Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tübinger Forscher auf dem 'europäischen' Weg zur Therapie für seltene neurologische Erkrankungen

03.07.2008
Uniklinikum erhält 400.000 Euro

Die Abteilung Medizinische Genetik und das Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung am Universitätsklinikum Tübingen beteiligen sich führend an zwei neuen europäischen Forschungsnetzwerken, die sich der Erforschung von seltenen neurodegenerativen Krankheiten widmen.

Im Europäischen und Mediterranen Netzwerk zu den Spastischen Spinalparalysen (EUROSPA) und in der Prospektiven Studie von Risikopersonen für die Spinozerebellären Ataxien Typ 1, Typ 2, Typ 3 und Typ 6 (SCA1, SC2, SCA3, SCA6) (RISCA), die jeweils über einen Zeitraum von drei Jahren (2008-2011) laufen, stehen den Tübinger Forschern unter der Leitung von Prof. Olaf Riess und Dr. Peter Bauer (Medizinischen Genetik) sowie Prof. Ludger Schöls (Hertie-Institut) ab sofort insgesamt 400.000 Euro zur Verfügung.

Auf dem oftmals langen und schwierigen Weg zu Therapien für seltene Erkrankungen repräsentieren EUROSPA und RISCA unterschiedliche Stadien:

... mehr zu:
»Ataxie »EUROSPA »Genetik »RISCA »Spinalparalyse

In EUROSPA beabsichtigen Ärzte und Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, Israel und Deutschland neue krankheitsverursachende Genorte und Gene zu finden sowie die assoziierten klinischen Erscheinungsbilder zu klären. Die Spastischen Spinalparalysen bilden eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe von hereditären degenerativen Erkrankungen des ersten Motoneurons, die zu einer schleichend progredienten Gangstörung durch eine Spastik und Schwäche der Beine führen.

RISCA hingegen ist mehrere Schritte weiter. Dieses Forschungsprojekt kann auf den Strukturen und Erkenntnissen aufbauen, die in einem großen von Prof. Olaf Riess koordinierten Europäischen Forschungsverbund zu den Spinozerebellären Ataxien (EUROSCA, 2004 - 2009) erzielt worden sind. Wie die Spastischen Spinalparalysen sind die Spinozerebellären Ataxien (SCAs) eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe von degenerativen Erkrankungen.

Sie werden autosomal dominant vererbt und sind durch zunehmende Gangunsicherheit, Feinmotorikstörung, verwaschenes Sprechen und Augenbewegungsstörungen ge-kennzeichnet. Es wird geschätzt, dass es allein in der Europäischen Union 30.000 Personen gibt, die direkt von Eltern abstammen, welche von SCA betroffen sind und daher ein 50%iges Risiko tragen, eine krankmachende Mutation geerbt zu haben. Mit Hilfe einer großen Gruppe dieser Risikopersonen hat RISCA die einzigartige Möglichkeit, prospektiv die prä-symptomatische Phase der SCA-Erkrankung zu untersuchen. Ziel ist es, die ersten und empfindlichsten klinischen Anzeichen und biologischen Marker zu finden, welche die Krankheit ankündigen. Diese Information besitzt große Wichtigkeit für die Entwicklung von therapeutischen Interventionen, die eine verzögerte klinische Manifestierung der Krankheit erreichen sollen.

EUROSPA und RISCA werden von E-Rare (ERA-Net for research programs on rare diseases) finanziert. E-Rare ist ein Zusammenschluss von neun öffentlichen Europäischen Forschungsförderungsorganisationen, die für die nationalen Programme in Hinsicht auf die Erforschung von seltenen Erkrankungen verantwortlich sind. Beide Forschungsnetzwerke gehören zu der Gruppe der 13 geförderten Projekte und konnten sich mit ihren Anträgen in einem extrem kompetitiven Verfahren durchsetzen.

Seltene Erkrankungen
Der Medizin sind etwa 30.000 Krankheiten bekannt. Etwa 7.000 Krankheiten werden als selten eingestuft. Das bedeutet, dass diese Krankheit bei fünf oder weniger von 10.000 Menschen auftritt. Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an solch einer seltenen Krankheit, die zwar in Fachbüchern beschrieben ist, in der täglichen Praxis der Ärzte aber kaum je auftaucht. So kommt es häufig vor, dass die Ärzte lange nicht zu einer Diagnose finden, geschweige denn einen Rat für die Behandlung wissen. Und weil es so wenige Betroffene gibt, lohnt es sich für die Pharmaindustrie kaum, Therapien und Medikamente zu entwickeln. Einzige Hoffnung und Hilfe bieten oft Selbsthilfegruppen und akademische Forschung.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Abteilung für Medizinische Genetik
Prof. Dr. Olaf Riess
Tel. 07071/29-7 64 58
E-Mail: olaf.riess@med.uni-tuebingen.de
Hertie-Institut für Klinische Hirnforschung und Zentrum für Neurologie
Prof. Dr. Ludger Schöls
Tel. 07071/29-8 04 12
E-Mail: ludger.schols@uni-tuebingen.de

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Ataxie EUROSPA Genetik RISCA Spinalparalyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik