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Gesunde Mitarbeiter - gesunde Firma

02.07.2008
Betriebliches Gesundheitsmanagement steuern

Die Zunahme verhaltensbedingter Krankheiten wie Übergewicht oder Rückenleiden und eine im Schnitt immer älter werdende Belegschaft erfordert schon heute, dass Unternehmen die psychische und physische Leistungsfähigkeit des einzelnen Mitarbeiters im unternehmerischen Denken und Handeln nicht außer Acht lassen.

Eine betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt immer mehr an Bedeutung, um das "Humankapital" eines Unternehmens zu sichern. Trotzdem nutzen erst wenige Unternehmen diese Möglichkeit systematisch.

Im März startete nun an der Universität Stuttgart im Verbund mit weiteren Einrichtungen das Forschungsprojekt GemNet mit dem Ziel, ein praxistaugliches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem Gesundheitsförderung in das gesamtbetriebliche Management integriert werden kann.

Bei vielen Unternehmen erfolgen Planung und Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) über externe Partner zum Beispiel Krankenkassen oder innerbetrieblich über die arbeitsmedizinischen Dienste. Der Fokus liegt dabei überwiegend auf Krankheitsvermeidung oder Unfallverhütung. Ein Managementansatz, der die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Zielgröße definiert, wird selten realisiert. Oft sehen die Unternehmen erst einen Anlass zum Handeln, wenn die Krankenfehlstände eine kritische Grenze überschreiten. Auch als messbare Größe für den Erfolg der Maßnahmen liegen bisher meist nur die erfassten Arbeitsunfähigkeitsdaten der Mitarbeiter vor.

Die Stuttgarter Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften unter Leitung von Prof. Wolfgang Schlicht konzipieren gemeinsam mit den Unternehmen BGF-Maßnahmen und entwickeln zusätzliche Kennzahlen, mit denen sich messen lässt, ob diese dazu führen, dass Mitarbeiter in Unternehmen ihr Gesundheitsverhalten dauerhaft ändern und so ihre Gesundheit verbessern. Dazu zählt beispielsweise, ob sie sich auch in ihrer Freizeit ausreichend bewegen, ausgewogen ernähren, Entspannungstechniken erlernen oder im Alltag die Treppe nehmen statt den Aufzug zu benutzen.

Dazu befragen die Forscher Mitarbeiter von am Projekt beteiligten Firmen und statten sie beispielsweise mit Schrittzählern aus, um so etwas über das Ausmaß der täglichen körperlichen Aktivität zu erfahren. Die Wissenschaftler interessieren sich auch für die Meinung der Mitarbeiter über gesundes Verhalten. Denn nur wer selbst davon überzeugt ist, dass ihm das veränderte Verhalten etwas bringt, wird es langfristig praktizieren.

Mit den vom Forschungsprojekt GemNet entwickelten Methoden soll es für die Unternehmen in Zukunft möglich sein, Gesundheitsmaßnahmen gezielt zu steuern und deren Wirkung mit dem Verfahren der Balanced Score Card, einem klassischen Werkzeug des betrieblichen Managements, messbar zu machen.

Die Forscher des Lehrstuhls für Sport- und Gesundheitswissenschaften haben langjährige Erfahrungen in der Konzipierung und Evaluation im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Unter anderem entwickelten sie mit der Betriebsmedizin der Porsche AG das Projekt Prevention First, das dann bei den Firmen Porsche, Behr und Dürr umgesetzt wurde. Neben den Stuttgarter Wissenschaftlern sind beim Forschungsprojekt GemNet im interdisziplinären Verbund die Universität Dortmund mit dem Lehrstuhl für Grundlagen und Theorien der Organisationspsychologie und das von Prof. Peter Horváth geführte International Research Performance Institute (IPRI) beteiligt. GemNet wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der EU gefördert.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Wolfgang Schlicht und Marcus Zinsmeister, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart, Tel. 0711/6856-3152, e-mail: marcus.zinsmeister@sport.uni-stuttgart.de

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.gemnet.de
http://www.uni-stuttgart.de/

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