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Einsatz von Statin bei Kindern löst Debatte aus

10.07.2008
Cholesterinsenkender Wirkstoff für Kinder in Deutschland noch nicht zugelassen

Die American Academy of Pediatrics (AAP) hat empfohlen, zukünftig auch bei Kindern Statine zur Senkung von hohen Cholesterinwerten einzusetzen. Diese Empfehlung der einflussreichen Kinderärztevereinigung hat jedoch unter Experten zu erheblichen Diskussionen geführt. "Ob und wie Statine bei Kindern eingesetzt werden sollten, ist noch gar nicht umfassend erforscht", sagt Ulrich Laufs, Professor für Kardiologie am Uniklinikum Saarland, auf pressetext-Nachfrage.

Statine werden bei Erwachsenen mit Fettstoffwechselstörungen zur Senkung des sogenannten LDL-Spiegels, des schlechten Cholesterins eingesetzt. "Cholesterin wird über zwei Wege freigesetzt. Zum einen nehmen wir es über die Nahrung auf und zum anderen produziert es die Leber", so Laufs weiter. Statin verhindert, dass von der Leber übergroße Mengen dieses Cholesterins freigesetzt werden.

Die nun vorgelegten Richtlinien empfehlen zwei- bis acht-jährigen Kindern, die bereits familiär vorbelastet sind, sich regelmäßigen Cholesterintests zu unterziehen. Weitergehend regen die Forscher der AAP an, Kinder, die einen LDL-Wert von über 190 Milligramm je Deziliter haben, ab dem achten Lebensjahr mit Statin zu behandeln. Bei Patienten, in deren Familien bereits Herzinfarkte aufgetreten sind, sinkt der Wert auf 160 Milligramm. Für Kinder mit Diabetes sollte nach Ansicht der Ärzte dieser sogar nur bei 130 Milligramm liegen. "Hierbei hat man ein Analogieprinzip gewählt, denn genau diese Werte werden auch bei Erwachsenen angesetzt", sagt Laufs.

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Zu viel schlechtes Cholesterin kann zu Gefäßverkalkungen und Arterienverschlüssen führen. "Und dieser Prozess beginnt bereits im Kindesalter und kann mit Herzinfarkten und Schlaganfällen enden", erläutert Nicolaus Stettler vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia. "Warum sollen wir also nicht schon frühzeitig beginnen, diesem Verlauf entgegenzuwirken."

Kritiker werfen der AAP vor, dass es keine ausreichenden Tests gibt, ob Statine überhaupt für Kinder geeignet sind. Zudem gilt als Hauptnebenwirkung von Statin die strukturelle und funktionelle Veränderungen der Skelettmuskulatur, was gerade im Kindesalter zu langfristigen Schädigungen führen kann. Zwar gab es im Laufe des vergangenen Jahrzehnts immer wieder kleine Studien zu diesem Thema, jedoch keine Langzeitstudie, die Spätfolgen hätte aufzeigen können. "Umfassende Studien lohnen sich auch nicht für großen Pharmaunternehmen. Auf eine Mio. Kinder kommt eine einstellige Zahl von Betroffenen, die überhaupt in Frage kommen würden, mit Statin behandelt zu werden", erklärt Laufs. "Das ist auch der Grund dafür, dass das Medikament in Deutschland noch nicht freigeben ist. Nicht etwa weil es nachgewiesenermaßen gefährlich ist."

Die US-amerikanischen Forscher verteidigen ihre Richtlinien mit den Erfahrungen, die sie bei der Behandlung von jungen Erwachsenen gemacht haben. Nach ihren Angaben steige die Zahl der adipösen Jugendlichen in den USA stetig, wodurch eine frühzeitige Behandlung von Patienten mit über-hohen Cholesterinwerten immer wichtiger werde.

Erik Staschöfsky | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.aap.org
http://www.uniklinikum-saarland.de

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