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Tropenmediziner: Urlauber sollen sich besser informieren

15.07.2008
Experten warnen vor Kontakten mit Affen und Fledermäusen

Viele Touristen sind über die gesundheitlichen Vorkehrungen vor einer Reise kaum informiert. Bei der Befragung von mehr als 8.000 Reisenden in Nordeuropa war 80 Prozent nicht bekannt, welchen Gesundheitsrisiken sie während einer Reise ausgesetzt sind. Generell sind - auch für Reisen innerhalb Europas - Auffrischungsimpfungen gegen Tetanus, Diphterie und Kinderlähmung empfohlen.

Experten raten auch dringend zu einer Impfungen gegen Hepatitis A. "Wer nach der Rückkehr aus den Tropen über Unwohlsein oder Fieber klagt, sollte sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben", rät der Experte Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) im pressetext-Interview. "Gerade bei tropischen Fiebererkrankungen kann jede Stunde zählen. Viele Tropenerkrankungen können bei rechtzeitiger Entdeckung sehr gut behandelt werden."

Löscher warnt allerdings vor Kontakten mit Affen und Fledermäusen. Nach dem Tod einer niederländischen Touristin durch das Marburg-Virus sei das anzuraten, meint der Experte. "Wir wissen, dass Fledermäuse tödliche Erreger wie Marburg-, Ebola- oder Tollwutviren übertragen können. Offenbar kann eine Infektion nicht nur durch Bisswunden oder den Verzehr dieser Tiere erfolgen, es gibt auch Hinweise darauf, dass der Kontakt mit Ausscheidungen gefährlich sein kann." Da Fledermäuse in manchen Teilen Afrikas auch zur Beute von Affen gehören, die wiederum von Menschen gejagt und verzehrt werden, kann es immer wieder zu Ausbrüchen von solchen hämorrhagischen Viruserkrankungen kommen, die sehr häufig tödlich enden.

Eine Tollwutimpfung empfiehlt der Mediziner dann, wenn man in ein Land fährt, in dem diese Erkrankung häufig auftritt. "Die meisten Fälle von Tollwut gibt es in Indien, wo man von etwa 20.000 bis 30.000 Todesfällen im Jahr berichtet." Sehr viele Tollwutfälle gibt es auch in China. "Ein weiterer Grund sich zu impfen ist natürlich auch die Frage der Exposition mit den Tieren", erklärt Löscher. Ein Pauschaltourist komme sicher weniger häufig in Kontakt mit Wildtieren als ein Rucksack-Tourist.

"In diesem Zusammenhang muss natürlich auch vor einem Kontakt mit Straßenhunden gewarnt werden." Zu einer vorbeugenden Impfung rät der Experte auch dann, wenn eine Impfung vor Ort nicht oder nur sehr schwer verfügbar sei. "Das gilt für die meisten afrikanischen Länder. In Indien oder Thailand gibt es das Problem eher nicht." Als Faustregel gelte, dass nicht jeder Infizierte an Tollwut erkrankt, aber jeder Erkrankte daran stirbt. "Eine Impfung kann daher lebensrettend sein und sollte auf jeden Fall gegeben werden, wenn man in diesen Gebieten Bissverletzungen erleidet", erklärt Löscher.

Generell ließen sich die meisten Tropenerkrankungen gut behandeln. Der Experte rät dennoch zu einer Aufklärung bei einem reisemedizinisch geschulten Mediziner oder einer Klinik. "Auch wenn es vielleicht irritierend klingen mag, jährlich sterben mehr Reisende an den Folgen von Unfällen als an Krankheiten", so Löscher. Darum sei es oberstes Gebot auf Reisen vorsichtig zu sein, erklärt der Wissenschaftler abschließend im pressetext-Interview.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.internisten-im-netz.de

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