Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Haarausfall-Therapie – zwischen Mythen und Fakten

16.07.2008
Die Haarsprechstunde an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat sich in den letzten 10 Jahren zu einem überregionalen Zentrum für Haarerkrankungen entwickelt.

Wenn einem Menschen die Kopfhaare ausfallen, ist das meist eine erhebliche Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes. Mitunter fühlen sich die Betroffenen dadurch stark beeinträchtigt. „Es kann aber neben der ästhetischen Symptomatik auch eine ernsthafte Erkrankung dahinter stecken.

Eine sorgfältige Analyse durch den spezialisierten Facharzt ist deshalb angeraten“, empfiehlt Prof. Dr. Hans Wolff von der Klinik für Allergologie und Dermatologie der LMU. Folgende Formen und Ursachen werden unterschieden:

Unklarer verstärkter Haarausfall (Effluvium)

... mehr zu:
»Alopezie »Dermatologie »Haarausfall
Erblicher Haarausfall bei Männern und Frauen (androgenetische Alopezie)

Immunologisch bedingter Haarausfall (Alopecia areata)

Pustulös-vernarbende Alopezien (Folliculitis decalvans)
T-zellulär bedingte Alopezien (Lichen ruber follicularis, chronisch-diskoider Lupus erythematodes)

Haarwuchsstörungen bei Kindern

Seltene Hypotrichosen (Typ Marie-Unna)

Seltene Syndrome (Comel-Netherton-Syndrom, Trichothiodystrophie)

„Bei fast jedem Patienten wird nach der Anamnese und der klinischen Untersuchung eine Haarwurzelanalyse (Trichogramm) durchgeführt“, sagt Prof. Wolff. „Dazu müssen etwa 20-40 Haare aus der Kopfhaut gezogen werden. Unter dem Mikroskop kann man an der Form der Haarwurzel erkennen, ob das Haar gerade im Wachstumsstadium (Anagen) oder im Ruhestadium (Telogen).“ Je mehr Haare im Ruhestadium, desto stärker der aktuelle Haarausfall. Durch das Trichogramm ist es also möglich, Angaben zum täglichen Haarverlust zu objektivieren.

Eine relativ neue Methode ist die Trichoskopie. Dabei begutachtet der Arzt die Kopfhaut mittels einer speziellen Lupe, einem Dermatoskop. Hiermit kann viel besser als mit dem bloßen Auge unterschieden werden,

ob eine Vernarbung vorliegt oder noch „leere“ Haarfollikel vorhanden sind (wie bei Alopecia areata)

ob die Haare stoppelig abgebrochen sind wie bei der Trichotillomanie

ob Stoppeln und weißliche Schuppen wie bei der Pilzinfektion Mikrosporie vorliegen.

Behandlungsmöglichkeiten

„Von besonderem Interesse sind neue therapeutische Ansätze. So war die Haarambulanz unserer Klinik das einzige deutsche Studienzentrum bei den internationalen Studien mit Finasterid zur Behandlung der androgenetischen Alopezie des Mannes“, schildert Prof. Wolff. „Weitere Studien belegten die gute Wirksamkeit von Minoxidil-Lösung bei der Therapie des erblichen Haarausfalls bei Frauen“. Ein wesentliches Element bei der Therapie der androgenetischen Alopezie ist die objektive Fotodokumentation. Durch eine spezielle Kameravorrichtung ist es möglich bei allen Patienten Verlaufsdokumentationen des Haarstatus vorzunehmen, um auf geringe Veränderungen der Haardichte durch eine geeignete Therapieanpassung reagieren zu können. „In der Regel wird zunächst nach 3 Monaten, später alle 6 und schließlich alle 12 Monate kontrolliert, ob die eingeschlagene Therapie erfolgreich ist“, sagt Prof. Wolff.

Bereits vor 10 Jahren wurde die topische Immuntherapie mit Diphencyprone (DCP) zur Behandlung der Alopecia areata etabliert und wurde seitdem bei über 500 schwer betroffenen Patienten angewendet. Hierbei wird DCP, ein obligates Allergen, auf die Kopfhaut aufgebracht, um konkurrierende T-Lymphozyten anzulocken, die wiederum die gegen den Haarfollikel gerichtetetn T-Lymphozyten herunterregulieren. Durch diese Immunmodulation können je nach Ausgangssituation bei 30-80 % der Behandelten wieder Haare wachsen.

Aus dem in den Jahren seit Bestehen gesammelten umfangreichen Spezialwissen resultierte das Buch „Diagnostik und Therapie von Haarerkrankungen“ das mittlerweile in der 3. Auflage erschienen ist.

Die Haarsprechstunde an der Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München findet täglich vormittags von Montag bis Freitag statt. Anmeldung für Kassen- und Privatpatienten ohne Terminvereinbarung von 8:00 bis 10:30 vor Ort. Auskünfte können unter Telefon (089) 5160-6341 oder über die Website http://derma.klinikum.uni-muenchen.de.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Hans Wolff
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie
der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU)
bis Freitag, 18.7.08: tel: +49 (0)89 5160-6207
Ab Montag, 21.7. über Kongressbüro Gasteig: + 49 (0)89 480 98 97 100
E-mail: hans.wolff@med.uni-muenchen.de
Dermatologische Fortbildungswoche
Die größte Fortbildungsveranstaltung im Bereich der Dermatologie im deutschsprachigen Raum findet 2008 zum 21. Mal in München statt (19.-25. Juli). Über 2.000 Teilnehmer haben sich angemeldet, darunter auch eine Vielzahl von Gästen aus dem Ausland. Die Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie fand erstmals 1951 statt und wurde von der Klinik und Poliklinik für Allergologie und Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) initiiert und seitdem alle zwei Jahre durchgeführt.

Tatjana Catsch | Universität München
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenchen.de

Weitere Berichte zu: Alopezie Dermatologie Haarausfall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten