhalten, daß bisher nur ein Fünftel der Patienten angemessen behandelt wird. Der Optimierung der Versorgung sollen u.a. drei regionale Modellprojekte dienen, in denen Universitätskliniken mit Krankenhäusern der Akutversorgung, mit Reha-Einrichtungen, Praxisnetzen und Selbsthilfegruppen verknüpft werden. Große Bedeutung mißt man auch sogenannten multizentrischen klinischen Studien mit neuen Medikamenten zu, die wirsamere Therapien versprechen. Dazu wird ein eigenes Zentrum für Studienkoordination und -management gegründet.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

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