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Nach WHI-Studie: Hormonersatztherapie weiterhin sinnvoll?

17.07.2002


Stellungnahme des Vorsitzenden der Arbeitsgruppe "Steroide in Kontrazeption und Substitution (SIKUS)" des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. , Professor A.T. Teichmann

Der Arbeitskreis "Steroide in Kontrazeption und Substitution (SIKUS)" des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. nimmt Stellung zu den Berichterstattungen der Presse über Studien-Ergebnisse der Women´s Health Initiative (WHI), die bei vielen Anwenderinnen von Hormonpräparaten für Verunsicherung sorgen:

(Die Stellungnahme kann von Ärzten und Patientinnen unter folgender Faxnummer abgerufen werden: 03643 - 433 26 6666)

Die Ergebnisse der Studie

Die Studie untersuchte den Einfluss einer kombinierten Behandlung mit den Hormonen konjugierte equine Östrogene und Medroxyprogesteronacetat auf verschiedene Erkrankungen über einen Zeitraum von 5,2 Jahren, wobei die behandelten Frauen zum Zeitpunkt des Studienbeginns im Durchschnitt 63 Jahre alt waren. Die Behandlung mit dieser Hormonkombination hatte nach Angaben der Autoren der Untersuchung folgenden Einfluss auf die Gesundheit der behandelten Frauen:

  • Eine Senkung der Knochenbruchrate

  • Eine Senkung der Anzahl von Dickdarmkrebserkrankungen

  • Eine leichte Erhöhung der Anzahl diagnostizierter Brustkrebserkrankungen bei Frauen, die sowohl konjugierte equine Östrogene als auch Medroxyprogesteronacetat erhalten hatten. Mit Östrogenen behandelte Frauen hatten kein erhöhtes Risiko und diese Untersuchung wurde daher auch nicht abgebrochen, sondern läuft weiter.

  • Keine Senkung der Herz-Kreislauferkrankungen

Welche Einschränkungen haben die Ergebnisse dieser Studie?

  • Es wurde nur eine Hormonkombination untersucht, nämlich konjugierte equine Östrogene und Medroxyprogesteronacetat. Die Ergebnisse lassen daher lediglich Rückschlüsse auf diese Hormonkombination zu. So kam zum Beispiel eine umfangreiche, erst kürzlich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie zu dem Ergebnis, dass Frauen, die die "Pille" zur Verhütung einnehmen, kein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben.

  • Das verhältnismäßig hohe Durchschnittsalter der behandelten Frauen zu Studienbeginn von 63 Jahren lässt erwarten, dass zahlreiche der teilnehmenden Frauen bereits Schädigungen der Blutgefässe hatten. Das bedeutet, die erwartete wichtige Schutzwirkung der Hormone, die sich vermutlich nur bei zu Behandlungsbeginn noch nicht vorgeschädigten Gefäßen bemerkbar macht, war nicht möglich. In Deutschland beginnt daher eine Hormonbehandlung üblicherweise auch deutlich früher, zum Beginn der Wechseljahre.

Erhöht eine Hormonbehandlung mit Östrogenen und Gestagenen das Brustkrebsrisiko?

Die bisher umfangreichste Auswertung zu dieser Fragestellung hat ergeben, dass bei einer Behandlungsdauer bis zu fünf Jahren kein erhöhtes Risiko festzustellen ist. Bei Frauen, die Östrogene über einen längeren Zeitraum angewendet hatten, fand man dagegen in derselben Untersuchung einen geringen Anstieg der Brustkrebshäufigkeit, die Sterblichkeitsrate an Brustkrebs war jedoch nicht erhöht. Östrogene lösen denn auch keinen Krebs aus, sie können jedoch das Wachstum bereits vorhandener, noch nicht erkannter Tumoren begünstigen.

Welchen Einfluss haben Östrogene auf eine bestehende Brustkrebserkrankung?

Östrogene können nur das Wachstum derjenigen Tumore begünstigen, die auch hormonempfindlich sind. Diese Tumore sind jedoch deutlich weniger gefährlich, da sie sich seltener in andere Körperregionen ausbreiten. Außerdem kann der Tumor durch das beschleunigte Wachstum früher erkannt und entfernt werden, also bevor er sich im Körper ausgebreitet hat. Die Heilungsaussichten von Tumoren, die unter einer Östrogentherapie entstehen, sind daher deutlich besser. Da sich hormonbehandelte Frauen regelmäßig frauenärztlich untersuchen lassen, werden diese Tumore üblicherweise auch früher erkannt, so dass meist eine Entfernung derselben unter Erhalt der Brust möglich ist.

Welchen Nutzen hat die Anwendung von Hormonen?

Eine über mehrere Jahre konsequent durchgeführte Östrogentherapie schützt nachweislich vor Knochenschwund und bewahrt so vor schweren Knochenbrüchen im höheren Lebensalter, die sonst häufig eine Pflegebedürftigkeit zur Folge haben. Darüber hinaus ist diese Therapie ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität, da hormonmangelbedingte Beschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen, Hautalterung und Haarausfall erheblich verbessert werden. Auch zur Vorbeugung von Dickdarmkrebserkrankungen, eine der häufigsten Tumorerkrankungen von Frauen in Deutschland überhaupt, können Östrogene vermutlich einen wichtigen Beitrag leisten.

Prof. Dr. Alexander T. Teichmann | ots

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